Rechtskräftiger Schlussbescheid über NRW-Soforthilfen
Das hat das OVG entschieden und die Berufung der Betriebsinhaberin gegen das klageabweisende Urteil des VG Gelsenkirchen nicht zugelassen.
Angegriffene Schlussbescheide häufig rechtswidrig
Zahlreiche Empfänger von Soforthilfen, die sich in der einleitend beschriebenen Situation befanden, hatten später von den Bezirksregierungen ein Wiederaufgreifen ihrer Verfahren begehrt. Hintergrund dieser Begehren war, dass einige Verwaltungsgerichte und das OVG NRW rechtzeitig angegriffene Schlussbescheide für rechtswidrig gehalten haben.
Die Bezirksregierungen haben ein Wiederaufgreifen jeweils abgelehnt. Mittlerweile haben verschiedene Verwaltungsgerichte entschieden, dass die im Ermessen der Behörden stehende Ablehnung des Wiederaufgreifens rechtlich nicht zu beanstanden war. Nun hat sich erstmals das OVG NRW mit dieser Problematik befasst.
Nur in Ausnahmefällen Anspruch Wiederaufgreifen
Das OVG NRW führt in seiner Entscheidung aus, dass hinsichtlich der gesetzlichen Ermächtigung zum Wiederaufgreifen bestandskräftig abgeschlossener Verfahren für den Betroffenen grundsätzlich nur ein Anspruch auf fehlerfreie Ermessensausübung besteht, und nur in besonderen – hier nicht gegebenen – Ausnahmefällen ein Anspruch auf ein Wiederaufgreifen.
Aufrechterhaltung hier nicht "schlechthin unerträglich"
Das der materiellen Einzelfallgerechtigkeit gegenläufige Gebot der Rechtssicherheit ist ein wesentliches Element der Rechtsstaatlichkeit. Aus ihm folgt die grundsätzliche Rechtsbeständigkeit unanfechtbarer Verwaltungsakte. Der Gesetzgeber räumt bei der Aufhebung bestandskräftiger belastender Verwaltungsakte in verfassungsrechtlich nicht zu beanstandender Weise weder dem Vorrang des Gesetzes noch der Rechtssicherheit einen generellen Vorrang ein.
Die Prinzipien der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung und der Bestandskraft von Verwaltungsakten stehen vielmehr gleichberechtigt nebeneinander. Ist die Aufrechterhaltung eines bestandskräftigen Verwaltungsakts nicht "schlechthin unerträglich", so ist es in aller Regel – und so auch hier – ermessensfehlerfrei, wenn die Behörde an der Bestandskraft ihrer Bescheide generell festhält und damit dem Aspekt der Rechtssicherheit den Vorzug gibt, obwohl sie sich in der später ergangenen Rechtsprechung als rechtswidrig erwiesen haben.
Der Beschluss des OVG NRW ist unanfechtbar. Damit ist die Klage rechtskräftig abgewiesen.
OVG NRW, Beschluss v. 11.7.2024, 4 A 1764/23
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