Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, sich widerstandsfähig gegenüber äußeren Belastungen und Krisensituationen zu zeigen und diese ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich verformen zu lassen und dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Der resiliente Mensch gleicht also einem Stehaufmännchen, das sich immer wieder aufrichtet, auch wenn es durch Krisen umgestoßen wird. Damit ist der Begriff Resilienz weiter gefasst, als der Begriff Stressmanagement. In einigen Konzepten wird Resilienz auch noch weiter gefasst: Es geht nicht nur darum, nach Krisen zur vorherigen Form zurückzufinden, sondern durch schwierige Situationen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Der Begriff "organisationale Resilienz" wird in Abgrenzung zur individuellen Resilienz verwendet und bezieht sich immer auf die Ebene einer Organisation, also z. B. eines Unternehmens oder einer öffentlichen Verwaltung. Das Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt" beinhaltet auch den Bereich der "Organisationalen Resilienz". Hier wird der aktuelle Forschungsstand zur organisationalen Resilienz vorgestellt. Eine resiliente Organisation kann – nach der Definition des BAuA-Berichts – die Funktionalität im Hinblick auf bestimmte Ergebnisse aufrechterhalten oder nach einer Störung schnellstmöglich wiederherstellen.

Abb. 15: Stadien der Resilienzförderung[1]

Um gesunde Arbeitsbedingungen für die Belegschaft zu schaffen und die Funktionsfähigkeit und Produktivität des gesamten Unternehmens auch in Krisenzeiten (z. B. Corona-Pandemie) zu erhalten, sollten Unternehmen beide Aspekte der Resilienz bewusst fördern. Zum Bereich der individuellen Resilienz bieten sich Seminare und Workshops für die Belegschaft an. Das Thema der organisationalen Resilienz gehört auf die Ebene der Unternehmensleitung und der Führungskräfte.

 
Wichtig

Resilienz kann nicht gelehrt werden

Um die Resilienz von einzelnen Menschen oder Unternehmen auszubauen, genügen keine einmaligen Seminare. Das Entdecken und Stärken von Ressourcen sowie die Vorbereitung auf mögliche Krisen benötigt Zeit und ein hohes Maß an kritischer (Selbst-)Reflexion. Auf individueller Ebene geht es um eine Persönlichkeitsentwicklung, auf Ebene der Organisation um Unternehmensentwicklung.

Es gibt auch für die Anwendung des Begriffs Resilienz auf Organisationen und andere Einheiten keine allgemeingültige Definition. Der Bericht der BAuA benennt 2 Themenfelder: das sog. ""resilience engineering", das eine sichere Arbeitsorganisation unter schwankenden Bedingungen zum Ziel hat, und andererseits das Feld der "ganzheitlichen Produktionssysteme", das primär auf Wirtschaftlichkeit abzielt." Gerade das Themenfeld des "resilience engineering" ergibt viele Anknüpfungspunkte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Sinne einer menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Folgende Faktoren des "resilience engineering", die eine Sicherheit gegenüber Kontrollverlust in unerwarteten Situationen fördern, werden besonders intensiv diskutiert:

  • unterstützende Vorgaben der Führungsspitze,
  • Bereitstellung von angemessenen Ressourcen,
  • Handlungsflexibilität,
  • Transparenz,
  • kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

Sehr hilfreich ist auch das vorgestellte Rahmenmodell zu den verschiedenen Phasen der Resilienzförderung in Organisationen. Hier werden jeweils unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen, je nach dem Zeitpunkt der Maßnahme im Verhältnis zum Auftreten der Störungen im Unternehmen. Am sinnvollsten sind natürlich präventive Maßnahmen, die durch das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen das Auftreten einer Krise möglichst verhindern.

Abb. 16: Rahmenmodell für die Phasen der Resilienzförderung in Organisationen

In den USA wird der Resilienzbegriff schon länger auf Teams, Organisationen und ganze Unternehmen angewandt. Entsprechende Programme haben dort inzwischen auch Eingang in Schule, Studium, Ausbildung, Militär und Management-Trainings gefunden.

 
Praxis-Beispiel

US Army

In den USA hat ein Teil der Armee (New York National Guard) ein Resilienzprogramm für Soldaten implementiert. Es wird davon ausgegangen, dass Soldaten nicht nur ein hohes Ausmaß an körperlicher Fitness benötigen, sondern auch mental und spirituell fit sein müssen. Das Programm "Comprehensive Soldier Fitness" soll innerhalb von 6 Monaten den Umgang der Soldaten mit Stress und Herausforderungen verbessern. Dies wird als Teil eines professionellen Umgangs mit den besonderen Belastungen dieses Berufsfelds betrachtet.

Angesichts der im Rahmen der Globalisierung andauernden Veränderungen im Wirtschaftsleben ist das Thema Resilienz auch für die Wirtschaft hochinteressant geworden. Wie werden Unternehmen mit ständigen Umstrukturierungen, Entlassungswellen oder finanziellen Engpässen fertig? Verfügen die Betriebe über ein hohes Maß an Resilienz, wird es ihnen nach einer...

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