Kompetenzbasiertes Arbeiten

Unternehmen fehlt der Überblick über Kompetenzen


Studie: Unternehmen haben Kompetenzen nicht im Blick

Nur knapp die Hälfte der Führungskräfte in Deutschland hat einen klaren Überblick über die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden – das zeigt eine aktuelle Studie. Mögliche Lösungswege liegen in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz und neuen Talentstrategien.

Viele Organisationen kämpfen weiterhin mit Fachkräftemangel, während Künstliche Intelligenz (KI) ganze Branchen transformiert und neue Anforderungen an Berufstätige stellt. Doch viele Führungskräfte wissen offenbar nicht, welche Fähigkeiten, Skills und Kompetenzen sie bereits im Unternehmen haben.

Kompetenzlücken sorgen für Unsicherheit

In der Studie "Global State of Skills 2025" von Workday gaben nur 54 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte an, einen klaren Überblick über die Kompetenzen in ihrer Belegschaft zu haben. In Deutschland sind es sogar nur 43 Prozent. Gleichzeitig verlieren klassische Qualifikationen wie Abschlüsse und Jobtitel an Bedeutung; der Trend geht zum kompetenzbasierten Arbeiten.

Für die Studie befragte Hanover Research im Auftrag des Softwareherstellers Workday 2.300 Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitenden weltweit. Die Befragung fand im November 2024 statt, die Teilnehmenden kamen aus Nordamerika, Asien-Pazifik, Japan sowie dem EMEA-Raum (Europa, Naher Osten und Afrika), darunter 150 Personen aus Deutschland.

Die Unsicherheit über die vorhandenen Kompetenzen spiegelt sich auch in der Zukunftseinschätzung der Führungskräfte wider: viele sehen ihre Organisation nicht ausreichend gerüstet. Nur 32 Prozent der Befragten global und 35 Prozent in Deutschland sind wirklich überzeugt, dass ihr Unternehmen heute über die Kompetenzen verfügt, die in Zukunft benötigt werden. Fast alle Unternehmen (95 Prozent) arbeiten bereits aktiv daran, durch gezielte Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden die bestehenden Kompetenzlücken zu schließen. Um ihre Mitarbeitenden fit für die Zukunft zu machen, setzen 49 Prozent auf neue Technologien wie KI-gestützte Tools, 46 Prozent investieren gezielt in Coaching- und Mentoring-Programme. Interne Mobilität ist für 44 Prozent eine wichtige Stellschraube.

KI gegen den Fachkräftemangel

Die Befragten prognostizieren zudem, dass qualifizierte Personen auch in Zukunft schwer zu finden sein werden. Laut der Studie fürchten 45 Prozent der Führungskräfte in Deutschland in den kommenden drei Jahren einen erheblichen Fachkräftemangel, im globalen Durchschnitt sind es sogar 51 Prozent. Dabei setzen die Befragten große Hoffnungen in KI: 83 Prozent sowohl in Deutschland als auch weltweit erwarten, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz den Fachkräftemangel abmildern wird. Führungskräfte in Deutschland erhoffen sich vor allem eine verbesserte Entscheidungsfindung dank datenbasierter Erkenntnisse (57 Prozent) sowie bessere Möglichkeiten, um den zukünftigen Kompetenzbedarf vorherzusagen (48 Prozent) und den aktuellen Bedarf an Fähigkeiten darzustellen (47 Prozent). Gleichzeitig bestätigt gut jede fünfte Führungskraft (21 Prozent), dass ihre Organisation sich darin unsicher ist, wie sie KI und Machine Learning am besten einsetzen soll, um Herausforderungen im HR-Bereich zu begegnen.

Als Allheilmittel sehen die Befragten KI jedoch nicht. Zudem schaffe diese auch neue Herausforderungen: Die drittgrößte Kompetenzlücke ihrer Belegschaft sehen die Befragten im Bereich Software- und KI-Kompetenz. Platz eins und zwei belegen ausschließlich menschliche Fähigkeiten: Die größten Kompetenzlücken sehen die Führungskräfte in sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikation, gefolgt von persönlichen Stärken wie Resilienz und Kreativität.

Wandel zum kompetenzbasierten Arbeiten

Immerhin erkennen viele Unternehmen den Handlungsbedarf: 55 Prozent der Befragten weltweit haben bereits angefangen, ihr Unternehmen auf ein kompetenzbasiertes Organisationsmodell umzustellen, weitere 21 Prozent planen den Start innerhalb der nächsten zwölf Monate. Ziel eines kompetenzbasierten Modells ist es laut Studie, die tatsächlichen Fähigkeiten, Skills und Kompetenzen der Beschäftigten in den Mittelpunkt der Personalstrategie zu stellen, statt sich wie im traditionellen Talentmanagements hauptsächlich auf Jobtitel, Abschlüsse und bisherige Arbeitgeber zu fokussieren.

Von einem kompetenzbasierten Modell erhoffen sich Führungskräfte eine Reihe von Vorteilen, wobei die Befragten in Deutschland etwas zögerlicher sind als der globale Durchschnitt. Mit gut zwei Dritteln (69 Prozent) sieht aber immerhin eine deutliche Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland Potenzial im Übergang zu einer kompetenzbasierten Organisation. Weltweit liegt dieser Wert mit 82 Prozent sogar noch deutlich höher. Während im internationalen Durchschnitt 81 Prozent zustimmen, dass der Fokus auf Skills das wirtschaftliche Wachstumspotenzial erhöht, sind es in Deutschland 73 Prozent. 72 Prozent der deutschen Teilnehmenden glauben, dadurch Produktivitätslücken schließen zu können, global sind es 77 Prozent.

Doch Führungskräfte verbinden mit dem neuen Modell nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch soziale: 75 Prozent der Deutschen rechnen mit mehr Chancengleichheit (global 82 Prozent), 67 Prozent erwarten, dadurch die Diversität und Inklusion steigern zu können (global 72 Prozent) und 54 Prozent (global 61 Prozent) halten es für möglich, dass sich dadurch die Arbeitslosenquote reduziert.

Hürden auf dem Weg zur kompetenzbasierten Organisation

Doch der Übergang zur kompetenzbasierten Organisation ist anspruchsvoll: 43 Prozent der Unternehmen nennen den hohen Zeitaufwand für Reskilling als größte Hürde. 38 Prozent kämpfen mit internem Widerstand gegen Veränderungen, 34 Prozent sehen Schwierigkeiten in der strategischen Ausrichtung von Skills-Programmen, und 33 Prozent haben Probleme, Skill-Daten über verschiedene Systeme hinweg zu konsolidieren. 


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