Kompetenzmanagement

Zweifel an Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen


Zweifel an Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen

HR-Professionals glauben nicht, dass die Skills ihrer Mitarbeitenden für das KI-Zeitalter ausreichen; auf der anderen Seite bezweifeln Beschäftigte, dass Unternehmen in Deutschland über die nötigen Kompetenzen verfügen, um wirtschaftlich führend zu bleiben. Deshalb wäre es sinnvoll, die vorhandenen und geforderten Fähigkeiten systematisch zu erfassen.

Künstliche Intelligenz (KI) hat eine radikale Transformation des Arbeitsmarkts angestoßen. Und sowohl der "Global Skills Intelligence Survey 2025" von Skillsoft  als auch eine repräsentative Umfrage von Pinktum zeigen: Weder HR-Verantwortliche noch die Beschäftigten selbst haben großes Vertrauen, dass Unternehmen und ihre Belegschaft darauf ausreichend vorbereitet sind.

Führungskräfte stellen Defizite fest

Für den "Global Skills Intelligence Survey 2025" hat das US-amerikanische Ed-Tech-Unternehmen Skillsoft zwischen Mai und Juli diesen Jahres 1.000 Personen aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Australien befragt, die im Personalmanagement oder in der Personalentwicklung tätig sind. Das zentrale Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten sieht eine wachsende Lücke zwischen den vorhandenen Fähigkeiten in ihren Teams und den Kompetenzen, die für den digitalen und technologischen Wandel notwendig wären.

Tatsächlich sind nur 10 Prozent der Befragten voll davon überzeugt, dass ihre Belegschaft in den nächsten zwölf bis 24 Monaten die Unternehmensziele erreichen kann. Dabei gaben 41 Prozent an, dass ein Widerwille gegen Veränderung als größte Hürde für die Implementierung von KI sei. 28 Prozent beklagen einen Mangel an technischer KI-Expertise und ebenfalls 28 Prozent berichten, dass Kompetenzlücken die Möglichkeit einschränken, als Unternehmen neue Märkte oder Chancen zu erschließen. Fast eine von drei befragten Personen gaben an, dass rund die Hälfte der Neueingestellten bereits mit kritischen Kompetenzlücken einsteigen. Gleichzeitig fürchten 37 Prozent der Teilnehmenden, dass sie ihre besten Mitarbeitenden an die Konkurrenz verlieren könnten, weil diese bessere Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Zwar investieren viele Unternehmen in Weiterbildungsangebote – doch oft bleibt unklar, wie effektiv und zielgerichtet diese wirklich sind. 85 Prozent der Befragten haben zwar Weiterbildungsprogramme in ihrem Unternehmen, aber nur 20 Prozent glauben, dass diese zu ihren Unternehmenszielen passen. Als häufigste Hürden für Weiterbildung nennen sie eine geringe Beteiligung der Mitarbeitenden (42 Prozent) und fehlende Zeit zum Lernen (41 Prozent).

Beschäftigte zweifeln an Zukunftsfähigkeit

Laut der Skillsoft-Studie glauben zudem 91 Prozent der Personalverantwortlichen, dass die Mitarbeitenden ihre Kompetenzen überschätzen – insbesondere in den Bereichen Leadership, KI und Technik. Doch eine repräsentative Umfrage von Pinktum, deren Ergebnisse der "Wirtschaftswoche"  exklusiv vorlagen, zeigt ein anderes Bild. Demnach sind sich Beschäftigte der Probleme bewusst: Fast jede zweite der rund 1.500 befragten Personen bezweifelt, dass Deutschland über diese nötigen Kompetenzen verfügt, um im KI-Zeitalter wirtschaftlich führend zu bleiben. Vor allem jüngere Beschäftigte sind skeptisch: Während 58 Prozent der Befragten über 60 an die wirtschaftliche Stärke des Landes glauben, teilt diesen Optimismus weniger als die Hälfte der Personen unter 30 Jahren.

Obwohl sich 90 Prozent der Beschäftigten theoretisch offen dafür zeigen, neue Fähigkeiten zu erlernen, kommen viele nicht ins Handeln. Mehr als ein Drittel hat sich noch nicht einmal Gedanken darüber gemacht, welche Kompetenzen sie künftig brauchen und nur weniger als vier Prozent verfügen über einen konkreten Plan, wie sie diese Fähigkeiten entwickeln wollen.

Kompetenzen sichtbar machen

Laut der Pinktum-Studie fühlen sich zudem fast 30 Prozent der Führungskräfte selbst von den bevorstehenden Veränderungen durch KI überfordert. Eine große Herausforderung ist dabei, dass viele nicht einmal wissen, an welchen Stellen Kompetenzen fehlen und entwickelt werden müssen: Laut der Skillsoft-Studie messen nur 18 Prozent der Personalverantwortliche die Kompetenzen ihrer Belegschaft regelmäßig im Verlauf der Talententwicklung. Für alle anderen könnte ein strategisches Skill Management  ein sinnvoller erster Schritt sein, um die Kompetenzlücken zu schließen. 

Die Personalmarktforschung Index Research hat mit dem KI-Kompetenzmonitor kürzlich ein kostenfreies Tool gelauncht, das umfassende Einblicke zur Nachfrage nach künstlicher Intelligenz am deutschen Arbeitsmarkt liefert. Interessierte können auf einem interaktiven Dashboard gezielt filtern: Sie können sich anzeigen lassen, welche Branchen, Berufsgruppen und Regionen explizit nach Mitarbeitenden mit KI-Kompetenzen suchen, welche Firmen die meisten Stellen für KI-Spezialistinnen und -Spezialisten ausschreiben und welche Technologie-Kenntnisse Arbeitgeber konkret erwarten. Das Tool hilft Weiterbildungsanbietern dabei, ihre Programme an die gefragtesten KI-Skills anzupassen, Wirtschaftsförderungen und Fachkräfteinitiativen können ihr Beratungsangebot darauf ausrichten und Personalverantwortliche ihre Recruiting-Strategien optimieren. Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen, sind gut beraten, eine ähnlich systematische Erfassung der vorhandenen und geforderten Kompetenzen umzusetzen – denn erst, wenn klar ist, welche konkreten Fähigkeiten sie brauchen, können sie Lernangebote priorisieren und Ressourcen effizient einsetzen.


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