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Die Internationalisierung der Wertschöpfungsketten schreitet voran. Die Politik reagiert darauf mit verschärften Regelungen zur "Steuergestaltung". Controller sind besonders von den neuen Pflichten zur Verrechnungspreisdokumentation betroffen.

Steuern und Steuerung im Spannungsfeld

Die zunehmende Internationalisierung der Liefer- und Leistungsbeziehungen und die damit einhergehende Komplexität multinational operierender Unternehmen stellen schon heute große Herausforderungen an die betriebswirtschaftliche Steuerung einerseits und an die angemessene und rechtskonforme Steuergestaltung andererseits. Zum wichtigsten Thema der internationalen Besteuerungspraxis hat sich inzwischen die Festlegung von Transferpreisen zwischen verbundenen Unternehmen entwickelt. Damit stehen sich die zwei zentralen Fragestellungen nach einer anforderungsgerechten Konzeption der Unternehmenssteuerung (Steuerungskonzept) und einer entsprechenden Steuergestaltung (Transferpreiskonzept) gegenüber. Praktisch wie theoretisch ergibt sich hieraus ein Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher und steuerlicher Perspektive, das für viele Unternehmen noch unzureichend gelöst ist.

Beispielhaft seien nur die betriebswirtschaftlich ggf. unerwünschten Anreizwirkungen steuerlich gebotener Transferpreise oder die betriebswirtschaftlich gewünschte Betrachtung eines Unternehmensverbundes als Einheit gegenüber einer steuerlich gebotenen Separierung in legal eigenständige Steuersubjekte genannt. Die Transferpreisproblematik ist nur ein Beispiel für die ständig größer werdenden Einschränkungen bei der Gestaltung betriebswirtschaftlicher Steuerungskonzepte. Das internationale Steuerrecht und seine stärkere Durchsetzung durch die Finanzbehörden werden aber auch jenseits der derzeit vieldiskutierten BEPS-Initiative der OECD und des daraus resultierenden Gesetzesentwurfs der Bundesregierung weiteren Einfluss auf die Gewinnallokation der Konzerne entfalten. Die Aufgabe, die betriebswirtschaftliche Steuerung von Konzernen zu sichern, ohne die steuerlichen Regelungen zu verletzen, wird deshalb zu einer immer umfangreicheren Aufgabe für Konzerncontroller.

Auf der instrumentellen, prozessualen und systemischen Ebene kommt integrierten Lösungen eine viel größere Bedeutung zu. So müssen bspw. Ergebnis- und Margenrechnungen so konzipiert werden, dass sie trotz sich ständig ändernder steuerlicher Anforderungen betriebswirtschaftlich aussagefähig bleiben. Planungs-, Forecast und Kontrollprozesse müssen andererseits steuerliche Einflüsse stärker reflektieren.

Sprachbarrieren überwinden

Organisatorisch rücken die Konzerncontrollingfunktion und die Steuerabteilung enger zusammen. Gemeinsam besetzte Transfer-Price-Offices, gemeinsame Boards und Projekte zur gesellschaftsrechtlichen Konzerngestaltung oder zu Finanzierungsfragen sind diesbezüglich nur der Anfang. Um in einer solchen Konstellation erfolgreich arbeiten zu können, bedarf es auch weiterentwickelter Fähigkeiten der Controller. Fachlich müssen sie ein erweitertes Verständnis für steuerliche Aspekte entwickeln und persönlich in der Lage sein, ihre Sprache auf eher juristisch geprägte Kollegen einzustellen. Das ist für einen Konzerncontroller, als i. d. R. ausgebildeter Betriebswirt mit entsprechend eigener betriebswirtschaftlicher Sprache und häufig gänzlich anderer Perspektive als ein Jurist, nicht immer ganz einfach.

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Schlagworte zum Thema:  Internationalisierung, Verrechnungspreis, BEPS, Konzern, Controlling

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