„Veränderungsexperten“ für die Verwaltungen dringend gesucht
Der hohe Veränderungsdruck bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen stellt die Verwaltungen vor große Herausforderungen. Neue Arbeitsweisen sowie digitale und methodische Kompetenzen können helfen, diese besser zu bewältigen. Aus diesem Grund wurden bereits eine Reihe von Programmen gestartet, bei denen Experten aus der Privatwirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen in die Verwaltungen geholt werden, um den Beschäftigten im Rahmen von Seminaren, Workshops und konkreten Arbeitsprojekten Wissen über agile Arbeitsweisen und neue Managementmethoden zu vermitteln. Diese als Fellows (deutsch wörtlich "Gefährte") bezeichneten Kompetenzträger halten sich zumeist nur für eine begrenzte Zeit, oft nur drei bis sechs Monate, in einer Behörde auf (Fellowship).
Work 4 Germany
Zu den bereits umgesetzten Fellowship-Programmen gehört Work 4 Germany, das seit 2020 Experten aus der Privatwirtschaft mit Mitarbeitenden aus Bundesministerien und obersten Bundesbehörden zusammenbringt. Während des sechsmonatigen Fellowships arbeiten sie in Tandem-Teams am digitalen Wandel, gestalten Arbeitsabläufe neu und setzen einen Fokus auf nutzerzentrierte Arbeitsweisen. Die Projekte reichen vom Aufbau eines Innovationslabors im Finanzministerium über die Verbesserung des Onboarding-Systems im Verkehrsministerium bis zur Entwicklung neuer Ansätze, um die Motivation der Mitarbeitenden im Bundeskanzleramt zu stärken. Auch große Digitalvorhaben wie die Koordination des Hubs für das Cloudprojekt Gaia-X im Wirtschaftsministerium gehörten zum Programm.
Kompetenzaufbau
Während des Fellowships sollen die Fellows die Kompetenzen der Verwaltungsbeschäftigten erweitern, indem sie neue Präsentationstechniken für Meetings und Workshops vorstellen. Zudem zeigen sie, wie man ergebnisoffen Projekte angeht – durch Leitbilder, Strategiepapiere, Prototypen und die Beschreibung von Projektfortschritten durch „Key Results“. Bei Prototypen handelt es sich um Testversionen von Onlinediensten, deren Nutzerfreundlichkeit in einem Prüfprozess ermittelt wird, bevor sie freigeschaltet werden.
Vernetzung und agiles Arbeiten
Die Innovationskraft innerhalb der Verwaltung soll durch engere Vernetzung zwischen den Abteilungen und Behörden und durch die Einführung neue Arbeitsmethoden (Schlagwörter hierbei: Agilität, Ambidextrie) erreicht werden. Die Kontakte, die die Verwaltungsmitarbeitenden über Abteilungs- und Ministeriumsgrenzen hinweg knüpften, ermöglichten es ihnen, von Abläufen in anderen Behörden zu lernen und deren Verfahren und Instrumente zu übernehmen. Ein Beispiel für agile Arbeitsmethoden ist „Scrum“ (deutsch: „Gedränge“), das Projektteams bei der Zusammenarbeit unterstützt und ihnen hilft, im Rahmen des Projektablaufs sich auf die wesentlichen Aufgaben zu fokussieren.
Querwechsler-Netzwerk
Durch die „Entwicklungsarbeit“ der Fellows aus der Privatwirtschaft soll ein weiteres Ziel erreicht werden: Das Arbeitsklima in der öffentlichen Verwaltung soll verbessert und die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber für „Talente“ und junge Leute soll gesteigert werden. Bis 2030 geht jeder dritte Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Eine schnelle Nachbesetzung der relevanten Führungspositionen ist dringend notwendig. Dazu sollen unter anderem Quereinsteiger in die Verwaltung kommen, da Führungskräfte von außen schnell in besonders kritischen Bereichen eingesetzt werden können. Um dies zu fördern, hat sich das
Querwechsler-Netzwerk gebildet – eine Gruppe von Wissenschaftlern und Führungskräften aus Verwaltung und Wirtschaft. Sie fordert nicht nur mehr „Umsetzungs- und Veränderungsexperten“, die über „ausreichende und erfahrene Digitalisierungs- und Veränderungskompetenz“ verfügen, sondern auch eine Charta, die die wichtigsten Maßnahmen zusammenfasst, mit denen eine Behörde ihre Türen für Fach- und Führungskräfte von außen öffnet und eine moderne Personalentwicklung bietet.
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