11.04.2014 | Landesgleichstellungsgesetz Berlin

Frauenvertreterin muss bei Abmahnung beteiligt werden

Frauenvertreterin muss bei allen Abmahnungen beteiligt werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Beteiligung einer Frauenvertreterin nach dem Berliner Landesgleichstellungsgesetz ist bei jeder Abmahnung erforderlich und soll potentielle Diskriminierungen von vornherein ausschließen, so das Verwaltungsgericht Berlin.

Die Frauenvertreterin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) muss bei Abmahnungen gegenüber Beschäftigten nach § 17 Abs. 1 LGG beteiligt werden. Dabei ist es nicht relevant, ob die Abmahnung einem Mann oder einer Frau gegenüber ausgesprochen wird.  Das hat das Verwaltungsgericht Berlin mit Urteil vom 27.2.2014 entschieden.

Abmahnung für Busfahrer wegen freihändigen Fahrens

Im zugrunde liegenden Streitfall hatte die BVG hatte im Juni 2012 einen Omnibusfahrer abgemahnt, weil dieser in drei Fällen einen Bus über mehrere Meter freihändig geführt haben soll.

Die Klägerin, die zuständige Frauenvertreterin der BVG, war hieran nicht beteiligt worden. Mit ihrer Feststellungsklage machte die Klägerin die Verletzung ihrer Beteiligungsrechte geltend. Bei der Abmahnung handele es sich um eine personelle Maßnahme, die die Rechtsstellung des Beschäftigten berühre. Für die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung habe das Bundesarbeitsgericht dies in parallelen Fällen bereits entschieden.


Frauenvertreterin ist an der Abmahnung zu beteiligen

Das Verwaltungsgericht Berlin stellte fest, dass die Klägerin an der Abmahnung hätte beteiligt werden müssen. Nach dem Landesgleichstellungsgesetz sei die Frauenvertreterin bei allen sozialen, organisatorischen und personellen Maßnahmen zu beteiligen. Die Abmahnung stelle eine solche personelle Maßnahme dar, weil sie vom Arbeitgeber etwa im Rahmen eines künftigen Kündigungsverfahrens oder eines Zeugnisses zulasten des Beschäftigten berücksichtigt werden könne.

Unerheblich sei, dass die Abmahnung die aktuelle Rechtsstellung des Beschäftigten nicht beeinträchtige. Eine Abmahnung sei auch ein Mittel, das vom Arbeitgeber diskriminierend eingesetzt werden könnte, etwa indem er Frauen und Männer unterschiedlich abmahne. Um eine solche potentielle Diskriminierung von vornherein auszuschließen, sei es nach der Zielsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes erforderlich, die Frauenvertreterin bei jeder Abmahnung zu beteiligen, unabhängig davon, ob im konkreten Fall ein Mann oder eine Frau betroffen sei und ob das vorgeworfene Verhalten gleichstellungsrechtlich relevant sei (VG Berlin, Urteil v. 27.2.2014, VG 5 K 379.12).

Schlagworte zum Thema:  Berlin, Frauen, Abmahnung, Gleichstellungsbeauftragte, Gleichstellung

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