Leitsatz (amtlich)

Unterschiedliche Zahlungen, auf die ein Anspruch aus § 64 S. 1 GmbHG gestützt wird, betreffen nicht den gleichen Gegenstand i.S.v. § 45 Abs. 1 S. 3 GKG.

 

Normenkette

GKG § 45 Abs. 1; GmbHG § 64

 

Verfahrensgang

LG Köln (Urteil vom 05.10.2011; Aktenzeichen 91 O 101/06)

 

Tenor

Die Be-schwer-de des Klä-gers gegen die Streit-wert-fest-set-zung im Urteil des Land-ge-richts Köln vom 5.10.2011 - 91 O 101/06 - wird zu-rück-ge-wie-sen.

Die Ent-schei-dung er-geht ge-richts-ge-büh-ren-frei. Au-ßer-ge-richt-li-che Kos-ten wer-den nicht er-stat-tet.

 

Gründe

I. Der Klä-ger hat den Be-klag-ten als ehe-ma-li-gen Ge-schäfts-füh-rer der In-sol-venz-schuld-ne-rin auf Zah-lung von 10 Mio. EUR in An-spruch ge-nom-men. Er hat die Klage in ers-ter Linie auf eine Reihe von Zah-lun-gen i.H.v. ins-ge-samt 10 Mio. EUR, wel-che der Be-klag-te nach Ein-tritt der In-sol-venz-rei-fe ver-an-lasst hat, ge-stützt und An-sprü-che aus § 64 Abs. 2 GmbHG gel-tend ge-macht. Hilfs-wei-se hat er die Klage unter dem glei-chen recht-li-chen Ge-sichts-punkt auf wei-te-re Zah-lun-gen i.H.v. ins-ge-samt 16.145.707,69 EUR ge-stützt. Äu-ßerst hilfs-wei-se hat er gel-tend ge-macht, der Be-klag-te hafte auch gem. § 43 Abs. 2 GmbHG, weil auf-grund man-gel-haf-ter Or-ga-ni-sa-tion des Unter-neh-mens Kauf-preis-for-de-run-gen i.H.v. ins-ge-samt 16.615.220,61 EUR nicht durch-setz-bar ge-we-sen seien.

Das Land-ge-richt hat die Klage ab-ge-wie-sen und den Gegen-stands-wert auf 42.760.928,30 EUR fest-ge-setzt. Hier-ge-gen rich-tet sich die Streit-wert-be-schwer-de des Klä-gers.

II. Die zu-läs-si-ge, ins-be-son-de-re form- und frist-ge-recht ein-ge-leg-te Be-schwer-de ist nicht be-grün-det. Das Land-ge-richt hat den Streit-wert zu Recht auf 42.760.928,30 EUR fest-ge-setzt.

1. Gemäß § 45 Abs. 1 S. 2 und 3 GKG sind die Werte von Haupt- und Hilfs-an-spruch zu-sam-men-zu-rech-nen, wenn über den Hilfs-an-spruch eine Ent-schei-dung er-geht und Haupt- und Hilfs-an-spruch nicht den-sel-ben Gegen-stand be-tref-fen. So liegt der Fall hier:

a) Das Land-ge-richt ist zu-recht und mit zu-tref-fen-der Be-grün-dung davon aus-ge-gan-gen, dass es sich bei den hilfs-wei-se zur Be-grün-dung der Kla-ge-for-de-rung he-ran-ge-zo-ge-nen Sach-ver-hal-ten um Hilfs-an-trä-ge i.S.v. § 45 Abs. 1 S. 2 GKG han-delt. Der Klä-ger hat seine An-sprü-che nicht auf ver-schie-de-ne An-spruchs-grund-la-gen ge-stützt, die sich aus dem-sel-ben Sach-ver-halt er-ge-ben, son-dern viel-mehr in ers-ter Linie auf be-stimm-te, nach sei-ner Auf-fas-sung ent-gegen § 64 Abs. 2 GmbHG ge-leis-te-te Zah-lun-gen, in zwei-ter Linie auf wei-te-re der-arti-ge Zah-lun-gen und in drit-ter Linie auf den nach sei-nem Vor-trag aus man-gel-haf-ter Be-triebs-orga-ni-sa-tion ent-stan-de-nen Scha-den.

b) Diese Hilfs-an-trä-ge, über die das Land-ge-richt ent-schie-den hat, be-tref-fen nicht den-sel-ben Gegen-stand i.S.v. § 45 Abs. 1 S. 3 GKG.

aa) Bei der Be-stim-mung, ob Haupt- und Hilfs-an-trag den-sel-ben Gegen-stand i.S.v. § 45 Abs. 1 S. 3 GKG be-tref-fen, kommt es nach der Recht-spre-chung des Bun-des-ge-richts-hofs auf eine wirt-schaft-li-che Be-trach-tungs-wei-se an, die zu an-de-ren Er-geb-nis-sen füh-ren kann als eine Be-urtei-lung nach dem zi-vil-pro-zes-sua-len Streit-gegen-stands-be-griff. Eine Zu-sam-men-rech-nung der Werte er-folgt, wenn das Neben-ei-nan-der von Haupt- und Hilfs-an-trag zu einer "wirt-schaft-li-chen Wert-häu-fung" führt. Sie schei-det aus, wenn beide An-trä-ge wirt-schaft-lich iden-ti-sche In-te-res-sen be-tref-fen, was nach der so-ge-nann-ten "Iden-ti-täts-for-mel" dann der Fall ist, wenn die An-sprü-che ei-nan-der aus-schlie-ßen, mit-hin not-wen-di-ger-wei-se die Zu-erken-nung des einen An-spruchs mit der Ab-erken-nung des an-de-ren ver-bun-den ist (BGH NJW-RR 2003, 713; Dörn-dor-fer in: Binz u.a., GKG, Rz. 19 f.).

bb) An die-sen Grund-sät-zen ge-mes-sen ist der Gegen-stand des Haupt-an-trags und der bei-den Hilfs-an-trä-ge nicht iden-tisch. Die gel-tend ge-mach-ten An-sprü-che gegen den Be-klag-ten ste-hen wirt-schaft-lich selb-stän-dig neben-ei-nan-der und schlie-ßen ei-nan-der nicht aus. Das liegt für das Ver-hält-nis der An-sprü-che aus § 64 Abs. 2 GmbHG zu den-je-ni-gen aus § 43 Abs. 2 GmbHG auf der Hand, gilt aber eben-so für die auf unter-schied-li-che Zah-lun-gen ge-stütz-ten An-sprü-che aus § 64 Abs. 2 GmbHG. An-statt die Klage le-dig-lich hilfs-wei-se auf wei-te-re Zah-lun-gen und den nach sei-nem Vor-trag aus der man-gel-haf-ten Be-triebs-orga-ni-sa-tion ent-stan-de-nen Scha-den zu stüt-zen, hätte der Klä-ger sämt-li-che An-sprü-che auch ku-mu-la-tiv ver-fol-gen und den Be-klag-ten auf Zah-lung von 42.760.928,30 EUR in An-spruch neh-men kön-nen.

Dass das wirt-schaft-li-che In-te-res-se des Klä-gers nach sei-nen An-ga-ben auf 10 Mio. EUR be-schränkt war und er die hilfs-wei-se gel-tend ge-mach-ten An-sprü-che le-dig-lich zur Mi-ni-mie-rung des Ri-si-kos einer Kla-ge-ab-wei-sung ein-ge-führt hat, ist nicht aus-schlag-ge-bend. Die Mo-ti-va-tion der Kla-ge-par-tei, An-sprü-che im Even-tu-a...

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