Arbeitszeugnis: Formelle Anforderungen

Zusammenfassung

 

Überblick

Eine Vielzahl von Streitigkeiten über Arbeitszeugnisse dreht sich nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Form. Dabei geht es nicht nur um Schreibfehler oder verschmutztes Papier, sondern auch darum, ob ein Zeugnis gefaltet werden darf.

Die nachfolgenden Ausführungen können dabei helfen, Stolperfallen zu umgehen und unsinnige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, indem sie die Anforderungen an die äußere und innere Form eines Zeugnisses darstellen.

1 Die äußerliche Form des Zeugnisses

Das Zeugnis ist schriftlich zu erteilen. Die elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen, § 109 Abs. 3 GewO, § 16 Abs. 1 Satz 2 BBiG.

Nach der Verkehrssitte ist es üblich, dass das Arbeitszeugnis maschinenschriftlich bzw. per PC erstellt wird. Ein unsauber geschriebenes Zeugnis (Flecken, Durchstreichung, Radierung usw.) kann vom Arbeitnehmer zurückgewiesen werden. Das Zeugnis muss auf Geschäftspapier (Firmenbogen) ausgestellt werden, wenn der Arbeitgeber Geschäftspapier besitzt und im Geschäftsverkehr verwendet.[1] Dabei darf das Anschriftenfeld nicht ausgefüllt sein.

Das Zeugnis ist vom Arbeitgeber oder seinem Vertreter im Original zu unterzeichnen. Dabei darf die Unterschrift nicht "verstellt" sein, sie muss so aussehen, wie alle anderen Unterschriften des Unterzeichnenden, damit aus dieser selbst erkennbar ist, wer das Zeugnis unterschrieben hat.[2]

Nach Auffassung des LAG Hamburg hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein ungeknicktes Zeugnis, weil sich aus den "Knickfalten" ergebe, dass das Zeugnis per Post übersandt wurde. Der Leser eines solchen genickten Zeugnisses könnte dann daraus den Schluss ziehen, dass das Arbeitsverhältnis derart belastet gewesen sei, dass der Arbeitnehmer das Firmengelände nicht mehr habe betreten dürfen und ihm deshalb das Zeugnis übersandt worden wäre. Das LAG Schleswig-Holstein hat den Anspruch auf ein ungeknicktes Zeugnis verneint.

Das BAG hat diese Diskussion beendet: Ein Zeugnis darf gefaltet werden, um es in einen Briefumschlag kleineren Formats unterzubringen; allerdings ist darauf zu achten, dass dies beim Kopieren des Originals nicht auffällt. Nach Ansicht des LAG Rheinland-Pfalz stellt auch die Tatsache, dass das Zeugnis zum Zwecke der Zusendung gefaltet und getackert wurde, keinen versteckten Hinweis auf eine Unzufriedenheit mit dem Arbeitnehmer dar.[3]

Dass das Zeugnis frei von Rechtschreibfehlern sein sollte, ist zwar selbstverständlich, führt aber auch gelegentlich zu Auseinandersetzungen vor den Arbeitsgerichten. Das LAG Hessen hat beispielsweise entschieden, dass Schreibfehler dann zu korrigieren seien, wenn diese negative Auswirkungen für den Arbeitnehmer haben könnten.[4]

Im Übrigen werfen Schreibfehler kein besonders gutes Licht auf den Aussteller, sodass schon aus diesem Grund auf ein ordentliches Schriftbild und eine fehlerfreie Formulierung geachtet werden sollte. Äußere Mängel wie Flecken, Streichungen, Textverbesserungen oder Ähnliches sind ebenso zu vermeiden.

Bisher noch nicht entschieden ist die Frage, in welcher Landessprache ein Zeugnis zu erstellen ist. Jedenfalls soweit ein Zeugnis für eine Tätigkeit in Deutschland ausgestellt werden soll, besteht auch grundsätzlich lediglich ein Anspruch auf ein deutschsprachiges Zeugnis, denn hierzulande ist die Gerichtssprache Deutsch. Hinzu kommt, dass im anglo-amerikanischen Bereich und auch beispielsweise in Frankreich, Zeugnisse im deutschen Sinne nicht bekannt sind. Dort arbeitet man allenfalls mit "letters of reference" oder Empfehlungsschreiben, die mit Zeugnissen in der bei uns bekannten Form nicht vergleichbar sind. Nur wenn die offizielle und tatsächliche Unternehmenssprache nicht Deutsch, sondern beispielsweise Englisch ist, könnte man der Auffassung sein, dass ein Anspruch auf ein Zeugnis in englischer Sprache besteht.

 

Achtung

Der erste Eindruck zählt

Das Arbeitszeugnis wird im Rahmen von Bewerbungsunterlagen Dritten vorgelegt. Die Leser des Zeugnisses werden über die Äußerlichkeiten nicht nur auf den Arbeitnehmer, sondern auch auf den Aussteller des Zeugnisses schließen, weshalb man schon aus diesem Grund darauf achten sollte, dass auch die äußere Form einwandfrei ist.

2 Die inhaltliche Form des Zeugnisses

Der Inhalt des Zeugnisses wird gegliedert in

  • Namen des Arbeitnehmers
  • Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis: Leistungs- und Verhaltensbeurteilung
  • Bei einem vorläufigen und bei einem Endzeugnis das Ausscheidensdatum
  • Datum des Ausstellung
  • Unterschrift des Arbeitgebers

Außer Namen, Vornamen und akademischem Grad ist auf Verlangen des Arbeitnehmers – und auch nur dann – das Geburtsdatum und Geburtsort aufzunehmen, um Verwechslungen bei Namensgleichheit auszuschließen. Weiter muss die Anschrift des Arbeitnehmers vermerkt sein.

 

Hinweis

Gendergerechte Sprache

Es besteht keine allgemeine gesetzliche Verpflichtung, Formulierungen in einem Arbeitszeugnis zu gendern.

Der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist anzugeben, der Grund für die Beendigung aber nicht.[1] Dies ergibt sich bereits aus § 109 GewO, der ausführt, dass ...

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