Wie Recruiting und Lernen zusammenwachsen
Die Zeiten, in denen Unternehmen aus einem Überangebot an passenden Bewerbungen wählen konnten, sind vorbei. Heute ist Flexibilität gefragt. 2025 wird das erste Jahr sein, in dem mehr Beschäftigte in Rente gehen, als nachrücken werden – ein echter Paradigmenwechsel. Parallel werden in vielen Organisationen radikal Stellen abgebaut, während in anderen Bereichen händeringend nach Personal gesucht wird.
Mit Skill-basiertem Recruiting Potenziale heben
Dabei fällt aus Recruiting-Perspektive immer stärker auf: Viele Bewerbungen stammen von Personen, die auf den ersten Blick nicht hundertprozentig zum Anforderungsprofil passen. Doch wer weiterhin nur klassische Hard Facts wie Zeugnisse und ehemalige Arbeitgeber prüft, läuft Gefahr, wertvolle Potenziale zu übersehen – Potenziale, die durch gezieltes Re- und Upskilling gehoben werden könnten.
Der Trend geht daher zu einem Skill-basierten Recruiting, das auf den Kompetenzen und Potenzialen der Kandidatinnen und Kandidaten basiert. Eine intelligente Vernetzung zwischen in- und externer Personalbeschaffung mit den hauseigenen Personalentwicklungsabteilungen ist hierbei entscheidend. Geschieht dies mithilfe moderner Matching- und Pooling-Lösungen, lassen sich zielgerichtet neue Kandidatenquellen erschließen.
Kompetenzen statt Lebensläufe als Fokus im Recruiting
Skill-basierte Ansätze ermöglichen es, auch Quereinsteiger oder Talente mit unkonventionellen Lebensläufen zu berücksichtigen. Denn diese bringen oft Kompetenzenmit, die sich durch gezielte Weiterbildungen so entwickeln lassen, dass sie für offene Vakanzen berücksichtigt werden können. Die Schnittstelle zwischen Recruiting und Learning & Development (L&D) wird damit zum strategischen Erfolgsfaktor: Wer beides eng verzahnt, kann den Talent Pool signifikant erweitern und die eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Talent Pools (intern wie extern) gewinnen deshalb enorm an Bedeutung. Sie bieten die Möglichkeit, Kandidatinnen und Kandidaten durch gezielte Karriereplanung langfristig zu binden und für künftige Bedarfe zu bevorraten. Doch die klassischen Talentprogramme gängiger HR-Suiten sind oftmals sehr komplex, zu kostspielig oder stoßen im Customizing an ihre Grenzen – zumal häufig eine Diskrepanz zu den hauseigenen Führungskräfteprogrammen besteht.
Dies führt inhaltlich und strukturell zu der Frage: Was bedeutet "Talent" für mein Unternehmen? Gilt diese Definition übergreifend für alle Positionen, oder muss sie für jede Position neu gedacht werden? Ist Talent eigentlich nur im Zusammenspiel mit den Führungskräfteentwicklungsprogrammen zu finden, oder sollten Potenziale auch in der breiteren Masse gesucht und gefördert werden? Moderne HR-Strategien setzen genau hier an und nutzen innovative Technologien, um Talente systematisch und positionsspezifisch zu identifizieren und weiterzuentwickeln.
KI und Automatisierung als Enabler der Veränderung
Genau wie die Notwendigkeit, stärker auf Fähigkeiten, statt ausschließlich auf Lebensläufe zu achten, sind auch Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie sind Realität und können, richtig eingesetzt, entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen. KI-gestützte Tools übernehmen heute einen Großteil der zeitaufwändigen Routineaufgaben: Sie analysieren Lebensläufe in Sekundenschnelle, führen semantische Matching-Algorithmen durch und filtern Bewerbungen nicht nur nach Hard Skills, sondern auch nach Soft Skills und kultureller Passung.
Richtig trainiert können derartige Tools sehr effizient in der Talentstrategie eingesetzt werden, sowohl im Matching-Prozess als auch für das Talent Pooling. Denn hier gilt: ein Talent Pool ist immer nur so gut, wie er auch aktiv bespielt wird. Mit den Personen im Pool beständig und dauerhaft in Kontakt zu bleiben, ist entscheidend, um erfolgreich Besetzungen aus dieser Kandidatenquelle vorzunehmen. Ein sinnvoller Einsatz von HR-Tech-Lösungen ist nicht nur kosteneffizient, sondern auch zeitsparend, wodurch sich das Recruiting auf den Aufbau von Beziehungen zu Kandidatinnen und Kandidaten sowie Fachbereichen konzentrieren kann.
Software für Recruiting und Talent Management
Etablierte HR-Suiten wie Workday oder SAP Sucessfactors bieten heute schon umfassende Funktionen für das Talent Management – von der Bewerberverwaltung über das Skill-Management bis hin zur internen Mobilität. Sie setzen zunehmend auf KI, um Matching, Skill-Analysen und interne Entwicklungspfade zu automatisieren und zu optimieren.
Um auch externe Talent Pools nachhaltig aufzubauen und zu pflegen, lassen sich wiederum explizite Talent-Relationship-Management-Plattformen wie My Veeta einsetzen. Derartige Lösungen fokussieren sich auf automatisierte Kommunikation und Algorithmus-gesteuertes Matching, um Talente auch langfristig im Blick zu behalten und passende Personen schnell zu identifizieren.
Auch für den "ganz normalen" Recruiting-Alltag gibt es intelligente Helfer, die sich längst etabliert haben: Programme wie Chat GPT oder Perplexitiy können durch effizienten Einsatz für eine enorme Zeit- und Kostenersparnis sorgen. Durchdachte Prompts können beispielsweise bei der Erstellung standardisierter Briefing-Vorlagen, individueller Kompetenzmatrizen oder Skill-basierter Interview-Leitfäden helfen.
Wer noch intelligenter arbeiten will, kann darüber hinaus auf spezialisierte Software wie Empion oder Luksit zugreifen, die über eine API an die interne HR-Suite angebunden werden. Diese neuen Lösungen bewerten Bewerbungen bereits im Screening-Prozess sowohl auf Skill- als auch auf Kulturebene und matchen sie automatisiert auf offene Stellen im System. Vorabfilter sorgen dafür, dass nicht nur die "perfekten" Lebensläufe, sondern auch verborgene Talente und Quereinsteiger eine Chance erhalten. Sind diese Systeme intelligent mit der Kompetenzmatrix und den Anforderungsanalysen aus dem Talent Pool verknüpft, lassen sich so innerhalb kurzer Zeit Personen matchen, die ansonsten möglicherweise durch das Raster gefallen wären.
Doch so leistungsfähig KI auch ist: Echte Empathie und Fingerspitzengefühl bleiben menschliche Domänen. Die kluge Kombination aus datenbasierter Vorauswahl und persönlicher Einschätzung wird in Zukunft den Unterschied machen. KI wird zum Verstärker, nicht zum Ersatz für Recruiterinnen und Recruiter.
Recruiting und L&D: Vom Silo zur Symbiose
Die Zukunft gehört Unternehmen, die Recruiting und L&D nicht länger als getrennte Silos betrachten. Skill-basierte Ansätze erfordern, dass Talente nicht nur nach aktuellen, sondern auch nach entwickelbaren Kompetenzen ausgewählt werden. Das bedeutet: Bereits im Recruitingprozess muss evaluiert werden, welche Skills durch gezielte Weiterbildungen aufgebaut werden können und wie die individuelle Entwicklung gestaltet wird. KI-gestützte Systeme liefern hierfür die Datenbasis und unterstützen bei der Identifikation von Entwicklungspotenzialen, die mithilfe der Weiterbildungsprogramme aus den internen L&D-Abteilungen gehoben werden.
Klar ist auch: Die Herausforderungen des Arbeitsmarkts werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Skill-basiertes Recruiting, unterstützt durch KI und Automatisierung, ist der Schlüssel, um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten. Unternehmen, die jetzt in moderne Technologien und eine enge Verzahnung von Recruiting und L&D investieren, werden nicht nur schneller und effizienter, sondern auch inklusiver und zukunftsfähiger rekrutieren. Die Zukunft des Arbeitsmarkts liegt im Erkennen und Entwickeln von Fähigkeiten – und KI kann diesen Prozess enorm beschleunigen und verbessern. Entscheidend ist und bleibt, dass wir wissen, wie wir diese Werkzeuge klug und verantwortungsvoll einsetzen.
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