Straubs Seitenblick

Ein Abschiedsgruß für das Weltwirtschaftsforum


Straubs Seitenblick: WEF verliert für HR an Relevanz

Was bewegt die HR-Community? Reiner Straub, Herausgeber des Personalmagazins, widmet sich in seiner Serie aktuellen Themen. In dieser Folge blickt er auf das Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos – aus Sicht von HR. 

Das 1971 gegründete Weltwirtschaftsforum (WEF) hatte sich zum Ziel gesetzt, die Eliten aus Wirtschaft und Politik zu versammeln, um die globalen Probleme zu lösen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. In den ersten Jahrzehnten gelang das nur bedingt, doch im vergangenen Jahrzehnt standen mit Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Armutsbekämpfung und Zukunft der Arbeit Themen auf der Tagesordnung, die gesellschaftlich angesagt waren. 2020 wurde im Davoser Manifest sogar ein Bekenntnis des WEF zum Stakeholder-Kapitalismus formuliert, was die Anziehungskraft des Forums für HR-Leader steigerte. Im Umfeld des Forums entstanden interessante Job-Studien, die breit diskutiert wurden.

WEF als Ego-Show für Trump

Diese Zeit ist nun vorbei. Die neue Führungsriege des WEF setzt andere Akzente. In diesem Jahr haben sie alles dafür getan, dass der amerikanische Präsident Donald Trump nach Davos reist. Dieser sollte das Forum vor dem Bedeutungsverlust bewahren. Trump nutzte die Gelegenheit und machte aus dem WEF eine große Ego-Show, zu der mehr Leute als jemals zuvor kamen. Auch die öffentliche Aufmerksamkeit explodierte. Schon im Vorfeld hatte Trump durch seine Grönland-Pläne die Europäer aufgewiegelt und die Spannung auf seine Rede erhöht.

Trump hat wohl nicht damit gerechnet, dass er damit eine Gegenbewegung in Gang setzte, die auf dem Forum an Fahrt gewann. Der kanadische Premierminister Mark Karney thematisierte in einer großen Rede den "Bruch" der bisherigen Weltordnung und forderte, dass sich die Mittelmächte verbünden müssen. Erstaunlicherweise gab es auch einige Unternehmer, die sich mit den Europäern solidarisierten und mehr Unabhängigkeit von den USA forderten. Dazu gehörte beispielsweise SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig. Annett Meiritz sprach im Handelsblatt vom "westlichen Widerstand", der sich erstmals gegen Trump organisierte.

Auswirkungen von KI werden stiefmütterlich behandelt

Natürlich spielte Künstliche Intelligenz, das als Highlight-Thema des WEF geplant war, eine wichtige Rolle. Viele CEOs und Experten präsentierten ihre Wachstums- und Transformationsfantasien. Die Auswirkungen auf Jobs und die Arbeitswelt wurden zwar gestreift, aber doch stiefmütterlich behandelt. Im Unterschied zu früher wurde hier kaum in den Erkenntnisgewinn investiert. Das Executive Briefing "How AI ist Changing Early Careers", das zum Forum erschien, basiert auf einer PWC-Studie aus dem Vorjahr, die ein paar Spotlights auf die Auswirkungen von KI auf Berufseinsteiger wirft. Drei Erkenntnisse:

  1. Über alle Länder hinweg berichten Berufseinsteiger, dass sie vorwiegend neugierig (47 Prozent) und begeistert (38 Prozent) auf KI blicken, Sorgen äußern lediglich 29 Prozent. Diese Gesamtbilanz deutet auf Offenheit statt Angst hin.
  2. Als Gründe für ihren Optimismus nennen die Berufseinsteiger die Schaffung neuer Arten von Jobs, Produktivitätssteigerungen durch die Ergänzung repetitiver Aufgaben und die verbesserte Kompetenzentwicklung. Sorgen bereiten ihnen die Gefahren des Jobverlusts, der Mangel an Vorbereitung und Unterstützung bei der Anpassung an Veränderungen und die Zunahme von Ungleichheit. 
  3. Besonders erwähnenswert: Im internationalen Vergleich liegen die Berufseinsteiger in Deutschland mit ihren Werturteilen im Mittelfeld. Bei den Sorgen liegen sie international nicht an der Spitze, auch ihre Neugier kann sich sehen lassen.

WEF verliert für HR an Relevanz

In den großen Panels des Weltwirtschaftsforums waren diese Themen allerdings nicht verankert, einzelne CEOs sprachen sie an. Hsun Huang, CEO des weltweit größten KI-Chip-Herstellers Nvidia, verbreitete Optimismus, dass KI viele neue Jobs schaffen werde – das war wenig überraschend, passt die Botschaft doch zu seinem Geschäftsinteresse. Verlässliche Prognosen und Studien bot das Weltwirtschaftsforum 2026 nicht, das wird sich vermutlich so schnell nicht ändern. Bei den Eliten in Wirtschaft und Politik sind HR-Themen auf der Agenda nach unten gerutscht. Für HR-Leader jedenfalls verliert das Weltwirtschaftsforum an Relevanz.


Über den Autor:  Reiner Straub ist Herausgeber des Personalmagazins und schreibt über die Themen Management, Human Resources, Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarkt und Bildung. Er führt Gespräche mit Meinungsbildnern aus der Unternehmenspraxis, der HR-Szene und der Wissenschaft und beobachtet die Marktentwicklung.


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