Die Coronakrise hinterlässt auch in der Vorstandsvergütung ihre Spuren: Im Schnitt sind die Bezüge der Dax-Vorstandsvorsitzenden für 2020 um 28 Prozent gesunken. Insbesondere die Bonuszahlungen fielen wesentlich geringer aus als 2019, allerdings nicht bei jedem.

5,3 Millionen Euro verdienten die Dax-Vorstandsvorsitzenden im Schnitt 2020 und damit 2,1 Millionen Euro (28 Prozent) weniger als 2019. Der Grund liegt in den um 45 Prozent gesunkenen Gewinnen der Dax-Konzerne im ersten "Coronakrisen-Jahr" 2020. Diese schlagen sich insbesondere im Rückgang der erfolgsabhängigen variablen Bezüge nieder. So sanken die durchschnittlichen Jahresboni der Dax-Vorstandsvorsitzenden um rund 38 Prozent, die durchschnittlichen - zumeist aktienbasierten - mehrjährigen variablen Vergütungen um rund 41 Prozent.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse der HKP Group "Geschäftsberichtsauswertung Vorstandsvergütung DAX 2020". Sie stützt sich auf die Angaben von 28 bislang veröffentlichten Geschäftsberichten der im Börsenindex Dax notierten Unternehmen für das zurückliegende Geschäftsjahr.

Rückgang der Vorstandsboni in der Krise als richtiges Signal

Erstmals erhielten die Vorstandsvorsitzenden für ein Geschäftsjahr weniger Vergütung als in der Zielvergütung erwartet wurde (Pay for Performance in schlechten Jahren). Als "richtig, aber schmerzhaft" bewertet Michael H. Kramarsch, Managing Partner der HKP Group, den starken Rückgang der Vorstandsvergütungen: "Die Pandemie hinterlässt nicht nur Spuren bei den Unternehmensgewinnen, sondern auch in den kurz- und langfristigen variablen Bezügen der Vorstandsvorsitzenden. Das ist Pay for Performance. Aktionäre, Mitarbeiter und Vorstände tragen die Last gemeinsam."

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Regine Siepmann, Partnerin und Bereichsleiterin Board Services bei HKP Group, ergänzt: "In unserer Analyse schlagen sich neben den Geschäftsergebnissen auch die zahlreichen individuellen Vergütungsverzichte und Sonderzahlungen für besondere Leistungen in der Pandemie nieder. Dessen ungeachtet zeigt sich: Das Pay-for-Performance-Prinzip in der Vergütung von Dax-Vorständen wirkt. Die Vergütungssysteme der führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben den krisenspezifischen Lackmustest bestanden."

Vergütungsranking: Das verdienen die Dax-30-Vorstandsvorsitzenden

Das aktuelle Vergütungsranking wird angeführt vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Dr. Frank Appel, mit zehn Millionen Euro Gesamtvergütung einschließlich kumulierter Auszahlung variabler Bezüge früherer Jahre. Auf Platz zwei folgt Joe Kaeser, 2020 Vorstandsvorsitzender von Siemens mit 9,3 Millionen Euro.

Am unteren Ende der Tabelle findet sich der Vorstandsvorsitzende von Beiersdorf, Stefan De Loecker, mit Bezügen in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Bei 15 Unternehmen beläuft sich die Gesamtvergütung des Vorstandsvorsitzenden auf einen Wert unterhalb des Durchschnitts von 5,3 Millionen Euro.

Dax-Vorstandsvorsitzende mit den höchsten Vergütungen 2020:
 

Dr. Frank Appel, Deutsche Post

10 Millionen Euro

Joe Kaeser, Siemens

9,3 Millionen Euro

Dr. Stefan Oschmann, Merck

9 Millionen Euro

Dax-Vorstandsvorsitzende mit den geringsten Vergütungen 2020:
 

Reiner Winkler, MTU

2,8 Millionen Euro

Christian Klein, SAP

2,2 Millionen Euro

Stefan De Loecker, Beiersdorf

2,1 Millionen Euro

(Grundlage: DCGK-Zuflusstabelle, ganzjährig im Amt befindliche Vorstandsvorsitzende)


Im Geschäftsjahr 2020 ist bei acht Unternehmen mit gleichbleibenden Vorstandsvorsitzenden der Gewinn pro Aktie im Vergleich zu 2019 gestiegen. Der durchschnittliche Anstieg beträgt 37 Prozent. Die zugeflossene Gesamtvergütung der entsprechenden Vorstandsvorsitzenden ist dabei um durchschnittlich 13 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist bei 14 Unternehmen mit gleichbleibenden Vorstandsvorsitzenden der Gewinn pro Aktie im Vergleich zu 2019 gefallen, im Durchschnitt um 71 Prozent. Die zugeflossene Gesamtvergütung der entsprechenden Vorstandsvorsitzenden ist dabei um durchschnittlich 7 Prozent gesunken.

Dax-Vorstandsvorsitzende verzichten auf variable Vergütung

In acht Unternehmen verzichteten Vorstandsvorsitzende angesichts der Coronapandemie auf Teile ihrer Vergütung. Zumeist wurde auf Teile der Grundvergütung verzichtet, wobei die Höhen des Verzichts zwischen 80.000 Euro und 283.000 Euro schwanken. Einige Vorstandsvorsitzende verzichteten auf Teile der variablen Bezüge, so beispielsweise der Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing. Kasper Rorstedt, Vorstandsvorsitzender von Adidas, verzichtete auf seine gesamte variable Vergütung.

"Krisenbedingt sehen wir in diesem Jahr nicht nur historisch geringe variable Vergütungen, sondern eine noch nie dagewesene Spreizung bei den Boni. Dies spiegelt letztlich die gesamtwirtschaftliche Lage, in der einige Unternehmen nahezu unbeschadet durch die Krise kommen oder gar von ihr profitieren, andere massiv unter deren Auswirkungen leiden", erklärt Kramarsch.


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Schlagworte zum Thema:  Vorstand, Vergütung

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