Serielles Bauen: Wohnungswirtschaft schließt Rahmenverträge

Nach einem europaweiten Wettbewerb für serielles und modulares Bauen haben neun Bieter den Zuschlag für Wohnungsbaukonzepte erhalten. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung wurde in Berlin beschlossen. Unterzeichner sind der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, das Bundesbauministerium, der Hauptverband der Bauindustrie und die Bundesarchitektenkammer. Gemeinsam wolle man den Bau preiswerter Wohnungen beschleunigen, heißt es in der Mitteilung.

Wohnungsunternehmen in Deutschland sollen mit dem Vertrag die Möglichkeit erhalten, ihre Wohnungsneubauprojekte schneller, einfacher und kostengünstiger zu realisieren. "Wir müssen es schaffen, dass neu gebaute Mietwohnungen auch ohne Förderung für die Mitte der Bevölkerung wieder bezahlbar werden", sagte GdW-Chef Axel Gedaschko in Berlin.

Teile der Projektausschreibung und -vergabe sowie die Planung des Wohnungsbaus werden durch die Rahmenvereinbarung vorweggenommen – Baustellenzeiten durch Vorfertigung von Bauteilen verkürzt. Aus den neun ausgewählten Angeboten können sich Wohnungsunternehmen ein Modellgebäude auswählen, das dann nur noch an das vorhandene Grundstück angepasst werden muss.

Konzepte aus der Rahmenvereinbarung sollen zügig als Prototypen realisiert werden, um die theoretischen Angaben – zu Baukosten, technischer Machbarkeit, Prozessoptimierung der Produktion, Vorfertigungsgrad und bestmöglicher Digitalisierung – praxisgerecht zu evaluieren.

Adler: "Auftrieb für das serielle und modulare Bauen"

Nun müsse die Politik für ausreichend bezahlbare Grundstücke und für eine bundesweite Genehmigung der Bauten sorgen, so Gedaschko weiter: "Ansonsten drohen lange Verfahren in den Bauämtern die innovativen Bauvorhaben auszubremsen."

Bau-Staatssekretär Gunther Adler verspricht sich von den Rahmenverträgen Auftrieb für das serielle und modulare Bauen. "Ich bin überzeugt davon, dass mit diesem Ausschreibungsverfahren ein neues Kapitel der seriellen und modularen Bauweisen aufgeschlagen wurde", sagte der Minister in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte drei Tage zuvor in ihrem Video-Podcast das Ziel der großen Koalition noch einmal bekräftigt, in den kommenden vier Jahren für 1,5 Millionen neue Wohnungen und Eigenheime zu sorgen. Die Grünen kritisierten in der "Welt" die Wohnraumoffensive: Die Bundesregierung kümmere sich zu wenig um bezahlbaren Wohnraum. Auch die günstige Weitergabe von bundeseigenen Grundstücken für bezahlbaren Wohnungsbau komme nur schleppend voran.

Hintergrund des Ausschreibungsverfahrens war dem GdW zufolge, dass sich die Wohnungsmärkte vieler Groß- und Universitätsstädte in Deutschland aufgrund des starken Einwohnerzuwachses dynamisch entwickeln. Deutschland braucht mehr Wohnraum, vor allem im preisgünstigen Segment.

Kosten maximal 3.200 Euro pro Quadratmeter

Die Angebotspreise für die neun Modellgebäude sollen zwischen 2.000 und 3.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche liegen. Laut GdW liegen die Preise damit unter den durchschnittlichen Herstellungskosten für Mehrfamilienhäuser in Deutschland. Die in der Vereinbarung festgeschriebenen Preise gelten für fünf Jahre.

Skaleneffekte sind bei Mehrfachbeauftragung eines Modellgebäudes im Angebot enthalten. Weitere Kostenvorteile werden bei den seriellen und modularen Wohnungsbauprojekten zukünftig durch die weiter zunehmende Vorfertigung von Bauteilen erwartet. Diese Potenziale will Marcus Becker, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), ausloten. Er sieht in der Rahmenvereinbarung einen wichtigen Schritt in Richtung einer vertieften partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Architekten und Baufirmen.

"Die Herausforderung besteht in jedem einzelnen Fall ja vor allem in der Einfügung in die städtebauliche Umgebung", sagte Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, abschließend. "Ich freue mich, dass dafür aber aufgrund der hohen gestalterischen Qualität gute Voraussetzungen bestehen."

>> Zum Factsheet mit einer Liste der neun ausgewählten Bieter und einer Übersicht über Zuschlagskriterien, Modellgebäude sowie die Modalitäten des Abrufs.

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