Fischer/Pahlke/Wachter, Erb... / 6.2.2 Regelungsinhalt
 

Rz. 85

Bei einer Schenkung durch eine Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft ist der Besteuerung das persönliche Verhältnis des Erwerbers zu derjenigen unmittelbar oder mittelbar beteiligten natürlichen Person oder Stiftung zugrunde zu legen, durch die sie veranlasst ist.

Nach Auffassung der Verwaltung richtet sich in den Fällen des § 7 Abs. 8 ErbStG bei Zuwendungen von Kapitalgesellschaften bzw. Genossenschaften die Steuerklasse nach § 15 Abs. 4 ErbStG (Tz. 6.1 im o. g. Erlass).

Danach geht auch die Verwaltung davon aus, dass sich der Anwendungsbereich der Norm auf Fälle des § 7 Abs. 8 ErbStG reduziert hat (vgl. dazu ausführlich Rz. 84 und 8b).

Als Rechtsfolge ist das persönliche Verhältnis des Erwerbers (unmittelbar oder mittelbar an der Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft beteiligte natürliche Person oder Stiftung) zu der die Zuwendung veranlassenden Person (i. d. R. unmittelbar oder mittelbar an der Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft beteiligte natürliche Person oder Stiftung) maßgebend. Diese Regelung betrifft nur die Rechtsfolgen der Steuerermittlung. Die Kapitalgesellschaft bzw. Genossenschaft bleibt nach Auffassung der Verwaltung Zuwendende (vgl. Tz. 6.1 im o. g. Erlass), was jedoch weitgehend ohne Bedeutung ist. Denn bei der Zusammenrechnung mit früheren Erwerben nach § 14 ErbStG ist ebenfalls auf die Verhältnisse zu dem veranlassenden Gesellschafter abzustellen. Die Zuwendung der Kapitalgesellschaft ist ebenso bei späteren Schenkungen des veranlassenden Gesellschafters, der Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft oder anderer Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften, an der der veranlassende Gesellschafter beteiligt ist, nach § 14 ErbStG zu berücksichtigen (vgl. Tz. 6.2 im o. g. Erlass). Für den Rechtsfolgenbereich wollte der Gesetzgeber die Zuordnung der Schenkung entsprechend dem Veranlassungszusammenhang konsequent umsetzen. § 15 Abs. 4 S. 2 ErbStG bestimmt deshalb, dass die Schenkung bei der Zusammenrechnung früherer Erwerbe (§ 14 ErbStG) als Vermögensvorteil gilt, der dem Bedachten vom veranlassenden (Mit-)Gesellschafter anfällt. Damit sollen Meistbegünstigungen bzw. unerwünschte Gestaltungen unterbunden werden.

Kommen mehrere Gesellschafter als Veranlassende in Betracht (z. B. Vater und Onkel des Begünstigten), kann eine quotale Mitveranlassung aller Beteiligten angenommen werden. Es kann jedoch konkret dargelegt werden, welche Person die Zuwendung veranlasst hat (vgl. Tz. 6.3 im o. g. Erlass).

 

Praxis-Beispiel

Quotale Mitveranlassung bei mehreren Gesellschaftern/Genossen

Beispiel:

Die von Vater und Onkel beherrschte KapGes leistet an die vom Sohn bzw. Neffen beherrschte KapGes, d. h. die V/O-GmbH leistet zivilrechtlich vergünstigt an die S-GmbH.

Lösung:

§ 15 Abs. 4 ErbStG fingiert hierbei die quotale Leistung von Vater und Onkel; § 7 Abs. 8 ErbStG fingiert den Sohn/Neffen als Empfänger. Auf Basis dieser Doppelfiktion wird im Schenkungsteuerrecht eine Leistung von Vater und Onkel an den Sohn/Neffen angenommen, und zwar im Hinblick auf Steuerklasse, Freibetrag und Vorschenkungen nach § 14 ErbStG. Eine andere Veranlassung als die quotale Leistung lt. Gesellschaftsvertrag kann dargelegt werden. So kann mit Nachweisen dargelegt werden, dass z. B. nur der Vater die Leistung als Mehrheitsgesellschafter der GmbH veranlasst hat.

Daher empfhielt es sich, günstige Veranlassungszusammenhänge (z. B. Stimmverhalten in der Gesellschafterversammlung) zu dokumentieren.

Die Anwendung der Norm ist nicht von einem Antrag abhängig und kann wegen der gesetzlichen Bezugnahme auf § 14 ErbStG auch nicht zur Disposition gestellt werden. § 15 Abs. 4 ErbStG kann bei erheblichen Vorschenkungen nach § 14 ErbStG und damit erfolgter Ausschöpfung der Freibeträge auch nachteilig sein.

 

Hinweis

Die kursierende Gestaltungsempfehlung – nach Ausschöpfen der persönlichen Freibeträge zu nahe stehenden Personen –, an diese nahe stehenden Personen unter Einbindung von Kapitalgesellschaften weitere Schenkungen im Rahmen der Freibeträge nach § 16 Abs. 1 Nr. 7 ErbStG vorzunehmen, hat daher nicht weiter Bestand, denn hinsichtlich der Anwendung des § 15 Abs. 4 ErbStG besteht kein Wahlrecht.

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