Fehlerhafte Rechnungen korrigieren

Eine fehlerhafte Rechnung, vor allem hinsichtlich der Pflichtangaben, ist ärgerlich, darf aber in den meisten Fällen korrigiert werden. Voraussetzung ist, dass der Aussteller die Rechnung berichtigt. Es ist daher erforderlich, dass sich beide Unternehmer absprechen, um einheitlich vorzugehen. Andernfalls riskiert der Leistungsempfänger den Vorsteuerabzug und der leistende Unternehmer bleibt auf den Steuern "sitzen".

Folgen einer fehlerhaften Rechnung

Folgende Fehler führen zu einer höheren Umsatzsteuer:

  • Für eine steuerpflichtige Leistung wird infolge eines Rechenfehlers eine höhere USt ausgewiesen.
  • Steuerfreie Leistungen werden der Umsatzsteuer unterworfen.
  • Nicht steuerbare Leistungen (unentgeltliche Leistungen, Leistungen im Ausland, Geschäftsveräußerungen) werden umsatzversteuert.
  • Nicht steuerpflichtige Leistungen (Ausfuhren, Vermietungen) werden umsatzversteuert.

Die zu hoch ausgewiesene Steuer wird vom Unternehmer geschuldet, obwohl der Leistungsempfänger diese Steuer nicht als Vorsteuer abziehen kann.
Wenn Fehler zu einer niedrigeren Umsatzsteuer führen, z. B. wenn ein Unternehmer für eine Lieferung die Steuer mit 7 % berechnet, obwohl hierfür eine Steuer von 19 % geschuldet wird, schuldet der Rechnungsaussteller zunächst den ausgewiesenen USt-Betrag. Der Rechnungsempfänger kann nur einen 7 %igen Vorsteuerabzug geltend machen.
In beiden Fällen (zu hoher/niedriger Steuerausweis) können die Rechnungen berichtigt werden.

Berichtigung fehlerhafter Rechnungen

Fehlerhafte Rechnungen können berichtigt werden. Dabei ist Folgendes zu beachten:

  • Die Berichtigung ist beim Finanzamt des Umsatzsteuerzahlers zu beantragen – dabei ist insbesondere der Rechnungsempfänger zu benennen.
  • Der Rechnungsempfänger darf keine Vorsteuer geltend gemacht bzw. muss diese seinem Finanzamt wieder zurückerstattet haben.
  • Die Umsatzsteuer kann gekürzt werden, wenn das Finanzamt des Umsatzsteuerzahlers seine Zustimmung erteilt hat.

Bußgeldvorschriften bei nicht ordnungsgemäßer Rechnungsstellung

Verstöße gegen die ordnungsgemäße Erstellung von Rechnungen können zu Bußgeldern in unterschiedlicher Höhe führen. Die Bußgelder reichen von 500 EUR bis zu 5.000 EUR. 

Unvollständige, später berichtigte Rechnung

Fehlt in der Rechnung eine notwendige Angabe (z.B. Datum/Leistungsbezeichnung/Anschrift), kann die Rechnung vom Aussteller berichtigt werden. Dann ist der Vorsteuerabzug möglich.
Wichtig ist der Zeitpunkt, wann die Vorsteuer gezogen werden darf. In seiner Entscheidung vom 15.7.2010 vertritt der EuGH die Auffassung, dass die Berichtigung einer unvollständigen Rechnung auf den Zeitpunkt der ursprünglichen Lieferung zurückwirkt, d.h., die Vorsteuer ist bereits im Voranmeldungszeitraum der Lieferung abziehbar. Der BFH hat sich dieser Meinung angeschlossen.

Berichtigungsfähige Rechnung

Nach einem BFH-Urteil vom 20.10.2016 (V R 26/15) kann eine Rechnung rückwirkend berichtigt werden, wenn eine sog. "berichtigungsfähige" Rechnung vorliegt. Dies ist der Fall, wenn die Rechnung Angaben enthält

  • zum Rechnungsaussteller,
  • zum Leistungsempfänger,
  • zur Leistungsbeschreibung,
  • zum Entgelt und
  • zur gesondert ausgewiesenen Umsatzsteuer.

Bei einer Berichtigung findet hier keine Verzinsung statt. Mögliche Berichtigungen wären danach:

  • Nachholung der USt-ID oder Steuernummer,
  • Nachholung der Rechnungsnummer,
  • hinreichende Angaben zur Art der erbrachten Leistung.

Die Berichtigung muss bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht erfolgen.

Nicht berichtigungsfähige Rechnung

Werden Berichtigungen im Rahmen eines unberechtigten Steuerausweises korrigiert, kann keine Rückwirkung erreicht werden.

Schlagworte zum Thema:  Rechnung, Umsatz, Vorsteuerabzug