Umfrage zeigt differenziertes Bild zu Diskussionen um Erleichterungen der CSRD
Feedback von mehr als 1.800 CSRD-Anwendern
In nur einem Monat nach der Vorstellung der Omnibus-Initiative der EU-Kommission haben mehr als 1.800 Fachleute aus dem Bereich der Anwender an einer Befragung teilgenommen.
Die Rücklaufquote in allen europäischen Ländern deutet auf ein starkes Interesse und Engagement von Managern hin, die an der Umsetzung der CSRD beteiligt sind. Besonders bemerkenswert ist, dass 40 % der Befragten eine Führungsposition innehaben, was die strategische Bedeutung der CSRD in den Unternehmen unterstreicht, und 26 % der Befragten erklärten sich bereit, an weiteren qualitativen Untersuchungen teilzunehmen.
Verschiedenen Sensitivitätstests mit Aufschlüsselung nach Regionen, Sektoren, Unternehmensgröße und mit Nicht-Nachhaltigkeitsexperten bestätigen die Robustheit der Gesamtergebnisse, wenngleich statistisch gesehen nicht von repräsentativen Ergebnissen ausgegangen werden kann – dafür haben zu wenige Personen teilgenommen. Daher sind die Aussagen als Trends zu verstehen.
Geringe Unzufriedenheit mit der CSRD
Bei einer Verteilung der Befragten über Länder, Sektoren, Unternehmensgröße und Reifegrad äußerten sich insgesamt nur 17 % der Befragten unzufrieden mit der CSRD, von denen 10 % gezielte Verbesserungen fordern und 7 % eine grundlegende Überarbeitung oder Ersetzung für notwendig halten. Selbst unter den Finanzfachleuten, die in der Regel als vorsichtiger gelten, äußerten sich nur 27 % unzufrieden, verglichen mit nur 14 % bei den CSR-Funktionen.
Im Gegensatz dazu ist das Feedback zum „Omnibus“-Vorschlag deutlich negativer: nur 25 % der Befragten unterstützen den Omnibus-Vorschlag, während 51 % der Befragten der Meinung sind, dass im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens größere Änderungen erforderlich sind.
CSRD wird als strategisches Managementinstrument und nicht als Wettbewerbsnachteil gesehen
Zu den wichtigsten identifizierten Stärken der CSRD gehört ihre Fähigkeit, Transparenz und Vergleichbarkeit in der ESG-Berichterstattung zu gewährleisten und – was noch wichtiger ist – als strategisches Managementinstrument zur Steuerung der Unternehmensumwandlung zu dienen.
Eine auffällige neue Sichtweise wird ebenfalls deutlich: Die CSRD wird weithin als potenzieller geopolitischer Vorteil angesehen. 90 % der Befragten bestätigten die Relevanz des Themas in allen drei untersuchten Dimensionen der Souveränität und des wirtschaftlichen Einflusses – ein selten diskutiertes, aber starkes Argument für eine europäische Führungsrolle.
Während die Hauptkritikpunkte an der CSRD in der unzureichenden technischen Anleitung, mangelnden Verhältnismäßigkeit für kleinere Unternehmen und der kostspieligen und zeitaufwändigen Umsetzung von einer teilweise knappen Mehrheit der Teilnehmer bestätigt wird, überrascht allerdings, dass die Aussage, CSRD brächten den EU-Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil von der Mehrheit der Befragten abgelehnt wird – dies widerspricht damit einem häufig gehörten Argument. Die Schwelle von 1000 Beschäftigten als Alternative zu 250 wird von der Mehrheit abgelehnt und eine 500er-Schwelle wird selbst von Unternehmen mit 500 bis 1000 Beschäftigten bevorzugt.
Regionale Kontraste sind ebenfalls zu erkennen: Die osteuropäischen Befragten zeigen sich am stärksten besorgt über die CSRD und stellen sie in Frage, während die nordischen und westliche Länder sowie Frankreich insgesamt eine starke Unterstützung zeigen. Der Grad der Unterstützung in Deutschland (mit 21 % Unzufriedenheit) liegt relativ nah an dem in Frankreich (16 %). Dies steht in krassem Gegensatz zu den jüngsten politischen Äußerungen in Deutschland, wonach deutsche Unternehmen nicht bereit oder willens seien, die ESG-Berichterstattung zu übernehmen.
Schließlich nimmt die Unterstützung für die CSRD mit der Unternehmensgröße zu: von 57 % Unterstützung bei Unternehmen mit 250-500 Mitarbeitern auf 67 % bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten.
Betroffene Unternehmen sollten sich in den Regulierungsprozess einbringen
Nicht nur auf Basis dieser Ergebnisse scheint die weitere politische Diskussion der inhaltlichen Änderungsvorschläge der EU-Kommission (die zeitliche Verschiebung ist bereits final verabschiedet), noch ziemlich offen, zumal von Seiten der Bankenregulierung offenbar weiterhin hohe Anforderungen an die etwa für Kreditvergaben nötigen Nachhaltigkeitsinformationen auch von kleineren Unternehmen gestellt werden – auch hier bleibt abzuwarten, ob es die EU-Kommission schafft, einen Standard für eine „freiwillige“ Nachhaltigkeitsberichterstattung zu schaffen, der vom Markt (und der Regulierung) akzeptiert werden wird.
Wichtig ist es, dass die betroffenen Unternehmen ihre Sicht der Dinge in den Regulierungsprozess einbringen. Eine Chance dazu besteht aktuell z.B. bis zum 30.6.2025 in einer Umfrage, die das IFAC, die internationale Dachorganisation für den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, und die Edinburgh Group, eine Gruppe mit Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durchführt. Es sollen Informationen erhoben werden, inwieweit KMU Informationen zur Nachhaltigkeit erstellen, diese für interne Entscheidungen nutzen oder an Lieferketten, Kreditgeber oder andere Interessengruppen weitergeben.
2025 post-Omnibus CSRD Business Survey
Weitere Informationen und Link zur Teilnahme an der KMU-Befragung
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In der News-Reihe "Aktuelles zur Nachhaltigkeitsberichterstattung" fasst Herr Prof. Dr. Müller monatlich die neusten und relevantesten Entwicklungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung prägnant für Sie zusammen. Weitere aktuelle Ausgaben:
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