Was kann nicht durch Betriebsvereinbarungen geregelt werden?
BV muss Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers wahren
Die Betriebsparteien sind beim Abschluss von Betriebsvereinbarungen gemäß § 75 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BetrVG zur Wahrung der durch Art. 2 Abs. 1 GG geschützten allgemeinen Handlungsfreiheit der Arbeitnehmer verpflichtet.
Sie dürfen diese nur beschränken, wenn die getroffene Regelung zur Erreichung ihres Zwecks geeignet, erforderlich und verhältnismäßig ist (Schutzkleidung, Wahrung von Betriebsgeheimnissen).
Beispiel: Dementsprechend belastet eine Regelung in einer Betriebsvereinbarung, die von den Arbeitnehmern bereits während des Kündigungsschutzprozesses die gerichtliche Geltendmachung von Annahmeverzugsansprüchen verlangt, die vom Ausgang des Kündigungsschutzprozesses abhängen, die Arbeitnehmer unverhältnismäßig und ist unwirksam (BAG, Urteil v. 12.12.2006, 1 AZR 96/06).
Privatsphäre der Arbeitnehmer respektieren
Eingeschränkt ist die Regelungsbefugnis der Betriebsparteien auch insoweit, als die Betriebspartner nicht regeln dürfen, wie die Arbeitnehmer ihr Leben außerhalb des Betriebes verbringen und grundsätzlich nicht in ihre Privatsphäre eindringen dürfen.
Beispiel: So wäre etwa ein Krankenbesuch der Mitarbeiter in deren Privatwohnung ein Eindringen in deren deren Privatsphäre und stelle einen erheblichen Eingriff in deren Persönlichkeitsrechte dar (LAG Rheinland-Pfalz, Beschluss v. 29.06.2006, 11 TaBV 43/05).
Auch die Kontrolle des privaten Mailverkehrs vom betrieblichen Rechner ist grundsätzlich unzulässig.
Hintergrund:
Die Regelung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen ist nach Art. 9 Abs. 3 GG Sache der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften.
Daher verbietet es § 77 Abs. 3 BetrVG grundsätzlich, Arbeitsentgelte und sonstige Arbeitsbedingungen, die schon durch einen fachlich und räumlich zutreffenden Tarifvertrag geregelt sind oder üblicherweise geregelt werden, durch eine Betriebsvereinbarung zu regeln (Tarifvorbehalt).
Das gilt auch, wenn der Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist oder wenn eine Verbesserung der tariflichen Regelung für die Arbeitnehmer beabsichtigt ist.
-
Personalgespräch - Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers
1.3841
-
Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers
798
-
Worauf ist bei Abmahnungen zu achten?
693
-
Mutterschutzlohn: Anspruch und Berechnung im individuellen Beschäftigungsverbot
693
-
Rolle des Integrationsamts bei Kündigung schwerbehinderter Menschen
6541
-
Wenn Arbeitnehmer die Kündigungsfristen nicht einhalten
476
-
Krankmeldung aus dem Ausland: Welche Vorgaben sind zu beachten?
413
-
Tod des Arbeitnehmers: Vergütungs- und Zahlungsansprüche im Todesfall
388
-
Arbeitsrechtliche Ermahnung – Rechtswirkung und typische Einzelfälle
364
-
Ist das Ausrutschen auf der betrieblichen Toilette ein Arbeitsunfall?
330
-
Krankmeldung aus dem Ausland: Welche Vorgaben sind zu beachten?
01.04.2026
-
Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers
27.03.2026
-
Kryptowährung als Arbeitsentgelt ist zulässig
22.12.2025
-
Skiunfall ist kein Arbeitsunfall
01.12.2025
-
Kündigung nach online erworbener AU-Bescheinigung ohne ärztliche Untersuchung
18.11.2025
-
Sturz beim Kaffeeholen kann Arbeitsunfall sein
06.10.2025
-
Meldestelle für Hinweisgeber mitbestimmungspflichtig
12.09.2025
-
Worauf ist bei Abmahnungen zu achten?
19.08.2025
-
100.000 EUR für Jurastudenten wegen Kündigung des Aushilfsjobs
30.07.2025
-
Misslungener Zeugenbeweis für den Zugang einer Kündigung
10.07.2025