Abschreibung, degressiv / 2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung:

Der Unternehmer Herr Huber hat am 1.1.2020 zwei Maschinen und eine Produktionssteuerungssoftware mit folgenden Daten angeschafft:

 
Anschaffung Anschaffungskosten Nutzungsdauer
Maschine A 100.000 EUR 4 Jahres
Maschine B 100.000 EUR 10 Jahre
Software 500.000 EUR 5 Jahre

Nach Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, die in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt wurden, prüft Herr Huber die Anwendbarkeit der Neuregelung für seine Investitionen in der Steuerbilanz und die Auswirkungen auf die Handelsbilanz mit folgendem Ergebnis:

Software:

Die Neuregelung ist nur für bewegliche Vermögensgegenstände anwendbar, d. h. dass die neu angeschaffte Produktionssteuerungssoftware in der Steuerbilanz nicht wahlweise degressiv abgeschrieben werden darf. Die Software muss stattdessen nach § 7 Absatz 1 EStG linear abgeschrieben werden über die Nutzungsdauer von 5 Jahren. Auch in der Handelsbilanz schreibt Herr Huber die Software linear über 5 Jahre ab. Dadurch ergeben sich keine Abweichungen zwischen Handels- und Steuerbilanz aus der Abschreibung der Software.

Maschin A:

Bislang hat Herr Huber vergleichbare Maschinen in der Handels- und Steuerbilanz einheitlich linear über eine Nutzungsdauer von 4 Jahren (25 %) abgeschrieben. Für die aktuell neu beschaffte Maschine A würde sich folgender Abschreibungsplan bei Anwendung der linearen Abschreibung ergeben:

 
Abschreibungsplan Maschine A
Lineare Abschreibung
Wirtschaftsjahr Buchwert 1.1. Jahresabschreibung Buchwert 31.12.
2020 100.000 25.000 75.000
2021 75.000 25.000 50.000
2022 50.000 25.000 25.000
2023 25.000 25.000 0

Tab. 1: Abschreibungsplan Maschine A bei Anwendung der linearen Abschreibung

Für Maschine A kann Herr Huber die Neuregelung in Anspruch nehmen, da es sich um ein bewegliches Wirtschaftsgut handelt. Nach § 7 Abs. 2 EStG n. F. ist der Abschreibungssatz auf das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes bzw. 25 % beschränkt. Danach entspricht der anzuwendende degressive Abschreibungssatz bei einer Nutzungsdauer von 4 Jahren 25 % (es greift die Höchstgrenze von 25 %, da das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes 63 % entspricht). Der ermittelte Abschreibungssatz ist über die gesamte Nutzungsdauer der maßgebende degressive Abschreibungssatz.

Bei einer Nutzungsdauer von 4 Jahren entspricht der lineare Abschreibungssatz ebenfalls 25 %, sodass bei einer Nutzungsdauer von 4 Jahren beide Abschreibungssätze übereinstimmen.

Bei seiner Prüfung berücksichtigt Herr Huber weiterhin, dass er ein Wahlrecht hat, während der Nutzungsdauer von der degressiven Abschreibung auf die lineare Abschreibung zu wechseln:

  • Einerseits kann er die degressive Abschreibung bis zum letzten Jahr der Nutzungsdauer fortführen und im letzten Jahr der Nutzung den verbliebenen Restwert abschreiben.
  • Andererseits kann er wahlweise zur linearen Abschreibung wechseln, sobald dies für ihn wirtschaftlich sinnvoll erscheint, d. h. der Wechsel von der degressiven Abschreibung zur linearen Abschreibung erfolgt, sobald die Jahresabschreibungsbeträge nach der linearen Abschreibung die entsprechenden Jahresabschreibungsbeträge nach der degressiven Abschreibung übersteigen. Der zum Zeitpunkt des Wechsels noch vorhandene Restwert wird gleichmäßig auf die Restnutzungsdauer verteilt (sog. gebrochene Abschreibung).

Herr Huber möchte die Variante der gebrochenen Abschreibung näher prüfen.

Für die aktuell neu beschaffte Maschine A würde sich folgender Abschreibungsplan bei Anwendung der gebrochenen Abschreibung ergeben (vgl. Tab. 2):

 
Gebrochene Abschreibung (Degressive Abschreibung mit Wechsel zur linearen Abschreibung)
Wirtschaftsjahr t Buchwert 1.1. Jahresabschreibung Buchwert 31.12.
Degressiver Abschreibungswert Linearer Abschreibungswert auf den Restbuchwert Maßgebender Abschreibungsbetrag
  a b c = b * 25 % d = b /((Nutzungsdauer =4) -a)+1) e = max (c,d) f = b -e
2020 1 100.000 25.000 25.000 25.000 75.000
2021 2 75.000 18.750 25.000 25.000 50.000
2022 3 50.000 12.500 25.000 25.000 25.000
2023 4 25.000 6.250 25.000 25.000 0

Tab. 2: Abschreibungsplan Maschine A bei Anwendung der gebrochenen Abschreibung

Herr Huber stellt fest, dass sich bei der Nutzungsdauer von 4 Jahren kein Unterschied zwischen der linearen und der gebrochenen Abschreibung ergibt. Denn im ersten Jahr stimmen der lineare und der degressive Abschreibungssatz überein. Bereits im zweiten Jahr übersteigt der linear ermittelte Jahresabschreibungsbetrag (75.000 / 3 = 25.000 EUR) den degressiv ermittelten Jahresabschreibungsbetrag (75.000 * 0,25 = 18.750 EUR). Damit bietet die gebrochene Abschreibung keinen Vorteil i. S. d. Vorverlagerung von Aufwendungen.

Die Variante, dass kein Übergang zur linearen Abschreibung erfolgt und stattdessen der Restbetrag im. 4. Geschäftsjahr komplett als Abschreibung gebucht wird, führt eher zur Nachverteilung von Aufwendungen im Vergleich zur linearen Abschreibung.

Für die aktuell neu beschaffte Maschine A würde sich folgender Abschreibungsplan bei A...

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