GdW-Ausschreibung: Serielles Sanieren soll Standard werden
Zu langsam, zu teuer, zu kleinteilig – so lässt sich der Stand der energetischen Sanierung in Deutschland auf den Punkt bringen. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und die Deutsche Energie-Agentur (Dena) wollen das ändern und aus Einzelprojekten einen skalierbaren Standard machen.
Dafür haben die Partner die europaweite Ausschreibung für die neue Rahmenvereinbarung "Serielles Sanieren 1.0" (SerSan 1.0) gestartet. Die Bekanntmachung wurde auf der zentralen EU-Plattform TED veröffentlicht. Das Projekt baut auf den Erfahrungen mit den Rahmenvereinbarungen zum seriellen, modularen und systemischen Bauen (SMSB) auf.
Serielle Sanierung: Ziele der Rahmenvereinbarung im Überblick
Das serielle Sanieren gilt als zentraler Hebel für die Transformation des Gebäudebestands. Durch standardisierte Prozesse und industrielle Vorfertigung können Sanierungen schneller umgesetzt, Kosten reduziert und Kapazitäten effizienter genutzt werden.
Mit der Rahmenvereinbarung verfolgt die Wohnungswirtschaft insbesondere drei Ziele:
- Strukturierte und verlässliche Prozesse für Wohnungsunternehmen,
- die aktive Beschleunigung und Skalierung des Marktes für serielle Sanierungslösungen, sowie
- die Unterstützung der Energiewende und der Klimaziele im Gebäudesektor.
"Mit der Rahmenvereinbarung wollen wir das serielle Sanieren vom Einzelprojekt in die breite Anwendung bringen", erklärte GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser.
Begleitet wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).
Serielles Sanieren: Wachstumsmotor für die Wirtschaft
Um die Klimaziele bis 2045 im Bestand zu erreichen, sind laut Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer HDB, bautechnische Lösungen nötig, die Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit vereinen. Beim Seriellen Sanieren rückten skalierbare Sanierungskonzepte für ganze Quartiere und Wohnungsportfolios in den Fokus.
Dena-Experte Nico Gorsler ist überzeugt, dass sich das serielle Sanieren zum Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Bislang seien zwei Milliarden Euro umgesetzt worden – bis 2045 könnte sich das Marktvolumen auf 500 Milliarden Euro erhöhen, mit positiven Effekten auf den Arbeitsmarkt. "Neue Qualifikationen sind gefragt, neue Jobs entstehen, der Mittelstand und ganze Regionen können davon profitieren", so Gorsler.
Ausschreibungsverfahren für "Serielles Sanieren 1.0"
Die Ausschreibung umfasst vier Angebotsregionen und vier Fachlose: die energetische Sanierung der Außenwand und Sanierungen auf den Effizienzhausniveaus EH85, EH70 und EH55. Die Angebote können anhand von fünf Stellvertretergebäuden kalkuliert und konkretisiert werden, heißt es in der Mitteilung.
Unternehmen können sich für einzelne Gebäudetypen, Fachlose oder Regionen bewerben. Eine Teilnahme an allen Bereichen ist nicht erforderlich. Grundlage der Ausschreibung ist eine funktionale Leistungsbeschreibung. Gesucht werden integrierte Gesamtlösungen.
"Serielles Sanieren 1.0": Detaillierten Ausschreibungsunterlagen
Serielles und modulares Bauen: Die Rahmenvereinbarungen
Die erste Rahmenvereinbarung für das serielle und modulare Bauen ging im Jahr 2018 an den Start und ist im Mai 2023 ausgelaufen. Es folgte die Rahmenvereinbarung 2.0 mit Konzepten von ausgewählten Anbietern, die im Oktober 2023 veröffentlicht wurde.
Die Angebote reichen von Holzbau über Stahlbeton bis hin zu Hybridbauweisen. Die Anbieter wurden ebenfalls im Rahmen eines europaweiten vergaberechtlichen Ausschreibungsverfahrens ausgewählt.
Die Spanne der Preise für die Modellgebäude liegt zwischen 2.370 und 4.370 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Der Medianwert beträgt rund 3.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Preise sind auf fünf Jahre festgeschrieben und dürfen nur auf Grundlage festgelegter Material- oder Baupreisindizes angepasst werden. Auch Mengeneffekte sollen beim Sparen helfen.
Informationen zur Rahmenvereinbarung 2.0 mit Bieterliste
Rahmenvereinbarung 1.0: Prototypen und ein Factsheet
Die erste Rahmenvereinbarung ging als eine Maßnahme aus dem Bündnis bezahlbarer Wohnraum von 2017 hervor und lief planmäßig 2023 nach fünf Jahren Geltungsdauer aus.
Ausgewählt wurden damals neun Modellgebäude, für die die Kosten zwischen 2.000 und 3.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche lagen – und damit laut GdW unter den durchschnittlichen Herstellungskosten für Mehrfamilienhäuser in Deutschland.
Factsheet zur Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen 2018 (PDF)
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