Finance Excellence Gestaltung von Kompetenzen, Daten und IT

Die 14. Fachkonferenz Finance Excellence von Horváth & Partners fand am 20. März 2019 in Düsseldorf statt. Unter dem Motto „Die Finanzfunktion neu denken ­­– Gestaltungsmöglichkeiten für Kompetenzen, Daten und IT“ führte Moderator Achim Wenning die Gäste durch den Konferenztag. Die sechs Fachvorträge mit aktuellen Praxisbeispielen stellen wir hier im Überblick vor.

Herausforderungen durch das Neudenken der Finanzfunktion meistern

Drei wesentliche Herausforderungen machen es für Achim Wenning sinnvoll und notwendig bewährte Strukturen und etablierte Prozesse innerhalb der Finanzorganisation neu zu denken:

  1. die voranschreitende Digitalisierung,
  2. ein zunehmend volatileres und komplexeres Unternehmensumfeld und
  3. die gestiegenen Anforderungen seitens anderer Organisationseinheiten im Unternehmen

Um diese Herausforderungen innerhalb der Finanzorganisation zu bewältigen, sieht Wenning verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf die IT, das Datenmanagement, wie auch hinsichtlich der Kompetenzen. Die einfache Lösung einer „one best solution“ existiere nicht, da die Neugestaltung die internen und externen unternehmensspezifischen Umstände berücksichtigen müsse.

Digitalisierung und Möglichkeiten für ein erfolgreiches Datenmanagement

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln schildern René Linsner zusammen mit Carsten Hilker (SAP), sowie Christian Kobler (ADWEKO) mit Timo Warnke (SAP), welche Potenziale sich durch die Nutzung digitaler IT-Technologien für das Datenmanagement ergeben.

  • René Linsner und Carsten Hilker (SAP) verdeutlichen in ihrem Vortrag den Nutzen und mögliche Einsatzszenarien von SAP Central Finance. SAP Central Finance ermöglicht es Kunden ihre heterogene Systemlandschaft mit einem zentralisierten SAP S/4HANA-Finance-System zu verknüpfen. Hierbei bindet die Architektur nicht nur SAP-, sondern auch non-SAP-Systeme in Echtzeit und auf Belegebene an. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Harmonisierung von (Finanz-)Stammdaten entsteht eine „Single Source of Truth“ ohne dass eine Anpassung der bestehenden Systeme notwendig wird.
  • Welche neuen Chancen das zentrale Nebenbuch und die Datenmanagement Suite von SAP bieten, zeigen Christian Kobler und Timo Warnke von ADWEKO. Für eine stärkere Verzahnung der Finanzfunktion mit den Funktionalitäten der IT führen die Referenten das SAP Solution Financial Product Subledger an, welches beispielsweise die Auswertung und Berücksichtigung von tagesaktuellen Schwankungen in Rohölpreisen im Hauptbuch ermöglicht. Als weiteres Beispiel nutzen die Referenten die SAP Finance Data Management Suite, durch deren Implementierung Ersparnisse bei den Betriebskosten zu erwarten sind:
    - Daten müssen nur einmal gespeichert werden,
    - durch Cloud-Lösungen wird die teure Infrastruktur überflüssig und
    - aufgrund geringerer Nacharbeit können Personalkosten eingespart werden.

Gesteigerte Erwartungshaltung erfüllen durch Ausrichtung am internen Kunden

Anhand von zwei Praxisbeispielen zeigt Joachim Esser zusammen mit Daniel Grünebaum von QIAGEN sowie Dr. Stefan Figge von BUYIN, wie sie der gesteigerten Erwartungshaltung der internen Kunden gerecht werden. Im Vordergrund steht hierbei die Datennutzung, um Daten durch zeitnahe Berichte und entscheidungsrelevante Informationen in finanziell nutzbare Werte umzuwandeln.

  • Joachim Esser und Daniel Grünebaum (QIAGEN) berichten, wie Zeitkapazitäten innerhalb des Controllings geschaffen wurden, um die Business Partner-Rolle besser auszuüben und somit den steigenden Erwartungen der internen Kunden gerecht zu werden. Grundlage hierfür bildet die konsistente, integrierte und zeitnahe Bereitstellung von Informationen und Berichten. Zu diesem Zweck hat das Business Reporting & Analytics Team von QIAGEN eine digitale Daten- und Reportingplattform auf Basis einer akzeptierten „Single Source of Truth“ (Qualität, Vollständigkeit, Aktualität) geschaffen. Das neue System ist effizienter und reduziert die Zeit für ressourcenintensive Tätigkeiten im Rahmen der Berichterstellung auf ein Minimum. Zusätzlich wird die Unternehmenssteuerung durch eine schnellere Entscheidungstreffung und eine harmonisierte Datenbasis verbessert.
  • In seinem Vortrag zeigt Dr. Stefan Figge, Chief Digital Officer von BUYIN wie sich die zentrale Einkaufsfunktion in seinem Unternehmen durch Digitalisierung des Service-Portfolios am internen Kunden ausrichtet. In einer zentralen Anwendung werden entlang der beiden Prozesse Source-to-Contract und Procure-to-Pay entscheidungsrelevante Informationen strukturiert und zielgruppengerecht dargestellt. Sein Beispiel verdeutlicht wie die Neuaufstellung vorgelagerter oder nachfolgender Funktionsbereiche der Wertschöpfungskette die Anpassung der eigenen Funktion bedingt, um einen gesteigerten Mehrwert zu schaffen.

Erhöhte Volatilität und Komplexität im Umfeld verstärken die Rufe nach agilen Organisationen

Felix Navratil von Signavio und Unternehmenscoach Oliver Kirchhof von der Coaching-Werkstatt Bayenthal zeigen, wie ein Unternehmen sich aufstellen kann, um in einem dynamischen und komplexen Unternehmensumfeld erfolgreich zu agieren. Ziel ist die Bildung eines schlagkräftigen und reaktionsschnellen Gebildes durch die Integrierung von agilen Organisationsformen und Arbeitsweisen im Unternehmen.

  • Was man von Start-ups bezüglich Performance Management lernen kann, erläutert Felix Navratil von Signavio in seinem Vortrag über Controlling im Start-up. Erhebliche unternehmerische Freiheit, schnelle durch Wachstum getriebene Veränderungen der Organisation wie auch flache Hierarchien und fehlende Richtlinien prägen das Unternehmensumfeld von Signavio. Um in diesem dynamischen Umfeld zu bestehen, hat ein Controller
    - Wachstum mit einem kritischen Blick auf die Kennzahlen zu fördern,
    - zügige Entscheidungen zu ermöglichen und
    - dabei administrative Leitlinien zu etablieren, damit eine optimale Reaktion auf sich schnell verändernde Anforderungen gewährleistet ist.
    Veränderung als Chance zu nutzen ist die Prämisse.
  • Wann und unter welchen Voraussetzungen eine agile Arbeitsweise das richtige Mittel zum Erfolg ist, berichtet Oliver Kirchhof von der Coaching-Werkstatt Bayenthal. Agile Zusammenarbeit bietet sich vor allem bei komplexen Herausforderungen mit sich stetig ändernden Rahmenbedingungen an, für welche Lösungen noch nicht bekannt sind. Für eine erfolgreiche Integration von Agilität in die Teamarbeit gilt es eine agile Haltung anzunehmen. Hierbei werden Rollen innerhalb der Teams neu definiert, Selbst-Verantwortung gestärkt und Bearbeitungsfreiheiten eingeräumt. Kirchhof betont, dass auch das Erlernen von Arbeitsweisen ein Lernprozess ist und Zeit braucht.

Interaktive Sessions

Nach den sechs Fachvorträgen mit Fragerunden konnten die Teilnehmer eine von sechs interaktiven Sessions besuchen:

  1. Big Data Business Radars 4.0 - Bessere Entscheidungen durch Big Data & Machine Learning
    (Klaus Martin Jäck, Horváth & Partner GmbH)
  2. Transferpreise & Unternehmenssteuerung – Wie sich betriebswirtschaftliche und steuerliche Anforderungen erfolgreich integrieren lassen
    (Prof. Dr. Ralf Eberenz, Horváth & Partner GmbH)
  3. Elemente einer agilen Finanzfunktion – Agilität auf dem Prüfstand: Hype oder Wettbewerbsvorteil?
    (Stefan Lampl, Luise Schönfeldt, Horváth & Partner GmbH)
  4. Planspiel Digitale Transformation – Identifikation der Potenziale der Digitalisierung in einem Simulationsspiel
    (Jasper von Woedtke, Horváth & Partner GmbH)
  5. SAP S/4HANA: Auswirkung auf Kultur, Organisation im CFO-Bereich – Potentiale, Herausforderungen und Erfahrungen
    (Mateen Thaha, Christian Huck, Horváth & Partner GmbH)
  6. Digitale Steuerung mit „Single Point of Truth“ und moderne Dashboards – Trends, Lösungsansätze und Voraussetzungen für modernes Reporting & Analytics
    (Maren Hartmann, Dr. Daniel Reuschenbach, Horváth & Partner GmbH)

Fazit

Um den eingangs angesprochenen Herausforderungen zu begegnen, sind die Gestaltungsmöglichkeiten für Kompetenzen, Daten und IT für Veränderungen im Finanzbereich zu nutzen. Achim Wenning unterstreicht, dass der Weg zum Ziel eindeutig zu definieren und die Gestaltungsmöglichkeit individuell und unter Berücksichtigung der eigenen Unternehmenssituation zu bewerten ist.