Laut IW Köln nutzen deutsche Firmen digitales Lernen am liebsten gemischt mit analogen Formaten. Bild: Haufe Online Redaktion

Bislang haben viele deutsche Firmen in der Weiterbildung noch nicht die Möglichkeiten ausgeschöpft, die ihnen die Digitalisierung bietet. Das könnte sich nun ändern: Laut einer Studie des IW Köln kommt digitales Lernen langsam in der Praxis an. Doch es bleiben To-Dos für die Personalentwicklung.

Deutsche Firmen lassen sich die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter einiges kosten: 33,5 Milliarden Euro investierten sie laut der aktuellen Weiterbildungserhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im vergangenen Jahr in die Personalentwicklung – auch, um die Mitarbeiter fit für die Digitalisierung zu machen.

Insgesamt bilden 85 Prozent der rund 1.700 befragten Unternehmen ihre Angestellten weiter – im Durchschnitt mehr als 17 Stunden pro Jahr und Mitarbeiter.

Digitales Lernen lässt sich in den Arbeitsalltag integrieren

Die Digitalisierung spielt bei der Weiterbildung eine doppelte Rolle: Zum einen macht sie Weiterbildung notwendig – etwa wenn es darum geht, dass Mitarbeiter das technische Know-how und die richtigen Kompetenzen für die Arbeit in der digitalisierten Welt erlangen. Zum anderen hilft sie in Form von digitalen Weiterbildungsformaten, das Lernen zu unterstützen.

Dies spiegelt sich in der Befragung wider: Unternehmen, die mit digitaler Technologie produzieren, investieren mehr Zeit und Geld in Weiterbildung als andere Betriebe. "Größter Vorteil des digitalen Lernens ist, dass es sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren lässt", sagt IW-Wissenschaftlerin Susanne Seyda. Mitarbeiter können es zeitlich und räumlich flexibel einsetzen, Lerninhalte individuell zusammenstellen und so an ihren jeweiligen Bedarf anpassen.

Mix aus klassischen und digitalen Formaten beliebt

Obwohl die Möglichkeiten des digitalen Lernens vielfältig sind, zeigten frühere Studien, dass manche deutsche Unternehmen bislang noch Berührungsängste damit haben. Eine Studie der Hochschule Rhein-Main kam in diesem Jahr etwa zum Ergebnis, dass dem digitalen Lernen zwar hohe Bedeutung beigemessen wird, es aber nicht in gleichem Maße verbreitet ist.

Dies scheint sich nun langsam zu ändern, wie die aktuelle IW-Studie nahelegt: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen nutzen Lernvideos, Onlinekurse oder computerbasierte Selbstlernprogramme, 30 Prozent bieten unter anderem Apps an.

Ganz auf klassische (Präsenz-)Seminare verzichten wollen die Betriebe eigenen Aussagen zufolge nicht. "In den Firmen setzt sich immer stärker ein Mix aus bewährten Angeboten und neuen Techniken durch", sagt Seyda. Am häufigsten geht es bei der Weiterbildung neben dem beruflichen Fachwissen um die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit. Auch die IT-Kenntnisse der Mitarbeiter werden beständig ausgebaut, so die Studie.

Weiterbildung: Große Unternehmen investieren weniger als kleine

Im Vergleich von kleinen und mittleren Unternehmen zeigt sich: Die Kleinen investieren besonders viel in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter – pro Kopf durchschnittlich 1.167 Euro jährlich. Großunternehmen geben rund 150 Euro weniger aus.

Die IW-Forscher erklären sich dieses Ergebnis als Auswirkung des Fachkräftemangels und der Schwierigkeit kleinerer Unternehmen, passendes Personal zu finden. "Das beständige Weiterbilden hilft den Firmen, qualifiziertes Personal an sich zu binden", erklärt Seyda.

Woran digitales Lernen noch scheitert

Trotz des verhalten optimistischen Ergebnisses der IW-Studie bleibt in deutschen Unternehmen rund ums Thema "digitales Lernen" noch viel zu tun: So zeigte etwa eine kürzlich erschienene Studie des IT-Branchenverbands Bitkom, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter inhaltlich noch zu wenig für die digitalisierte Arbeitswelt schulen. Auch an der Lernkultur in Unternehmen hapert es einer Befragung der Hochschule für angewandtes Management zufolge noch: Weiterbildner gehen demzufolge beim Einsatz von digitalen Lernmedien zu wenig auf die Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen ein.

Oft fehlen den Mitarbeitern zudem die notwendigen digitalen Medien: Eine Studie des Bildungsministeriums aus dem vergangenen Jahr ergab, dass Unternehmen zwar meist über digitale Medien wie Smartphones und Tablets verfügen, die in der Weiterbildung genutzt werden können – dass jedoch nicht alle Mitarbeiter im Unternehmen Zugang dazu haben. Und eine Bertelsmann-Studie, ebenfalls aus dem vergangenen Jahr, kam sogar zu dem ernüchternden Ergebnis, dass das digitale Lernen in Berufsschulen oft schon an einer nicht funktionierenden Internetverbindung scheitert.

 

Die komplette IW-Weiterbildungserhebung finden Sie hier zum kostenlosen Download: www.iwkoeln.de.

 

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Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Personalentwicklung, Digitalisierung

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