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KI treibt Nachfrage nach neuen Kompetenzen voran


Skills Economy Report: Nachfrage nach KI-Kompetenzen steigt

Die globale Arbeitswelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Künstliche Intelligenz und grüne Technologien treiben die Nachfrage nach neuen Kompetenzen in rasantem Tempo voran. Der "Skills Economy Report 2026" und der "State of Skills Intelligence Report 2025" zeigen, wie sich gefragte Kompetenzen verschieben – und welche Herausforderungen daraus entstehen.

Die globale "Skills Economy" wird neu vermessen und neu verteilt. Laut aktuellem "Skills Economy Report 2026" von Cornerstone verschiebt Künstliche Intelligenz (KI) die Nachfrage nach Kompetenzen schneller und tiefgreifender als frühere Technologieschübe. Besonders gefragt sind KI- und Machine-Learning-Skills, Nachhaltigkeitskompetenzen sowie Fähigkeiten im Bereich erneuerbare Energien. Gleichzeitig verlieren klassische Routinetätigkeiten deutlich an Bedeutung, etwa Datenerfassung oder einfache Buchhaltung. Der Report ordnet diese Entwicklung als strukturellen Umbau der globalen Arbeitsmärkte ein. Nicht die Zahl der Jobs sinke insgesamt, vielmehr ändere sich ihre Zusammensetzung grundlegend.

Skills Economy Report 2026: KI wird Basiskompetenz

Für den Cornerstone-Report wurden mittels KI in den Jahren 2023 bis 2025 mehr als 28 Terabyte Arbeitsmarktdaten aus über 200 Ländern und Regionen sowie mehr als 50.000 Skills ausgewertet. Dafür wurden unter anderem Online-Stellenanzeigen, berufliche Profile, Lebensläufe, Bildungsprogramme, Unternehmensberichte, Patentdaten sowie amtliche Statistiken berücksichtigt.

Die Zahlen sind beeindruckend: Bei den besonders gefragten Skills wie KI- und Machine-Learning liegt der Zuwachs laut Bericht bei +245 Prozent seit 2023, bei den Nachhaltigkeitskompetenzen bei 180 Prozent. Damit gilt "AI & Machine Learning" erstmals seit einem Jahrzehnt als die weltweit am stärksten nachgefragte Kompetenz und hat klassische Schlüsselqualifikationen wie Kommunikation deutlich überholt. Laut Report diffundieren KI-Kompetenzen in nahezu alle Tätigkeitsfelder. Die Autoren sprechen von einer "AI fluency", also der Fähigkeit, mit KI-Tools produktiv zu arbeiten, als neuer Basiserwartung.

Parallel dazu gefragt sind die sogenannten Soft Skills, die sich nicht automatisieren lassen: Emotionale Intelligenz (+95 Prozent), Resilienz (+42 Prozent) oder Leadership (+28 Prozent) gewinnen an Relevanz. Die traditionelle Trennung zwischen "technischen" und "sozialen" Berufen löst sich auf. Gefragt ist eine Kombination aus beidem.

Gesundheits- und Green-Skills im Aufwind

Neben KI identifiziert der Report zwei weitere Treiber der Veränderungen: den demografischen Wandel und die grüne Transformation. Die Nachfrage nach Pflegefachkräften (+278 Prozent) und Kompetenzen in der Patientenversorgung (+79 Prozent) steigt stark. Gleichzeitig zählen "Green Technologies" und Nachhaltigkeitsmanagement zu den dynamischsten Kompetenzfeldern.

Damit bestätigt der Report zentrale Befunde des aktuellen "Future of Jobs Report" des World Economic Forum (WEF): Auch dort werden KI-Kompetenzen, grüne Technologien und analytische Fähigkeiten als wichtigste Wachstumsfelder genannt.

Erosion der Einstiegsjobs als systemisches Risiko

Besonders kritisch bewerten die Autorinnen und Autoren des HRM-Lösungsanbieters Cornerstone On Demand den Rückgang klassischer Einstiegspositionen. Laut Report könnten bis zu 30 Prozent der Arbeitsstunden in Entry-Level-Rollen automatisiert werden. Wenn einfache Aufgaben automatisiert werden, könnten Lern- und Erfahrungsräume für Berufsanfänger verschwinden. Der Report warnt daher vor einer langfristigen Unterversorgung mit qualifizierten Fachkräften, weil Entwicklungspfade wegfallen.

State of Skills Intelligence Report: Beschäftigte weniger optimistisch als HR

Wie groß der Gap zwischen tatsächlich vorhandenen Skills und den benötigten Skills ist, hat der Cornerstone-Report nicht ermittelt. Diese Ergänzung liefert der aktuelle "State of Skills Intelligence Report 2025" von Workera. Darin wird eine deutliche Diskrepanz zwischen strategischem Anspruch und operativer Realität in Unternehmen festgestellt.

So glauben 63 Prozent der L&D-Verantwortlichen, ihre Organisation werde in zwei Jahren vollständig "AI-ready" sein, unter den Mitarbeitenden teilen diese Einschätzung jedoch nur 22 Prozent. Sieben von zehn Beschäftigten geben an, im vergangenen Jahr kein KI-spezifisches Training erhalten zu haben. Gleichzeitig nennen 48 Prozent der L&D-Leitungen fehlende hochwertige Skills-Daten als größte Hürde beim Schließen von Kompetenzlücken.

Damit ergänzt die Workera-Studie die makroökonomische Analyse von Cornerstone um eine zentrale Erkenntnis: Die Nachfrage nach KI- und Zukunftskompetenzen steigt zwar rasant – doch viele Unternehmen verfügen noch nicht über belastbare, valide Daten zur tatsächlichen Kompetenzlage ihrer Belegschaft. Skill Management wird damit zur strategischen Steuerungsaufgabe, nicht nur zur Trainingsfrage.


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