Green IT – Der agile Weg zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Der Klimawandel, knappe Ressourcen und zunehmender Energieverbrauch fordern Unternehmen heraus, nachhaltiger zu handeln. Zudem setzen gesetzliche Regularien wie beispielsweise die CSRD, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sowie unter Umständen auch die EU-Ökodesign-Richtlinie ESPR klare Rahmenbedingungen. Die IT spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie ist einerseits selbst ein großer Energieverbraucher, kann andererseits jedoch durch innovative Lösungen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von Unternehmen beitragen. Besonders in agilen Projekten, die auf Flexibilität und kontinuierliche Verbesserung setzen, kann die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil führen.
Nachhaltigkeitsmanager als Treiber einer grünen IT
Die IDC-Studie „IT & Sustainability in Deutschland 2023“ zeigt, dass nur 30 Prozent der Unternehmen in Deutschland eine ganzheitliche IT-Nachhaltigkeitsstrategie implementiert haben. Oft werden Fachkräftemangel und veraltete IT-Infrastrukturen als größte Herausforderung bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele genannt. Nachhaltigkeitsmanager werden also zu Schlüsselakteuren, wenn es darum geht, Green-IT in Unternehmen zu verankern. Ihre Aufgabe ist es, Strategien zu entwickeln, die ökologische und ökonomische Ziele vereinen, und ein Bewusstsein für die Bedeutung nachhaltiger IT im Unternehmen zu schaffen. Doch wie kann dies gelingen? Wichtig ist vor allem, sich dem selbst gesteckten Ziel Schritt für Schritt zu nähern und mit einfachen Meilensteinen und Maßnahmen zu beginnen, die leicht umsetzbar sind und alle Beteiligten motivieren. Zunächst gilt es, sich einen umfassenden Überblick über die bestehenden IT-Strukturen im Unternehmen zu verschaffen. Dabei werden Schwachstellen wie hoher Energieverbrauch von Rechenzentren oder ineffiziente Softwarelösungen identifiziert, die übermäßig Ressourcen binden. Des Weiteren werden Ziele formuliert, die mit den Unternehmensstrategien übereinstimmen, etwa die Reduktion des CO₂-Ausstoßes oder des Stromverbrauchs sowie die Verlängerung der Lebenszyklen von IT-Hardware. Die Nutzung agiler Methoden kann hier helfen, Green-IT-Strategien Schritt für Schritt zu entwickeln, um flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. Ein iterativer Ansatz mit regelmäßigen Meilensteinen und schnellen Anpassungsmöglichkeiten erhöht die Chance auf Erfolg, auch bei der schrittweisen Verbesserung von IT-Infrastrukturen und Prozessen.
Relevante Handlungsfelder: Wo Nachhaltigkeit in der IT ansetzt
Für eine nachhaltigere IT gibt es fünf wichtige Handlungsfelder, die für den Erfolg von Green-IT-Initiativen entscheidend sind:
1. Energieeffizienz und CO₂-Reduktion
Um die CO₂-Emissionen effektiv zu senken, ist der Einsatz erneuerbarer Energien in Rechenzentren sowie die Optimierung von Kühlsystemen zentral. Ein wichtiges Handlungsfeld ist zudem die Steigerung der Energieeffizienz, wozu auch der Einsatz energieeffizienter Hardware, die Virtualisierung von Servern und der Umstieg auf nachhaltige Cloud-Lösungen gehört. Laut einer IDC-Studie betrachten mittlerweile 50 Prozent der Unternehmen Cloud-Lösungen als Schlüsseltechnologien für nachhaltige Geschäftsprozesse und Wertschöpfung. Durch die Agilität in der Projektplanung und Umsetzung können solche Maßnahmen laufend überprüft und angepasst werden, um Effizienzgewinne zu maximieren.
2. Lebenszyklus-Management von Hardware
Nachhaltigkeitsmanager sollten darauf achten, die Lebensdauer von IT-Geräten zu maximieren. Dies lässt sich durch regelmäßige Wartung, Reparaturen anstelle von Neuanschaffungen und eine durchdachte Wiederverwertung alter Geräte erreichen. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Herstellern, die auf recycelbare Materialien und ressourcenschonende Produktionsprozesse setzen, ist ebenfalls wichtig. Zudem muss die Wartbarkeit und der Support für ältere Hardware durch oder von den eigenen Produkten berücksichtigt werden, um die Nutzungsdauer zu verlängern und Ressourcen zu schonen. Agile Teams können solche Maßnahmen fortlaufend evaluieren und schnell auf technologische Innovationen oder Veränderungen auf dem Markt reagieren.
3. Nachhaltige Softwareentwicklung
Auch die Software hat einen erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch. Nachhaltige Softwareentwicklung – auch Green Coding genannt – zielt darauf ab, Anwendungen zu schaffen, die ressourcenschonend arbeiten. Dies kann durch den Einsatz effizienter Algorithmen, die Reduktion der Datenverarbeitung auf das notwendige Minimum, der intelligenten Auswahl von Features, sowie Grid-aware Computing erreicht werden. Grid-aware Computing bedeutet, dass Datenverarbeitung (engl.: Computing) priorisiert in den Zeiten stattfindet, in denen viel erneuerbare Energie im Netz (engl.: Grid) zur Verfügung steht. Insbesondere wenn die Angebotskapazität durch erneuerbare Energien die Nachfragekapazität durch die verschiedenen ans Netz angeschlossenen Verbraucher übersteigt, ergibt sich durch Grid-aware Computing ein echter Nachhaltigkeitsvorteil. In agilen Projekten lässt sich dieser Ansatz besonders gut umsetzen, da die Entwicklung in kurzen Iterationen erfolgt und regelmäßige Feedbackschleifen eine kontinuierliche Optimierung ermöglichen.
4. Effiziente Datenspeicherung
Unternehmen neigen dazu, alle verfügbaren Daten für unbegrenzte Zeit zu speichern, ohne die tatsächliche Notwendigkeit zu prüfen. Dies führt zu einem unnötigen Anstieg der Speicherkosten, der Bindung von Ressourcen in den Speichermedien und einem höheren Stromverbrauch der Systeme. Automatisierte Lösungen wie Data Retention Policies können den Datenlöschprozess vereinfachen und es Unternehmen ermöglichen, festzulegen, ab wann Daten automatisch vom System entfernt werden sollen.
5. Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Unternehmenskultur
Green-IT kann nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der gesamten Organisation verankert ist. Schulungen, Workshops und regelmäßige Kommunikationskampagnen sind daher unverzichtbar, um die Mitarbeitenden für das Thema zu sensibilisieren. Agile Teams fördern diese Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und Anpassung, was ein besonders effektives Mittel ist, um Nachhaltigkeitsziele langfristig zu verankern.
IT und Stakeholder frühzeitig einbinden
Nachhaltigkeitsmanager sollten sicherstellen, dass ihre Initiativen sowohl von der IT-Abteilung als auch von anderen Stakeholdern im Unternehmen unterstützt werden. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen essenziell. Es ist ratsam, die IT-Abteilung frühzeitig in die Planung und Umsetzung von Green-IT-Projekten einzubeziehen, um deren technisches Know-how optimal zu nutzen und Akzeptanz zu schaffen.
Ein wirksames Mittel, um IT und Stakeholder zu erreichen, ist die Schaffung von Green-IT-Governance-Strukturen. Diese sollte klare Richtlinien, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege umfassen, um sicherzustellen, dass Nachhaltigkeitsziele in allen IT-Projekten berücksichtigt werden. Eine regelmäßig tagende Nachhaltigkeitskommission, die sich aus Vertretern der IT-Abteilung, des Nachhaltigkeitsmanagements und anderen relevanten Stakeholdern zusammensetzt, kann hierbei eine zentrale Rolle übernehmen.
Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken
Für eine erfolgreiche Implementierung von Green-IT in agilen Projekten sind bereits bei der Projektplanung einige wesentliche Aspekte zu berücksichtigen. So sollte Nachhaltigkeit von Anfang an als fester Bestandteil in den agilen Projektzyklus integriert und in der Planungsphase klare Nachhaltigkeitsziele definiert und regelmäßig überprüft werden. Bei der Auswahl von Technologien sollten immer auch die ökologischen Auswirkungen berücksichtigt werden. Hierzu gehört etwa die Wahl eines möglichst nachhaltigen Cloud-Anbieters oder die intelligente Nutzung von Open-Source-Software, die ressourcenschonender sein kann.
Ein zentraler Aspekt agiler Projekte ist die kontinuierliche Verbesserung. Nachhaltigkeitsmanager sollten regelmäßige Reviews einplanen, um die Wirksamkeit der Green-IT-Maßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Erfolgsgeschichten und Best Practices können helfen, die Motivation im Team hochzuhalten und das Engagement für Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die Präsentation positiver Beispiele lassen sich auch Skeptiker überzeugen. Eine offene Kommunikation über Ziele, Fortschritte und Herausforderungen ist daher ausschlaggebend. Nachhaltigkeitsmanager sollten darauf achten, regelmäßig über die erzielten Erfolge und den ökologischen Nutzen zu berichten.
Fazit: Green-IT lässt sich erfolgreich in agile Projekte integrieren
Green-IT ist nicht nur ein Trend, sondern eine unverzichtbare Maßnahme, um die IT von Unternehmen zukunftsfähig zu gestalten. Die Integration nachhaltiger Prinzipien in agile Projekte ermöglicht es Unternehmen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu nutzen. Nachhaltigkeitsmanager übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie identifizieren relevante Handlungsfelder, binden IT und Stakeholder ein und entwickeln mit diesen gemeinsam praxisnahe Lösungen. Mit den richtigen Strategien und einem kontinuierlichen Verbesserungsansatz wird Green-IT zu einem festen Bestandteil des Unternehmensalltags und trägt so maßgeblich zur nachhaltigen Transformation bei.
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