Besucherzuwachs für Zukunft Personal Nord
Ihren diesjährigen Erfolg führen die Messemacher insbesondere auf einen "gut abgestimmten Mix an Inhalten" und auf die vielen Gelegenheiten zum Netzwerken zurück. Geboten wurden 231 Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen auf zwölf in die Messehalle integrierten Bühnen. Viele Präsentationen drehten sich um den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Personalwesen und um den Umgang mit der zunehmenden Unsicherheit angesichts einer schwächelnden Wirtschaft. Es ging ganz konkret um neue Strategien und Softwarelösungen rund um die Themen Führungskräfteentwicklung, Employer Branding, Recruiting, Mitarbeiterbindung, Personalverwaltung sowie physische und mentale Gesundheit.
Keynotes zu Führung, Macht und KI auf der ZP Nord
Zur Attraktivität der Veranstaltung trugen namhafte Keynote-Persönlichkeiten bei. So warnte Cawa Younosi, ehemaliger Deutschland-Personalchef bei SAP und jetzt Geschäftsführer der "Charta der Vielfalt", davor, dass es in der aktuellen Wirtschaftskrise zu einer Renaissance des autoritären Führungsstils kommen könne. Der Rückgriff auf autoritäre Muster sei eine strategische Sackgasse und die falsche Antwort auf komplexe Herausforderungen. Besorgniserregend sei auch, dass die Arbeit im Homeoffice neuerdings immer öfter als weniger wertvoll betrachtet werde. Falsch sei zudem eine Glorifizierung der Vorstandsvorsitzenden als charismatische Heilsbringer. Younosi warnte vor einem "Führerkult light", mit dem eine um sich greifende ökonomische Unsicherheit übertüncht werden solle. Führung brauche heute Netzwerke und keine Helden.
New-Work-Professor Carsten C. Schermuly von der SRH University Berlin forderte im Keynote-Gespräch mit der Redaktion von "personalmagazin - neues lernen" zum Thema "Psychologie der Macht", dass Führungskräfte, die in der Hierarchie aufstiegen, ihre zunehmende Macht dazu nutzen sollten, um ihre Mitarbeitenden weiterzuentwickeln. "Top-Manager sollten sich auch um das Wachstum von Menschen kümmern", sagte Schermuly. Das stärke die Einzelnen und letztlich auch die gesamte Organisation. Der Empowerment-orientierte Führungsstil sorge laut aktueller Studien nachweislich für mehr Arbeitszufriedenheit und mehr Innovationen. Schermuly kritisierte, dass in vielen Unternehmen die Personalprofis seiner Beobachtung nach nicht genügend "Machtressourcen" und Mitgestaltungsrechte hätten, um in Change-Prozessen einen guten Job zu machen.
Wenn KI den Coach ersetzt
Viele Speaker warben mit Fallbeispielen aus der Praxis für den Einsatz von KI in der Personalarbeit und insbesondere der Personalentwicklung. Für die Aus- und Weiterbildung wurden große Veränderungen vorhergesagt, weil jetzt dank KI jedem Lerner gemäß seinem Lerntyp ein individueller Lernweg angeboten werden könne. Auf der Messe wurde ein Roboter-Coach vorgestellt, der mit einem Ratsuchenden einen Dialog in Echtzeit führen kann, ohne dass ein menschlicher Coach an dem Zweiergespräch als "Aufpasser" beteiligt wäre.
Dass beim "KI-Hype" bald mit einer gewissen Ernüchterung zu rechnen sei, diese Meinung vertrat Professor Karlheinz Schwuchow, Hochschullehrer für Global Management an der Hochschule Bremen. In seinem Kamingespräch betonte er, dass die Potenziale von KI unbestritten seien, aber im Personalwesen blieben sie zu oft an der Oberfläche. Schlechte oder einseitige Datensätze führten zu verzerrten Ergebnissen und beinhalteten das Risiko, bestehende Ungleichheiten zu reproduzieren. Er plädierte dafür, dass sich Personalprofis sehr schnell in Sachen Grenzen von KI weiterbilden sollten.
Die Schwestermesse "Zukunft Personal Süd" findet am 6. und 7. Mai 2025 in Stuttgart statt.
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Zum Nachhören: Die Podiumsdiskussion zum Thema "Macht" mit Carsten C. Schermuly im Podcast
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