23.09.2016 | Serie WHU-Campus for Controlling 2016

Controlling soll den Wandel aktiv mitgestalten

Serienelemente
Bild: Institut für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management

Wie „disruptiv“ ist die digitale Transformation im Controlling? Und ist nicht der Computer der bessere Controller? Auf dem 10. Campus for Controlling am 16.9. in Vallendar suchten Praktiker und Wissenschaftler Antworten auf diese und weitere drängende Fragen zur Zukunft des Controllings.

Die Themen des WHU Campus for Controlling spiegelten wider, was Praktiker und Wissenschaftler zurzeit am meisten beschäftigt: der Wandel des Controllings. Gastgeber Professor Jürgen Weber machte den rund 130 Teilnehmern anhand von Daten des WHU Controller Panels deutlich, dass bereits in den letzten zehn Jahren eine deutliche Veränderung im Controlling stattgefunden hat, und dies wesentlich angestoßen von der Entwicklung der IT-Basis. Sie hat der Business-Partner-Rolle eine zentrale Bedeutung verschafft, ohne aber die bisherigen Rollen überflüssig zu machen. Auf diesem Weg der Veränderung konnten und können Controller vom Austausch mit der Wissenschaft profitieren, so Weber. Die von der Wissenschaft zur Verfügung gestellten Benchmarks und Impulse lieferten wichtige Argumente, um notwendige Änderungen wirkungsvoll zu kommunizieren und tatsächlich durchzusetzen.

Ganz in diesem Sinne beschrieb Professor Utz Schäffer als zweiter Gastgeber die mit der Digitalisierung der Geschäftswelt einhergehenden Veränderungen, die auch die Zukunft des Controllings wesentlich prägen werden. Da sie jeden Bereich der Wirtschaft betreffen würden, hätten sie eine deutlich höhere Tragweite als frühere Disruptionen. Systematisch und handlungsorientiert machte Schäffer klar, wie grundlegend Controller umdenken müssen – und dies auch noch in kurzer Zeit. Trotz aller Veränderungen war er sich aber am Ende sicher: „Controller werden nicht überflüssig werden“.

Passgenaues Controlling bei Covestro

Frank H. Lutz, CFO der Covestro AG, zeigte, wie sein Unternehmen den Carve-out aus dem Bayer Konzern in einem schwierigen Marktumfeld meistern konnte. Einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Abspaltung der ursprünglichen Bayer MaterialScience leistete das Controlling. Mit Mut zu radikalen strukturellen Veränderungen wie der Fokussierung auf wenige zentrale Controlling-Einheiten hatte es sich gezielt auf die Bedürfnisse des neuen Unternehmens ausgerichtet.

Digital Boardroom unterstützt neue Planung bei SAP

Auch Wolfgang Jany, Leiter Controlling CoE Master Data & Office of the CCO and COO bei SAP, nahm auf den Wandel Bezug, von Veränderungen des Geschäftsmodells – weg von den traditionellen Software-Lizenzen (On-Premise Software) hin zu Cloud-Lösungen – bis zu einem neuen Planungsprozess. Dieser orientiert sich heute stark an den Werttreibern im Unternehmen. Er findet erhebliche Unterstützung durch den sogenannten Digital Boardroom. Hier stehen den Entscheidern nicht nur Vergangenheits- und Zukunftsdaten in Echtzeit zur Verfügung, sondern diese sind auch durch die Werttreiberbäume miteinander verknüpft. So ist eine Vielzahl von Simulationen als Entscheidungsgrundlage möglich.

Den Wandel wagen bei EnBW

Auch die EnBW Energie Baden-Württemberg AG hat den Planungsprozess neu aufgesetzt. In einem höchst volatilen Umfeld wie dem der Energiewirtschaft war es notwendig, den Planungsprozess signifikant zu verkürzen und auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dr. Oliver Strangfeld, Leiter Controlling Erzeugung Nuklear EnBW, griff das Postulat von einem Controlling auf, das nicht nur Einzelprozesse, sondern das große Ganze im Blick hat. Wer Veränderungen wagt, so Strangfeld, müsse zunächst das übergreifende Problem identifizieren. Der Controller müsse seinem Umfeld vermitteln, warum Veränderungen notwendig sind. Nur so könne er auf volle Unterstützung bei der Umsetzung zählen.

Controller oder Computer?

Können Controller durch Computer ersetzt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck. Dazu erläuterte er, wie das Gehirn neue Ideen erzeugt. Leistungen des Gehirns basieren auf seiner Unvollkommenheit, und Innovationen setzen Fehler im System voraus. Daten seien nicht mit Informationen und Informationen nicht mit Wissen gleichzusetzen, so Beck, denn das Gehirn sei viel besser vernetzt als ein Computer. „Damit etwas Neues entstehen kann, müssen Ideen sich berühren.“ Diese Erkenntnis übertrug er auf Organisationen. Er plädierte für einen offenen Wissensaustausch, um Probleme zunächst zu identifizieren und die Möglichkeit zu schaffen, bestehendes Wissen zu verknüpfen, um neue Wege zu finden. Sein Auftrag: „Stay hungry! Stay foolish!“.

Nur die Flexiblen überleben

Die wichtigste Erkenntnis, die sich durch alle Vorträge auf dem WHU Campus for Controlling zog: Um den anstehenden Wandel zu bewältigen, muss das Controlling selbst veränderungsfähig werden, Innovation zulassen und Bestehendes stets in Frage stellen. Feste Strukturen und starke Veränderungen sind nicht vereinbar. Um das Controlling anpassungsfähig zu machen, sind ein intelligentes Verbinden von Analytik und Intuition, ein wacher Blick auf notwendige Anpassungen, eine Kultur des offenen Informationsaustauschs und des kritischen Hinterfragens notwendig.

Über die einzelnen Vorträge berichten wir ausführlich in einer neuen Serie.

Der nächste WHU Campus for Controlling findet am 8. September 2017 statt.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Veranstaltung

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