§ 5 Verjährung / bb) Schwebende Verhandlung
 

Rz. 491

Schweben zwischen dem Ersatzberechtigten und dem Ersatzpflichtigen Verhandlungen über den zu leistenden Schadenersatz, ist die Verjährung gehemmt bis eine der verhandelnden Parteien die Fortsetzung der Verhandlung ablehnt (§ 203 BGB). Die Hemmung wegen schwebender Verhandlungen zwischen den Parteien ist möglich ungeachtet der Erklärung, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auf die Verjährungseinrede zu verzichten.[451]

 

Rz. 492

Die an eine Verhandlung i.S.v. § 852 Abs. 2 BGB a.F. begrifflich und inhaltlich gestellten Voraussetzungen und Bedingungen sind auf das Verjährungssystem allgemein übertragen.[452]

 

Rz. 493

Verhandlungen schweben, wenn ein Austausch von Meinungen über den Schadenfall vorliegt, angesichts dessen der Berechtigte davon ausgehen kann, dass sein Begehren von der Gegenseite noch nicht endgültig abgelehnt wird.[453] Nicht erforderlich ist das Signalisieren einer Vergleichsbereitschaft oder eines Entgegenkommens.[454] Der Begriff der "Verhandlung" ist weit zu verstehen;[455] ausreichend ist ein Meinungsaustausch über den Schadenfall, wenn nicht erkennbar die Verhandlung über die Ersatzpflicht oder jeder Ersatz verneint wird.[456] Für das Vorliegen von die Verjährung hemmenden Verhandlungen reicht aus, wenn der Berechtigte Anforderungen an den Verpflichteten stellt und dieser nicht sofort ablehnt, sondern sich auf Erörterungen einlässt. Antwortet der Verpflichtete auf die Mitteilung des Berechtigten alsbald in solcher Weise, dass dieser annehmen darf, der Verpflichtete werde i.S.e. Befriedigung der Ansprüche Entgegenkommen zeigen, tritt eine Verjährungshemmung ein, die auf den Zeitpunkt der Anspruchsanmeldung zurückzubeziehen ist.[457]

 

Rz. 494

Bloße Verjährungsverzichtserklärungen sind keine Verhandlungen.[458]

 

Rz. 495

Beschränken sich die Verhandlungen auf einen abgetrennten Anspruchsteil (siehe auch Rdn 464), kann hinsichtlich des anderen Teils eine Hemmung entfallen.[459] Die Annahme einer Begrenzung der verjährungshemmenden Wirkung von Verhandlungen nur auf einen Teil des Schadens kann nur dann gerechtfertigt sein, wenn sich dieser Beschränkungswille aus der Anspruchsanmeldung eindeutig ergibt.[460]

[451] BGH v. 17.2.2004 – VI ZR 429/02 – NJW 2004, 1654 = NJW-Spezial 2004, 66 = NZV 2004, 239 = r+s 2004, 306 = SP 2004, 150 = VersR 2004, 656 = zfs 2004, 306 (Anm. Diehl).
[452] BGH v. 19.12.2006 – VII ZR 194/05 – BauR 2007, 380 = BGHReport 2007, 145 = MDR 2007, 331 = NJW 2007, 587 (Anm. Neuenfeld) = NW-Spezial 2007, 118 = VersR 2007, 700.
[453] BGH v. 17.2.2004 – VI ZR 429/02 – NJW 2004, 1654 = NJW-Spezial 2004, 66 = NZV 2004, 239 = r+s 2004, 306 = SP 2004, 150 = VersR 2004, 656 = zfs 2004, 306 (Anm. Diehl); BGH v. 20.2.2001 – VI ZR 179/00 – BB 2001, 907 = DAR 2001, 297 = NZV 2001, 258 = r+s 2001, 527 = SP 2001, 188 = VersR 2001, 1167 = zfs 2001, 248; BGH v. 31.10.2000 – VI ZR 198/99 – ArztR 2001, 220 = BB 2001, 68 (nur Ls.) = BGHReport 2001, 54 = BGHZ 145, 358 = DAR 2001, 121 (nur Ls.) = MDR 2001, 164 = MedR 2001, 365 = NJW 2001, 885 = PVR 2001, 246–249 (nur Ls., Anm. Schröder) = r+s 2002, 40 = VersR 2001, 108; BGH v. 28.3.1985 – III ZR 20/84 – VersR 1985, 642 = zfs 1985, 260 (nur Ls.).
[454] BGH v. 20.2.2001 – VI ZR 179/00 – BB 2001, 907 = DAR 2001, 297 = NZV 2001, 258 = r+s 2001, 527 = SP 2001, 188 = VersR 2001, 1167 = zfs 2001, 248.
[455] BGH v. 17.2.2004 – VI ZR 429/02 – NJW 2004, 1654 = NJW-Spezial 2004, 66 = NZV 2004, 239 = r+s 2004, 306 = SP 2004, 150 = VersR 2004, 656 = zfs 2004, 306 (Anm. Diehl); BGH v. 8.5.2001 – VI ZR 208/00 – DAR 2001, 396 = NZV 2001, 466 = r+s 2001, 463 = SP 2001, 259 = VersR 2001, 1255 = zfs 2001, 351 (Nur bei alternativer Haftung, nicht aber bei Gesamtschuldnern); BGH v. 19.2.1991 – VI ZR 165/90 – BB 1991, 721 = DB 1991, 2183 = MDR 1991, 1144 = NJW-RR 1991, 976 = VersR 1991, 475 = zfs 1991, 190 (Ausreichend ist jeglicher Meinungsaustausch über den Schadenfall, Entgegenkommen muss nicht signalisiert sein); BGH v. 26.1.1988 – VI ZR 120/87 – BB 1988, 570 = NJW-RR 1988, 730 = VersR 1988, 718; BGH v. 20.6.1969 – VI ZR 21/68 – VersR 1969, 857, 997; OLG Hamm – SchiffObGer v. 3.11.1998 – 27 U 220/98 BSch – NZV 1999, 334; OLG Hamm v. 19.3.1997 – 13 U 190/96 – NJW-RR 1998, 101 = NZV 1998, 24; OLG Nürnberg v. 29.10.1976 – 6 U 26/76 – VersR 1977, 382 (nur Ls.) (Kein Meinungsaustausch und damit keine Hemmung, wenn Geschädigter nach Übersendung des Anspruchstellerfragebogens es unterlässt, diesen an den Versicherer zurück zu senden). Ähnlich: KG v. 13.2.1969 – 12 W 725/69 – VersR 1969, 999.
[456] BGH v. 19.12.2006 – VII ZR 194/05 – BauR 2007, 380 = BGHReport 2007, 145 = MDR 2007, 331 = NJW 2007, 587 (Anm. Neuenfeld) = NW-Spezial 2007, 118 = VersR 2007, 700; BGH v. 17.2.2004 – VI ZR 429/02 – NJW 2004, 1654 = NJW-Spezial 2004, 66 = NZV 2004, 239 = r+s 2004, 306 = SP 2004, 150 = VersR 2004, 656 = zfs 2004, 306 (Anm. Diehl); OLG Köln v. 8.5.1998 – 19 U 210/97 – HVBG-Info 1999, 1618 = OLGR 1998, 249 = SGb 19999, 133 (nur Ls.) = VersR 1998, 1307 (BGH hat die Revision nicht angenommen, ...

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