Führungskräfte kämpfen mit knappen Ressourcen
Der Alltag als Führungskraft ist von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Welche das konkret sind, hat das Bildungsinstitut Hernstein in einer aktuellen Studie unter Führungskräften in Deutschland und Österreich untersucht. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 56 Prozent der befragten Führungskräfte sehen begrenzte Ressourcen – insbesondere Zeit, Personal und Budget – als größte Herausforderung in ihrem Arbeitsalltag. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich: Während 52 Prozent der Führungskräfte in Deutschland knappe Ressourcen als Hauptproblem nennen, sind es in Österreich sogar 62 Prozent.
Unklaren Zielvorgaben als Hürde für Führungskräfte
Erst mit deutlichem Abstand folgen weitere Belastungsfaktoren: Erwartungslücken zwischen Team und Führung empfinden 34 Prozent der Befragten als herausfordernd. Ebenfalls häufig genannt werden Dokumentations- und Berichtspflichten (33 Prozent) sowie unklare Zielvorgaben (26 Prozent). Auch bei wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen sich Unterschiede zwischen den beiden Ländern: Budgetplanung und Inflation nannten 19 Prozent der Führungskräfte in Deutschland, aber 29 Prozent in Österreich als Herausforderung. Veränderungen im Unternehmen wiederum fordern 24 Prozent der deutschen, aber nur 18 Prozent der österreichischen Führungskräfte.
Für den Hernstein Management Report befragte das Meinungsforschungsinstitut Triple M Matzka im Auftrag von Hernstein 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 1.000 in Deutschland und 600 in Österreich. Der Report erhebt seit mehr als 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild.
Leadership: Erfahrung und Austausch helfen
Beim Umgang mit den genannten Herausforderungen setzen viele Führungskräfte vor allem auf die eigene Erfahrung: 50 Prozent der Befragten nennen ihre Erfahrungswerte und Routinen als wichtigsten Unterstützungsfaktor. Weitere wichtige Hilfen sind die eigene Führungskraft (47 Prozent), klare Kommunikation durch die Unternehmensleitung (42 Prozent) sowie der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen (41 Prozent). Entscheidungsspielraum und Vertrauen spielen für 39 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle.
Ein Teil der Unternehmen unterstützt Führungskräfte bereits gezielt in diesen Bereichen. 44 Prozent der Befragten berichten, dass ihr Unternehmen den regelmäßigen Austausch zwischen Führungskräften aktiv fördert, während 38 Prozent Coaching oder Weiterbildung erhalten. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch strukturelle Defizite: Knapp 60 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen keine klar definierten Rollen und Erwartungen existieren, die ihnen in ihrer Führungsrolle Orientierung geben.
"Die Ergebnisse machen sichtbar, welche Rolle strukturelle Klarheit und Austausch im Führungsalltag spielen", so Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement von Hernstein. "Klare Leitlinien für Führung, interne Ansprechpersonen sowie Weiterbildung und Coaching können hier wirksam unterstützen."
Remote Work bleibt Teil des Arbeitsalltags
Die Möglichkeit, remote zu arbeiten, ist im Vergleich zum Pandemie-Jahr 2021 zwar etwas zurückgegangen, bleibt aber weiterhin weit verbreitet. Der Anteil der Befragten mit dieser Option ist um acht Prozent gesunken, liegt aber weiterhin bei mehr als der Hälfte. Dafür haben viele Unternehmen inzwischen klarere Regeln eingeführt: In 66 Prozent der Unternehmen gibt es konkrete Vereinbarungen zum Umgang mit Remote Work und Homeoffice – etwa doppelt so viele wie noch 2021. Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung können etwas häufiger remote arbeiten (62 Prozent) als Führungskräfte (57 Prozent). Insgesamt nutzen 54 Prozent der Mitarbeitenden diese Möglichkeit zumindest teilweise.
Effizienzgewinne und Vertrauensfragen
Trotz der aktuellen Debatten über eine stärkere Rückkehr ins Büro zeigen sich die befragten Führungskräfte gegenüber Remote Work vergleichsweise positiv eingestellt. 60 Prozent sind der Ansicht, dass Homeoffice keine oder kaum negative Auswirkungen auf das Teamgefüge und den Zusammenhalt im Team hat. Zudem sehen viele klare Vorteile in Remote Work: 77 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich ortsunabhängiges Arbeiten sehr positiv oder eher positiv auf das selbstständige Arbeiten der Mitarbeitenden auswirkt, 67 Prozent sehen positive Auswirkungen auf Effizienz und Schnelligkeit, 59 Prozent eine gesteigerte Kreativität.
Mehrheit der Führungskräfte bleibt offen gegenüber Homeoffice
Etwas zurückhaltender sind die Einschätzungen bei Kontrolle der Arbeit und Kommunikation im Team, wo nur 46 beziehungsweise 45 Prozent der Befragten positive Auswirkungen von Remote Work sehen. Insgesamt bleibt die Mehrheit der Führungskräfte jedoch offen gegenüber ortsunabhängigem Arbeiten. Besonders erfahrene Führungskräfte sowie Personen aus dem unteren Management, die häufig enger mit ihren Teams zusammenarbeiten, bewerten Remote Work vergleichsweise positiv – auch wenn gewisse Vertrauensfragen bestehen bleiben. "Obwohl fast 70 Prozent der Führungskräfte eine gestiegene Effizienz mit Remote Work verbinden, fällt es 41 Prozent zumindest teilweise schwer, ihren Mitarbeitenden in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitseffizienz zu vertrauen", sagt Fantl – eine weitere Herausforderung für Führungskräfte, der Unternehmen mit klar definierten Erwartungen und strukturiertem Austausch entgegenwirken könnten.
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