Frotscher/Geurts, EStG § 4a... / 2.1 Land- und forstwirtschaftliche Betriebe
 

Rz. 9

Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe schreibt das Gesetz zwingend das vom Kalenderjahr abweichende Wirtschaftsjahr vom 1. Juli bis 30. Juni vor. Dies gilt sowohl für buchführende als auch für nicht buchführende Betriebe, also auch für Land- und Forstwirte, die ihren Gewinn nach § 13a ermitteln.

Das abweichende Wirtschaftsjahr gilt ferner auch in dem Fall, dass der land- und forstwirtschaftliche Betrieb verpachtet ist, solange die Verpachtung noch nicht als Betriebsaufgabe anzusehen ist[1].

Der Grund für die Festlegung dieses abweichenden Wirtschaftsjahrs ist darin zu sehen, dass zu diesem Zeitpunkt die Bestände aus der vorangegangenen Ernte im Allgemeinen niedrig sein werden und die bevorstehende Ernte noch nicht begonnen hat.

 

Rz. 10

§ 4a Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 enthält eine Ermächtigung, nach der für einzelne Gruppen von Land- und Forstwirten durch Rechtsverordnung ein anderer Zeitraum als Wirtschaftsjahr bestimmt werden kann, wenn dies aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich ist. Von dieser Ermächtigung ist in § 8c EStDV in mehrfacher Weise Gebrauch gemacht worden:

  • Für Landwirte mit einem Futterbauanteil von 80 v. H. oder mehr der Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung (reine Weidewirtschaft und reine Viehzucht) besteht das Wahlrecht, ein Wirtschaftsjahr vom 1. Mai bis 30. April zu bestimmten[2];
  • für reine Forstwirte besteht das Wahlrecht, ein Wirtschaftsjahr vom 1. Oktober bis 30. September[3] oder das Kalenderjahr[4] zu bestimmen; ein reiner Forstbetrieb liegt auch noch vor, wenn neben der Forstwirtschaft in geringem Umfang eine andere land- und forstwirtschaftliche Nutzung vorhanden ist. Für eine geringfügige andere land- und forstwirtschaftliche Nutzung gilt dann ebenfalls das vorstehend bezeichnete Wirtschaftsjahr der hauptsächlichen Nutzung. Überschreitet die Nebennutzung jedoch den geringfügigen Umfang, findet die Regelung des § 8c Abs. 1 Nr. 2 EStDV keine Anwendung mehr. Es gilt dann das Wirtschaftsjahr nach § 4a Abs. 1 Nr. 1. Gleiches gilt, wenn mehrere dieser Nutzungen zusammentreffen;
  • für reine Weinbaubetriebe besteht das Wahlrecht, ein Wirtschaftsjahr vom 1. September bis 31. August zu bestimmen[5]; ein reiner Weinbaubetrieb liegt auch noch vor, wenn neben dem Weinbau in geringem Umfang eine andere land- und forstwirtschaftliche Nutzung vorhanden ist. Für die geringfügige andere land- und forstwirtschaftliche Nutzung gilt dann ebenfalls das vorstehend bezeichnete Wirtschaftsjahr der hauptsächlichen Nutzung. Überschreitet die Nebennutzung jedoch den geringfügigen Umfang, findet die Regelung des § 8c Abs. 1 Nr. 3 EStDV keine Anwendung mehr. Es gilt dann das Wirtschaftsjahr nach § 4a Abs. 1 Nr. 1. Gleiches gilt, wenn mehrere dieser Nutzungen zusammentreffen.
  • Für Gartenbaubetriebe besteht ein Wahlrecht, anstelle des Wirtschaftsjahrs vom 1. Juli bis 30. Juni das Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr zu bestimmen[6].
  • Nach § 2 Abs. 3 EStDV 1954[7] konnten die Oberfinanzdirektionen für bestimmte land- und forstwirtschaftliche Betriebsarten und für bestimmte Gebiete allgemein oder in einzelnen Fällen anstelle der gesetzlichen Wirtschaftsjahre einen anderen zwölfmonatigen Zeitraum festsetzen. Soweit dies vor dem 1. Januar 1955 geschehen ist, gelten diese Wirtschaftsjahre gem. § 8c Abs. 1 Satz 3 EStDV weiter. Dies betrifft in den Fällen des allgemein anderweitig festgesetzten Zeitraums auch solche Betriebe, die nach dem 1. Januar 1955 neu gegründet worden sind. Anderweitige Festsetzungen in Einzelfällen gelten hingegen nur, solange der Betrieb existiert und demselben Inhaber gehört. Nicht anwendbar ist diese Regelung jedoch für den Weinbau.
 

Rz. 11

Besondere Bestimmungen enthält § 8c EStDV für die Umstellung des Wirtschaftsjahrs, soweit ein Recht zur Wahl eines Wirtschaftsjahrs besteht.

Besteht das Recht, anstelle eines abweichenden Wirtschaftsjahrs das Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr zu wählen (d. h. für Gartenbaubetriebe und reine Forstbetriebe), und wird das Wirtschaftsjahr auf das Kalenderjahr umgestellt, so verlängert sich nach § 8c Abs. 2 S. 2 EStDV das letzte abweichende Wirtschaftsjahr um den Zeitraum bis zum Beginn des Kalenderjahrs; ein Rumpfwirtschaftsjahr wird nicht gebildet.

 

Beispiel:

Ein Gartenbaubetrieb mit dem Wirtschaftsjahr 1.7.–30.6. geht im Kalenderjahr 02 zu dem Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr über. Das abweichende Wirtschaftsjahr mit dem Beginn 1.7.01 verlängert sich bis zum 31.12.02, beträgt also 18 Monate.

Entsprechendes gilt, wenn ein reiner Weinbaubetrieb das Wirtschaftsjahr vom abweichenden Wirtschaftsjahr 1.7.–30.6. auf das abweichende Wirtschaftsjahr 1.9.–31.8. umstellt.

 

Beispiel:

Ein reiner Weinbaubetrieb mit dem Wirtschaftsjahr 1.7.–30.6. geht im Kalenderjahr 02 auf das abweichende Wirtschaftsjahr 1.9.–31.8. über. Das abweichende Wirtschaftsjahr mit dem Beginn 1.7.01 verlängert sich bis zum 31.8.02, beträgt also 14 Monate.

In allen andere Fällen der Umstellung des Wirtschaftsjahrs ist ein Rumpfwirtschaftsjahr zu bilden.

 

Rz. 12

Die Möglichkeit, ein vom Kalenderjahr abweichend...

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