zerb 1/2017, Andere Länder,... / a) Lösung nach deutschem Recht

Max steht nach deutschem Recht zunächst als Alleinerben der saldierte Nachlass zu. Darüber hinaus kann er Pflichtteilsergänzungsansprüche nach den §§ 2325, 2326, 2329 Abs.1 S. 2 BGB gegenüber der beschenkten Schwester geltend machen. Berechnet wird der Pflichtteilsanspruch des Erben nach der Formel:

EP = (N + S) :2Q – E

Zu berücksichtigten ist dabei das seit Inkrafttreten der Erbrechtsreform geltende Abschmelzungsprinzip, § 2325 Abs. 3 BGB. Infolgedessen kommt die 9 Jahre zurückliegende Schenkung nicht mehr mit dem vollen Wert, sondern lediglich noch mit 10 %, ergo 100.000,– EUR zum Ansatz. Max stehen demnach Pflichtteilsergänzungsansprüche in Höhe von

(1.000,– EUR + 100.000,– EUR): 1/4 – 1.000,– EUR = 24.250,– EUR

zu.

Tina kann ihrerseits gegenüber dem Alleinerben Max einen ordentlichen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/4 aus 1.000,– EUR, also 250,– EUR geltend machen, § 2303 BGB. Eine Anrechnung des Eigengeschenks unterbleibt beim ordentlichen Pflichtteilsanspruch. § 2327 BGB ist nur im Ergänzungsrecht anwendbar. In der Praxis würde man den Anspruch von Tina wohl mit den Ansprüchen von Max verrechnen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge