Digitalisierung verbessert die Chancen auf einen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung. Bild: clipdealer.de

Die Digitalisierung könnte eine deutliche Verbesserung für die Chance auf einen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung bedeuten. Doch bisher ist der Anteil der Arbeitslosen noch deutlich höher als bei Menschen ohne Behinderung.

Wie das "Inklusionsbarometer Arbeit" der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes (HRI) zeigt, lag die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung 2015 bei 13,4 %. Das ist doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Durch eine Befragung von 500 mittelständischen Unternehmen und 802 Mitarbeitern mit Behinderung werden in dem Bericht auch mögliche Ursachen benannt werden.

Nicht alle Betriebe, die wissen, dass es eine Förderung gibt, nutzen sie auch

Die Einstellung von Menschen mit Behinderungen verhindern vor allem bürokratische Hürden.

  • 85 Prozent der befragten Arbeitgeber kennen die staatlichen Fördermöglichkeiten bei der Einstellung von Schwerbehinderten.
  • In kleinen Unternehmen wissen aber nur 62 % der Chefs, dass sie staatliche Förderung bekommen können, wenn sie einen Menschen mit Behinderung beschäftigen.
  • Bei den großen Unternehmen machen etwa 65 % von einer Förderung Gebrauch, bei Kleinunternehmen nur etwas mehr als 30 %. Das liegt vor allem daran, dass die Antragsstellung Zeit und Ressourcen kostet.

Unsicherheit und Vorbehalte verhindern höhere Beschäftigungszahlen

Laut Inklusionsbarometer sind Menschen mit Behinderung oft weniger selbstsicher, wenn es um die Stellensuche geht. Auf der anderen Seite haben Unternehmer Vorbehalte gegenüber Beschäftigten mit Behinderung. Auch die Akzeptanz innerhalb des Kollegenkreises sank 2015 etwas. Acht Prozent der Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung geben an, dass es unter den Kollegen aufgrund ihrer Behinderung Vorbehalte gibt.

Viele sehen Digitalisierung als Chance

70 % der befragten Arbeitnehmer und 72 % der Arbeitgeber sehen die Digitalisierung als Chance an. Vorteile erwarten sie u. a. durch die Entwicklung digitaler Hilfsmittel für körperlich Beeinträchtigte, die Übernahme von körperlich anstrengenden Arbeiten durch Maschinen sowie eine digitale Barrierefreiheit. Allerdings befürchten die Befragten Nachteile für Menschen mit einer Lernbehinderung, da es keine Schulungen gibt, um diese Menschen in die digitale Zukunft mitzunehmen.

Die 5-%-Quote bei den Pflichtarbeitsplätzen ist fast erreicht

Ab 20 Mitarbeitern sind Unternehmen verpflichtet Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Zurzeit sind 152.000 Unternehmen in Deutschland beschäftigungspflichtig. 2015 waren 1,043 Mio. Pflichtarbeitsplätze besetzt. Das ist ein Rekord und bedeutet eine Beschäftigungsquote auf 4,69. Viel fehlt also nicht mehr zu der gesetzlichen Vorgabe von 5 %.

Schlagworte zum Thema:  Inklusion, Behinderung, Digitalisierung

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