Immobilienwirtschaft: Es mangelt an jungen Führungskräften
Herr Lippelt, woher kam bei Ihnen der Wunsch nach einer Führungsposition?
Lars Lippelt: Da kann ich ganz klar meinen Vater als Vorbild nennen: Er wurde mit 36 Jahren Geschäftsführer einer kommunalen Wohnungsgesellschaft und ich habe immer zu ihm gesagt: "Das kann ich toppen."
Haben Sie aufgrund Ihrer Position Gegenwind von Kollegen oder bereits etablierten Mitarbeitenden aus dem Unternehmen gespürt?
Grundsätzlich nicht. Es war ein sehr schöner und herzlicher Empfang. Natürlich waren einige Mitarbeitende erst einmal skeptisch, schließlich hätte ich vom Alter her auch der Sohn von manchen Personen sein können. Aber das Alter ist bekanntlich auch nur eine Zahl.
Und generell in der Branche? Spüren Sie nach drei Jahren als Geschäftsführer einen Wandel beziehungsweise eine neue Offenheit gegenüber jungen Führungskräften?
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass sich da leider noch zu wenig tut, damit jüngere Menschen gefördert werden und gezielt auf höhere Positionen vorbereitet werden. Mit Blick auf das Alter ist es nach meiner subjektiven Wahrnehmung häufig noch so, dass Personen mit einer Zwei oder Drei vorne direkt ausselektiert werden.
Was macht eine junge Führungsperson aus Ihrer Sicht aus?
Ich zum Beispiel bin Jahrgang 1990 und gehöre damit der so genannten Generation Y an. Der wird oft nachgesagt, dass sie nach dem Warum, dem Why (in Anspielung an die englische Aussprache des Buchstabens Y), fragen und auch mal Dinge in Frage stellen.
Die Stärken meiner Generation sehe ich vor allem beim Thema Digitalisierung. Junge Führungskräfte in meinem Alter kennen beide Welten, die analoge und die digitale Welt und wissen, das Vernetzen zu schätzen und gleichzeitig feinfühlig gegenüber Vorbehalten zu sein. Ich etwa bin so alt, dass ich ein Leben vor der digitalisierten Zeit mit Smartphone, Navi und Co. kenne. Gleichzeitig kam deren Durchbruch in der Gesellschaft aber zu einer Zeit, in der ich ein Jugendlicher war und neugierig, alles zu erlernen.
Wie würden Sie denn Ihren Führungsstil beschreiben?
Im Unternehmen sehe ich mich eher als Coach, möchte Sparringspartner sein und Tipps und Tricks an die Hand geben. Ich bin bei der EBZ Akademie auch als Dozent tätig; es unterstützt den Ansatz des lebenslangen Lernens und ich muss mich mit Grundlegendem in den Distance-Learning-Lehrgängen der Immobilienkaufleute oder Immobilienfachwirte beschäftigen, wodurch ich nie die Nähe zur Wohnimmobilie verliere. Das ist für mich wichtig, um im Alltag dranzubleiben an den brennenden Themen der Branche.
Vielen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview ist Teil der Ausgabe 05/2023 des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft". Lesen Sie das gesamte Heft auch in der Immobilienwirtschaft-App.
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