Der Individualbonus verliert seine Bedeutung. Nach einer Studie der LMU München zur Wirkung von Teamboni zeigt nun auch eine Studie des BMAS: Boni, die Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen oder für Teamarbeit belohnen, wirken sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus.  

Bonus, Gewinnbeteiligung oder Zielvereinbarung – viele Unternehmen setzen heute auf variable Vergütungssysteme, um für Beschäftigte finanzielle Anreize und zusätzliche Motivation zu schaffen. In einer auf einem Gruppenspiel basierenden Untersuchung hatten Forscher der LMU München und der Tilburg University nachgewiesen, dass Teams, denen ein Teambonus in Aussicht gestellt wird, erfolgreicher arbeiten. (Einzelheiten dazu finden Sie in der News "Neuer Stoff für die Debatte um den Teambonus.")

Dass sich Teamboni nicht nur positiv auf die Arbeitsqualität, sondern auch auf Engagement und Zufriedenheit auswirken, zeigt nun der "Monitor Variable Vergütungssysteme" des Bundesarbeitsministeriums.

Teambonus schlägt Individualprämie

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und den Universitäten Köln und Tübingen wurden in einer Längsschnittuntersuchung Befragungsergebnisse aus den Jahren 2012/13, 2014/15 und 2016/17 miteinander verglichen.

Dabei zeigt sich eine auffällige Verknüpfung der Arbeitszufriedenheit mit Teamleistungen und dem Unternehmenserfolg:  „Boni, die sich am Unternehmenserfolg bemessen, steigern die Arbeitszufriedenheit und das Commitment der Mitarbeiter“, erklärt  Studien-Autor Professor Patrick Kampkötter, Universität Tübingen. Boni, die sich stärker an der individuellen Leistung bemessen, hätten dagegen stark an Bedeutung verloren und – so die Studienergebnisse – senken Arbeitszufriedenheit und Kooperationsbereitschaft.

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Das erkennen auch immer mehr Firmen, die in den vergangenen Jahren in ihre mit 18 Prozent stabilen variablen Vergütungskomponenten zunehmend Team und Unternehmensboni aufgenommen haben. Nach den Studienergebnissen trägt der persönliche Erfolg mittlerweile nur noch knapp zur Hälfte (48 Prozent) zu einem Bonus bei. Unternehmensziele sind zu einem Drittel ausschlaggebend, die Teamziele zu einem Fünftel, Tendenz steigend.

Mit der Frage, in welchen Situationen Teamboni und wann Individualboni besser wirken, hat sich auch Managementberater und Buchautor Gunter Wolg eingehend beschäftigt. Sie finden seine Tipps zu Zielvereinbarungen in der Praxis in der News "Vor- und Nachteile von Teamzielen".

Zielvereinbarungen: Verknüpfung mit Bonus schadet der Arbeitszufriedenheit

Der Monitor zeigt zudem erstmals, dass die Arbeitszufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter steigen, wenn die Zielvereinbarungen nicht das persönliche Gehalt beeinflussen. „Jeder zweite Betrieb verknüpft Boni mit der Zielvereinbarung. Die Ergebnisse zeigen aber, dass die Nutzung von Zielvereinbarungen nur dann mit höherer Arbeitszufriedenheit und Engagement einhergeht, wenn diese nicht mit der variablen Vergütung direkt verknüpft sind“, meint Prof. Dr. Dirk Sliwka von der Universität zu Köln. Werden die Prämien dagegen formelhaft nach dem Erreichungsgrad der Ziele berechnet, verschwände der positive Effekt der Zielvereinbarungen auf die wahrgenommene Arbeitsqualität.

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Branche und Unternehmensgröße entscheiden über Boni  

Deutliche Unterschiede bei der Bonivergabe zeigen sich hinsichtlich der Branche, Unternehmensgröße und des Angestelltenverhältnisses. Grundsätzlich gilt: Je größer Unternehmen sind, desto eher setzen sie auf variable Vergütung.

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Aktuell schütten etwa 60 Prozent der Betriebe Boni an ihre Beschäftigten aus. Bei Betrieben unter 100 Beschäftigten sind es die Hälfte, bei solchen über 500 Mitarbeiter vier von fünf (83Prozent). In der Metallindustrie nutzen zwei Drittel Boni, in der Kommunikationsbranche nicht einmal die Hälfte (44 Prozent). Besonders Führungskräfte und Vollzeitbeschäftigte profitieren davon, während Beschäftigte ohne Personalverantwortung und solche in Teilzeit meist leer ausgehen.

Teilzeitfalle wird oft zur Bonifalle

„Die Studie zeigt, dass die Teilzeitfalle oft zur Bonifalle wird. Teilzeitbeschäftigte, also vor allem Frauen, werden bei erfolgsabhängigen Vergütungen oft nicht berücksichtigt. Diese Bonuskultur ist nicht mehr zeitgemäß“, kommentiert Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Ergebnisse. „Die Entscheidung für eine Teilzeitbeschäftigung darf nicht die Entscheidung für ein Gehalt zweiter Klasse sein. Weniger Stunden heißt nicht weniger Leistung und auch nicht weniger Verantwortung. Es muss in einer modernen Unternehmenskultur selbstverständlich sein, dass die Leistungen von Teilzeitbeschäftigten bei der Boni-Vergabe angemessen gewürdigt werden. Die Brückenteilzeit soll zu diesem Umdenken beitragen.“

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Zur Studie: Der Monitor „Variable Vergütungssysteme“ basiert auf der Längsschnittstudie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“, für die 1200 Personalverantwortliche sowie ca. 7.000 Beschäftigte befragt wurden. Sie ist repräsentativ für Betriebe ab 50 Mitarbeiter.

Mehr Informationen zum Monitor und zur Initiative Neue Qualität der Arbeit auf www.inqa.de

Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Bonus