Streit um Hotelzimmer beschäftigt Finanzgericht
Eine Änderung bei der Gewerbesteuer aus dem Jahr 2008 sorgt in der Reisebranche auch acht Jahre später noch für Ärger. Deutschlands Reiseveranstaltern drohen seit 2012 nach einem Streit mit den Finanzbehörden Steuernachzahlungen in Milliarden-Höhe. Am Donnerstag beschäftigt sich das FG Münster mit der Frage, wie eingekaufte Hotel-Zimmer bewertet werden müssen. Kläger ist das Unternehmen Frosch Sportreisen. Geschäftsführer Holger Schweins beklagt für sein Unternehmen eine Überbesteuerung. Nach Auskunft eines Gerichtssprechers soll das Gericht noch am selben Tag eine Entscheidung verkünden (Az. 9 K 1472/13 G).
Umstritten ist, ob die Reiseveranstalter eingekaufte Zimmerkontingente in Ferienhotels bei der Gewerbesteuer berücksichtigen müssen. Die Finanzbehörden sehen eine Parallele zu anderen Branchen, die zum Beispiel angemietete Fabrikhallen bei der Berechnung der Gewerbesteuer angeben müssen.
Der Gesetzgeber wollte 2008 eine Unwucht bei der Berechnung der kommunalen Steuer begradigen: Miete und Besitz von Betriebsstätten sollten gleichgestellt werden, auch um Tricksereien bei der Steuer zu verhindern. "Im Grundsatz ist das auch richtig", sagt Schweins. Aber bei Hotelzimmern gehe die Rechnung nicht auf. Die Reiseveranstalter lehnen es ab, Hotels als Teil ihrer Betriebsstätten zu sehen.
"Hier wird eine Steuer nicht nur auf den Gewinn, sondern auch auf Kosten erhoben", sagt Schweins. Durch die Klage seien ihm hohe Kosten weit im sechsstelligen Bereich entstanden. "Für eine kleine Firma wie uns mit 35 Mitarbeitern ist das kaum zu stemmen", sagt Schweins.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) beklagt eine "abenteuerliche Rechtsauslegung". Pro Jahr würden den Unternehmen Mehrkosten von 230 Millionen EUR entstehen. "Wir stehen mit der Politik ständig wegen des Problems im Dialog. Uns wird immer wieder bestätigt, dass es politisch nicht so gewollt ist, wie es die Finanzbehörden aktuell umsetzen", sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig vor dem Verfahren in Münster der Deutschen Presse-Agentur. Der DRV kritisiert, dass es aber bisher am übergreifenden politischen Willen fehle, für Klarheit zu sorgen. Große Teile der Politik versteckten sich hinter den laufenden Gerichtsverfahren.
Laut DRV wurde 2011 erstmals ein Bescheid verschickt, der den Einkauf von Hotelbetten wie Anlagevermögen bewertet hat. "Die Länderfinanzministerkonferenz hat das 2012 bestätigt. Die Folgen für die Reiseveranstalter in Deutschland waren aber damals wohl nicht genügend transparent", sagt Fiebig.
"Ich vergleiche das gerne mit dem Joghurt in der Lebensmittelbranche. Da würde die Finanzverwaltung auch niemals auf die Idee kommen, die Beschaffungskosten für den verkauften Joghurt dem gewerbesteuerlichen Gewinn hinzuzurechnen", sagt der DRV-Präsident.
Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) will das Gesetz ändern. Im Kreis der Länderfinanzminister konnte er sich allerdings mit einem Vorstoß nicht durchsetzen. Zuletzt waren NRW, Hessen und Bayern im Finanzausschuss des Bundesrates gescheitert. Nach Auskunft des Ministeriums in Düsseldorf soll das Thema jetzt von den Wirtschaftsministern weiter verfolgt werden.
-
Zeitpunkt der Vereinnahmung gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b UStG bei Überweisungen
407
-
Vorsteuerabzug bei Betriebsveranstaltungen
307
-
Vermietung an den Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
279
-
Sonderausgabenabzug für einbehaltene Kirchensteuer auf Kapitalerträge aus anderen Einkunftsarten
241
-
Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nach § 268 AO ist unwiderruflich
217
-
Abschreibung für eine Produktionshalle
178
-
Abzug von Fahrtkosten zur Kinderbetreuung
177
-
Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätten bei Selbstständigen
1721
-
Selbst getragene Kraftstoffkosten bei der 1 %-Regelung
161
-
Entgeltlicher Verzicht auf Nießbrauch bei einem vermieteten Grundstück
1361
-
Geldgeschenk zu Ostern i. H. von 20.000 EUR
16.01.2026
-
Prüfung der Behaltensfrist erbschaftsteuerbegünstigten Vermögens
16.01.2026
-
Energiepreispauschale auch für Rentner einkommensteuerpflichtig
15.01.2026
-
Passivität des Investors maßgebend für Eingreifen der Beschränkungen des § 15b EStG
15.01.2026
-
Alle am 15.1.2026 veröffentlichten Entscheidungen
15.01.2026
-
Keine gewerbesteuerliche Hinzurechnung für Werbung auf Bussen und Bahnen
14.01.2026
-
Kindergeld bei fehlender Mitwirkung der ausländischen Verbindungsstelle
14.01.2026
-
"Unechte" Realteilung beim Ausscheiden einer Mitunternehmerkapitalgesellschaft
12.01.2026
-
Behandlung von GmbH-Anteilen des Mitunternehmers als Sonderbetriebsvermögen II
12.01.2026
-
Aufwendungen für einen KFZ-Stellplatz im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung
12.01.2026