KI rückt an die Spitze der Controlling-Agenda
„Die KI-Revolution kommt nicht erst, sie ist bereits drei Jahre alt.“ (Roland Busch, Siemens CEO)
Zum Auftakt stellte Prof. Dr. Utz Schäffer aktuelle Erkenntnisse aus der sechsten Studie des WHU Controller Panels zur Zukunft des Controllings und zur Rolle künstlicher Intelligenz vor. Die Studie zeigt einen deutlichen Bedeutungszuwachs von KI, die der IMC-Leiter mit dem Zitat des Siemens-CEOs unterstrich. Unter allen untersuchten Themen legt KI bis 2031 am stärksten zu und rückt nahezu an die Spitze der erwarteten Controlling-Agenda. Nur die digitale Kompetenz wird noch höher eingeschätzt. Auch Datenmanagement, Datenverantwortung, Informationssysteme und Prozessautomatisierung gewinnen weiter an Bedeutung. Für das Controlling stellt sich damit weniger die Frage, ob KI relevant wird, sondern wie aus neuen Möglichkeiten eine bessere Unternehmenssteuerung entsteht.
Zwischen Experimenten und echter Transformation
Zwischen dieser hohen Bedeutungserwartung und dem heutigen Einsatz von KI in der Controlling-Praxis besteht allerdings noch eine deutliche Lücke. Die Zukunftsstudie unterscheidet vier Entwicklungsstufen (s. Abb. 1). Sie reichen vom weitgehenden „Abwarten und Ignorieren“ über „Abwarten und Ausprobieren“ und „Erkunden und Vorbereiten“ bis hin zum „Führen und Transformieren“. Nur drei Prozent sehen ihr Controlling bereits auf der Stufe „Führen und Transformieren“.
Von Assistenten zu selbstständig handelnden KI-Agenten
Generative KI wird im Controlling bereits vergleichsweise häufig als Assistent und Sparringspartner genutzt. Besonders verbreitet sind Anwendungen wie Textbearbeitung, Recherche oder Ideenfindung. Ganz anders sieht es bei weitgehend selbstständig handelnden KI-Agenten aus: 82 Prozent der Befragten geben an, solche Agenten praktisch noch nicht einzusetzen. Der Engpass ist dabei nicht allein die Technik: Datenqualität, klare Prozesse, Governance, Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Zielbild müssen mitwachsen.
Die Rolle des Controllers verschiebt sich
Damit verschiebt sich auch die Rolle des Controllings. Controller müssen künftig nicht jeden Bericht oder jede Analyse selbst erstellen, da die Datenaufbereitung zunehmend automatisiert wird. Wichtiger wird, Daten- und Steuerungsmodelle mitzugestalten, Regeln und Entscheidungslogiken zu sichern, automatisierte Prozesse und KI-Agenten zu koordinieren und als kritischer Counterpart des Managements die richtigen Fragen in Entscheidungsprozesse einzubringen. KI wird so zum Anlass, das Controlling nicht nur effizienter, sondern grundsätzlich neu zu denken.
Das Nachwuchsdilemma im Controlling
Mit zunehmender Automatisierung entsteht zugleich ein Nachwuchsdilemma. Viele klassische Einstiegsaufgaben dienten jungen Controllern bislang dazu, Unternehmen, Daten, Prozesse und Steuerungslogiken kennenzulernen. Werden diese Tätigkeiten künftig verstärkt von KI übernommen, müssen Unternehmen neue Lern- und Entwicklungspfade schaffen, damit Nachwuchskräfte weiterhin die Kompetenzen und Erfahrungen aufbauen können, die sie für anspruchsvollere Aufgaben im Controlling benötigen (s. Abb. 2).
Die wichtigste Konsequenz lautet deshalb: nicht auf die perfekte Lösung warten, sondern kontrolliert experimentieren und gleichzeitig das Zielbild schärfen. Führung, Kompetenzaufbau, verlässliche Daten und neu gestaltete Prozesse müssen zusammenkommen. Der 20. WHU Campus for Controlling machte deutlich, dass die entscheidende Frage nicht mehr lautet, ob KI das Controlling verändert, sondern wie aktiv Controller diese Veränderung gestalten.