05.06.2012 | Serie Strategisches Management 2012

Die Strategie eines Energieversorgers in Zeiten zunehmender Volatilität

Serienelemente
Bild: Jörg Klasen

Die Energiewende in Deutschland stellt die Energieversorgungsunternehmen vor große Herausforderungen. Auf Basis differenzierter Marktanalysen und unter Einsatz von Portfolioanalyse und Szenarioanalyse hat die EnBW AG zwei strategische Stoßrichtungen erarbeitet.

Analyse der Umwelteinflüsse und treibenden Faktoren

Die jüngsten Entwicklungen der Energiewirtschaft, getrieben durch Markt- und energiepolitische Veränderungen wie z. B. die zunehmende Regulierung und Dezentralisierung der Energieerzeugung, aber auch die steigende Vernetzung der Wirtschaft, stellen die Energieversorgungsunternehmen vor große Herausforderungen. Derartige Umfeldveränderungen erschweren die strategische Planung von Unternehmen und sind häufig – wie auch der Wiederausstieg aus der Atomenergie nach der Katastrophe von Fukushima – nicht vorhersehbar. Jörg Klasen, Leiter Konzernstrategie der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, zeigt im Rahmen der 12. Jahreskonferenz „Strategisches Management" von Horváth & Partners wie die EnBW die Energiewende aktiv aufnimmt und mitgestaltet.

Energieversorgungsunternehmen sind besonders von der zunehmenden Volatilität der Märkte betroffen. Gleichwohl erfordern insbesondere die enormen Investitionen in Anlagen zur Energieerzeugung, eine möglichst hohe Planungssicherheit. Eine Windkraftanlage oder ein Gaskraftwerk amortisieren sich z. B. nach 20 Jahre, ein Pumpspeicherkraftwerk teilweise erst nach 40 Jahren. Im Laufe der Lebensdauer eines Kraftwerkes kommt es daher durchschnittlich zu zwei bis drei Ereignissen, welche deutliche Marktveränderungen induzieren können.

Marktanalysen bewerten das Umfeld

Im Rahmen der diesjährigen Jahreskonferenz „Strategisches Management“ verdeutlicht Jörg Klasen anhand von beispielhaften Marktanalysen in den Bereichen Regulierung, Zubau Erneuerbare Energien und Unterstützung aus der Gesellschaft, die Herausforderungen, mit denen die strategische Planung der Energieversorgungsunternehmen u.a. konfrontiert sind (siehe Abbildung 1).

Instrumente der Strategieentwicklung

Um die zuvor genannten Unsicherheiten im Rahmen der Strategieentwicklung berücksichtigen zu können, werden bei der EnBW zwei ergänzende Instrumente eingesetzt, die die Basis des Strategieprozesses der EnBW bilden:

  • Szenarioanalyse und
  • Portfolioansatz

Mithilfe der Szenarioanalyse, gelingt es den Strategen der EnBW die Bandbreite der möglichen Entwicklungen des Energieversorgungsmarktes darzustellen.

Der Portfolioansatz dient als Basis für die Strategiefindung auf Konzernebene. Zur Einordnung einzelner Gesellschaften der EnBW werden sowohl die Marktattraktivität als auch die Wettbewerbsposition erfasst. Die Positionierung anhand der Rendite und des Risikos verdeutlicht darüber hinaus den Portfolioeffekt für die EnBW als Ganzes. Sie hebt diejenigen Aktivitäten hervor, die aufgrund ihrer Positionierung im Portfolio einer genaueren Prüfung unterzogen werden sollten (siehe Abbildung 2).

Der Strategieprozess der EnBW

Die Umsetzung der abgeleiteten Strategie wird über einen rollierenden Strategieprozess mit direkten Umsetzungsverantwortlichen in den einzelnen Gesellschaften der EnBW sichergestellt. Die EnBW Holding legt dabei die langfristigen Zielsetzungen des Konzerns fest, die wiederum die Ausgangsbasis für die Ableitung strategischer Maßnahmen und Zielsetzungen für die Einzelgesellschaften darstellen (siehe Abbildung 3).

Anhand des Strategieprozesses der EnBW wurde ein Geschäftsmodell entwickelt, das auf zwei wesentlichen strategischen Stoßrichtungen basiert:

  • Die gute Position in der C02-armen Erzeugung soll durch den Ausbau der erneuerbaren Energien erhalten werden. Das Hauptaugenmerk gilt daher dem Ausbau der erneuerbaren Energien im In- und Ausland, der im Wesentlichen über Großanlagen im Bereich Wind on- und offshore sowie Laufwasser erfolgen wird.
  • Als Anbieter dezentraler Lösungen wird sich die EnBW auf Partnerschaften mit Kommunen, Bürgern und Stadtwerken fokussieren und ihren Kunden Energielösungen aus einer Hand anbieten. Die Endkunden werden zukünftig zwischen einfachen Belieferungsprodukten wie Standard- oder Naturstrom, Eigenerzeugung wie Fotovoltaik und neue Anwendungen wie E-Mobilität, wählen können. Als Lösungsanbieter wird EnBW, durch kompetente Beratungen rund um Energie und Energieeffizienz, den Kunden maßgeschneiderte Lösungen aus Baukästen anbieten.

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Schlagworte zum Thema:  Erneuerbare Energien, Strategieprozess, Strategie, Controlling, Horváth, Planung

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