Die E-Mobilität gilt als zentraler Baustein eines nachhaltigen und klimaschonenden Verkehrssystems auf Basis erneuerbarer Energien. Doch während die Treibhausgasemissionen in Deutschland insgesamt seit 1990 stark gesunken sind, gab es im Verkehrssektor bisher kaum eine Verbesserung.

Der Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen ist seit 1990 von etwa 13 % auf fast 20 % im Jahr 2022 gestiegen. Das lag vor allem am stetig wachsenden Straßengüterverkehr, dem motorisierten Individualverkehr und dem zunehmenden Absatz von Dieselkraftstoff. Im Jahr 2019 lagen die Emissionen mit 164,8 Millionen Tonnen (Mio. t) sogar minimal über dem Wert von 1990. Durch die Corona-Pandemie sanken die Emissionen im Jahr 2020 auf rund 146 Mio. t bzw. 2021 auf 147,6 Mio. t CO2-Äquivalenten. Aber auch damit wurden die Emissionsziele des Verkehrssektors um 3 Mio. t CO2 überschritten. Im Jahr 2022 überschritt der Sektor die gesetzlich vorgeschriebene Menge um 11 Mio. t CO2. Statt der erlaubten 139 Mio. t CO2 stieß der Verkehr im Jahr 2022 150 Mio. t CO2 aus. Nachdem im Verkehrssektor bereits im Jahr 2021 3,1 Mio. t CO2 zuviel ausgestoßen worden waren, ist die Lücke zwischen Ziel- und Ist-Werten weiter gewachsen und so groß wie in keinem anderen Sektor.

Zudem verursachte der Verkehr 2021 fast 36 % der Emissionen von Stickstoffoxiden in die Luft. Hauptverursacher war der motorisierte Straßenverkehr. Besonders in Ballungsräumen ist die Luft zu stark mit Stickstoffdioxid belastet. Der Anteil an den Feinstaubemissionen lag 2022 bei fast 19 %.

Die Emissionen im Verkehrsbereich könnten dabei zum einen wesentlich gesenkt werden, indem der motorisierte Individualverkehr auf den Umweltverbund aus Bus und Bahn verlagert wird, und zum anderen, indem E-Mobilität stärker in privaten Haushalten und von Unternehmen genutzt wird.

Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den Sektoren Verkehr, Gebäude, Teilen der Industrie, Landwirtschaft und Abfall (sog. "Non-ETS-Bereich") liegt in der Verantwortung der EU-Mitgliedstaaten, die sich im Rahmen der EU-Klimaschutzverordnung verpflichtet haben, definierte Jahresbudgets für den CO2-Ausstoß einzuhalten. Deutschland hat sich verpflichtet, seine Emissionen im Non-ETS-Bereich bis 2030 um 38 % gegenüber 2005 zu mindern.

Mit dem Klimaschutzplan 2050 von 2016 hat die Bundesregierung eine Minderung der Verkehrsemissionen bis 2030 um 40 bis 42 % im Vergleich zu 1990 auf 98 bis 95 Mio. t CO2-Äquivalente im Jahr 2030 beschlossen (Sektorziel). Zusätzlich wurden entsprechende europäische Klimaschutzziele rechtlich verbindlich durch die EU-Zielverteilungsverordnung im Jahr 2018 (Verordnung (EU) 2018/842 vom 30.5.2018) festgelegt.

Doch gerade im Verkehrssektor wurden in den vergangenen Jahrzehnten keine ausreichenden strukturellen Veränderungen für eine nachhaltige Minderung der Treibhausgasemissionen erreicht.

Im Juli 2022 hat das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) darum ein Sofortprogramm zur Einhaltung der Klimaziele im Verkehrssektor vorgelegt, dass unter anderem einen beschleunigten Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur und einen Ausbau der Radinfrastruktur vorsieht.[1] Ein 2023 erneut vorzulegendes Sofortprogramm wurde durch die Novellierung des Klimaschutzgesetzes obsolet.

Laut aktuellem Projektionsbericht 2023 der Bundesregierung betragen die Emissionen des Verkehrs in 2030 im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario (MWMS) noch rund 111 Mio. Tonnen CO2-Äq. Damit würde der Verkehrssektor sein Ziel von 84 Mio. t CO2-Äq. um 27 Mio. Tonnen CO2-Äq verfehlen. Gleichzeitig werden laut Projektionsbericht auch die im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Emissionsziele für die einzelnen Jahre bis 2030 überschritten, sodass sich eine kumulierte Lücke von 187 Mio. Tonnen CO2-Äq. ergibt. Laut Projektionsbericht beträgt in 2030 insgesamt die sektorübergreifende kumulierte Lücke 194 Mio. Tonnen CO2-Äq. – der Verkehr ist also für den weitaus größten Teil der Zielverfehlung verantwortlich.

Eine zentrale Voraussetzung für die Erreichung des Sektorziels 2030 ist daher, dass der Anteil der elektrischen Fahrleistungen im Straßenverkehr deutlich erhöht wird. Dies erfordert entsprechenden Bestand an Elektrofahrzeugen und Ladestationen.

Zulassungszahlen E-Fahrzeuge

Die Anzahl der in der Bundesrepublik gemeldeten Pkw erreichte am 1.1.2023 mit rund 49,1 Millionen Fahrzeugen den höchsten Wert aller Zeiten. Insgesamt stieg der Kraftfahrzeugbestand zwischen 2008 und 2024 um ca. 23 %.

Betrachtet man den Pkw-Bestand in Deutschland nach Kraftstoffarten, stellen Fahrzeuge mit Benzinmotor die größte Gruppe dar. Die zweithäufigste Antriebsart bei den Pkw in Deutschland ist der Diesel. Alternative Antriebsformen, wie die Elektromobilität, Hybridantriebe oder Autogas spielen beim Antriebsmix in Deutschland weiterhin eine eher marginale Rolle, konnten jedoch zuletzt deutlich Zuwächse verbuchen.

Der Fahrzeugmarkt zeigt dabei eine ambivalente Tendenz. Auf der einen Seite ist der Bestand an Pkw mit Benzin- und Dieselmotoren zwischen 2011 und 2021 ständig...

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