Weimann/Lang, Umsatzsteuer ... / 11 Vorsteuerabzug und Rechnungen

11.1 Allgemeines

 

Rz. 48

Grundsätzlich sind umsatzsteuerliche Unternehmer aus den für ihr Unternehmen bezogenen Lieferungen und sonstigen Leistungen zum Vorsteuerabzug berechtigt. Regelmäßig ist der Vorsteuerabzug durch eine ordnungsgemäße Rechnung bzw. im Fall der Einfuhrumsatzsteuer durch ein ordnungsgemäßes Zolldokument nachzuweisen (vgl. Art. 86 Mehrwertsteuergesetz).

11.2 Beschränkungen des Vorsteuerabzugs

 

Rz. 49

Nach dem Umsatzsteuerrecht von Polen berechtigen verschiedene Aufwendungen nicht zum Vorsteuerabzug (vgl. Art. 86a und Art. 88 Mehrwertsteuergesetz). Entsprechende Beschränkungen gelten unter anderem für die folgenden Aufwendungen:

  • Kosten für Bewirtung,
  • Hotelübernachtungen,
  • 50 % der Kosten für Anschaffung, Miete, Leasing oder Unterhalt von Kraftwagen (definiert idR als Fahrzeuge mit maximal 10 Sitzen, Ausnahmen gelten u. a. für Taxis und für Wiederverkäufer sowie bei nachgewiesener reiner geschäftlicher Nutzung).
 

Rz. 50

Weiterhin sind Vorsteuerbeträge vom Abzug ausgeschlossen, wenn sie im Zusammenhang mit unecht steuerfreien Umsätzen stehen.

 

Rz. 51

Führt ein Unternehmen sowohl zum Vorsteuerabzug berechtigende als auch nicht zum Vorsteuerabzug berechtigende Umsätze aus, so ist eine Aufteilung der Vorsteuerbeträge vorzunehmen. Die Vorsteueraufteilung geschieht nach einem globalen Umsatzschlüssel, der auf volle Prozent aufgerundet wird (vgl. Art. 90 Mehrwertsteuergesetz). Leistungen, die nur für Abzugsumsätze oder nur für Ausschlussumsätze verwendet werden, sind im Weg der direkten Zuordnung zu verarbeiten.

11.3 Vorsteuerüberhänge

 

Rz. 52

Wenn sich aus einer Umsatzsteuermeldung ein Erstattungsanspruch ergibt, wird dieser in der Regel nicht sofort ausgezahlt, sondern auf die Folgeperiode vorgetragen (vgl. Art. 87 Mehrwertsteuergesetz). Wird ein Auszahlungsantrag gestellt, erfolgt die Auszahlung innerhalb von 60 Tagen nach der Umsatzsteuermeldung, bzw. 180 Tagen, wenn in der Meldeperiode keine steuerbaren Umsätze ausgeführt wurden. Bei Nutzung des "Split Payment"-Systems ab 01.07.2018 (vgl. Abschnitt 8) kann die Zeit auf 25 Tage reduziert werden. Allerdings erfolgen die Erstattungen dann auf das besondere Umsatzsteuer-Bankkonto.

Die Steuerbehörden können jeweils Unterlagen anfordern oder Prüfungen anordnen.

 

Rz. 53

Es ist möglich, Anträge auf schnelle Auszahlung (dann 25 bzw. 60 Tage) zu stellen. In diesem Fall müssen umfangreiche Nachweise vorgelegt oder eine Bankgarantie oder vergleichbare Sicherheit gestellt werden. Die entsprechenden Regelungen wurden zum 01.01.2017 verschärft. Unter anderem sind seitdem Vorsteuern aus Barzahlungen oder Zahlungen, die nicht über polnische Bankkonten ausgeführt wurden, nur noch bis zu 15.000 PLN auszahlungsfähig, und der Unternehmer muss seit mindestens zwölf Monaten registriert gewesen sein und Umsätze ausgeführt haben.

11.4 Berichtigung des Vorsteuerabzugs

 

Rz. 54

Nach dem polnischen Umsatzsteuergesetz gilt für Gegenstände, die nicht nur einmalig genutzt werden, grundsätzlich ein Vorsteuerberichtigungszeitraum von fünf Jahren bzw. für Grundstücke, Gebäude und verwandte Wirtschaftsgüter ein Zeitraum von zehn Jahren (vgl. Art. 91 Mehrwertsteuergesetz).

Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von weniger als 15.000 PLN werden nicht erfasst.

11.5 Rechnungen

 

Rz. 55

In Polen steuerpflichtige Unternehmer sind grundsätzlich verpflichtet, für alle Umsätze einschließlich echt steuerbefreiter Umsätze eine ordnungsgemäße umsatzsteuerliche Rechnung auszustellen (vgl. Art. 106a ff. Mehrwertsteuergesetz). Es gilt keine allgemeine Rechnungsstellungspflicht für Umsätze an Nichtunternehmer.

 

Rz. 56

Korrekturbelege, z. B. bei Entgeltminderung, müssen sich eindeutig auf die Ursprungsrechnungen beziehen (vgl. Art. 106j und 106k Mehrwertsteuergesetz).

 

Rz. 57

Abrechnungen im Gutschriftsverfahren sind zulässig (vgl. Art. 106d Mehrwertsteuergesetz).

 

Rz. 58

Umsatzsteuerrechnungen müssen folgende Angaben enthalten (vgl. Art. 106e Mehrwertsteuergesetz):

  • Name und Anschrift des Leistenden und dessen Umsatzsteueridentifikationsnummer,
  • Name und Anschrift des Leistungsempfängers und dessen Umsatzsteueridentifikationsnummer,
  • Datum der Ausstellung,
  • Eindeutige, fortlaufende Rechnungsnummer,
  • Datum der Lieferung oder Leistung bzw. der erhaltenen Anzahlung, falls feststellbar und abweichend vom Datum der Ausstellung,
  • Leistungsbeschreibung,
  • Nettoentgelt, getrennt nach Steuersätzen und Steuerbefreiungen,
  • Umsatzsteuerbetrag und Umsatzsteuersatz,
  • Hinweis auf eventuelle Steuerbefreiungen oder Entgeltminderungen.
 

Rz. 59

Kleinbetragsrechnungen (Grenze: 100 EUR bzw. 450 PLN Brutto) müssen nur folgende Elemente enthalten:

  • Name und Anschrift des Leistenden und dessen Umsatzsteueridentifikationsnummer,
  • Umsatzsteueridentifikationsnummer des Leistungsempfängers,
  • Datum der Ausstellung,
  • Datum der Lieferung oder Leistung bzw. der erhaltenen Anzahlung, falls feststellbar und abweichend vom Datum der Ausstellung,
  • Rechnungsnummer,
  • Leistungsbeschreibung,
  • Hinweis auf eventuelle Steuerbefreiungen oder Entgeltminderungen,
  • Gesamtentgelt und ausreichende Angaben, um den Umsatzsteuerbetrag zu ermitteln.

Bei Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten muss d...

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