Laut einer neuen Studie von Forschern an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der LMU München können Teamboni die Zusammenarbeit verbesssern. Bild: mauritius images / Westend61 / Peter Scholl

Immer mehr Unternehmen ersetzen den Bonus für den einzelnen Mitarbeiter durch einen Teambonus. Inwiefern das die Zusammenarbeit tatsächlich verbessern kann, zeigt nun eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Teams, denen ein gemeinsamer Bonus in Aussicht gestellt wird, sind erfolgreicher. Dies scheint vor allem daran zu liegen, dass der monetäre Anreiz auch die Organisation der Zusammenarbeit im Team verändert, stellten die Forscher Florian Englmaier, Stefan Grimm und Simeon Schudy von der LMU und David Schindler von der Tilburg University in der gemeinsam mit dem Unternehmen „Exit the Room“ aufgesetzten Studie fest. 

Sie nutzten für die Untersuchung das von dem Unternehmen angebotene Spiel, in dem Gruppen innerhalb einer Stunde logische und kombinatorische Aufgaben lösen und Zusammenhänge erkennen müssen, um gemeinsam den Weg aus einem geschlossenen Raum zu finden. Einigen Teams wurde ein Bonus in Höhe von 50 Euro in Aussicht gestellt, wenn sie innerhalb von 45 Minuten statt der erlaubten 60 Minuten die Aufgabe lösen, bei anderen Teams wurde auf diesen Anreiz verzichtet. 

Getestet wurde die  Leistung von insgesamt knapp 1.000 Teams mit rund 4.000 Teilnehmenden. In der Gesamtbetrachtung sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team innerhalb einer Dreiviertelstunde fertig wurde, für die Gruppen, denen ein monetärer Anreiz in Aussicht gestellt wurde, mehr als doppelt so hoch gewesen.

Wann Teamboni sinnvoll sind

Bei den erfolgreichen Teams hätten die Mitglieder häufiger angegeben, dass ihr Team gut organisiert gewesen sei und eine Führungspersönlichkeit die Zusammenarbeit koordiniert habe. Dies lege den Schluss nahe, dass durch die Präsenz von Anreizen so etwas wie eine endogene Hierarchie entstehe, die von allen akzeptiert werde, so die Studie. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass monetäre Teamanreize möglicherweise dabei helfen können, dass sich solche Führungsstrukturen etablieren“, sagt Florian Englmaier. Die Studie stützt damit die These, dass Teamboni nur dann sinnvolll sind, wenn die Mitarbeiter wirklich ein organisches Team bilden.

Teambonus steigert auch die Leistung hoch motivierter Teams

Überrascht hat die Forschungsgruppe, dass der Bonus auch dann die Teamleistung steigerte, wenn sich die Teams die Aufgabe selbst gesucht hatten, also bereits hoch motiviert daran gingen, die Aufgabe zu lösen. Dies lasse auf  einen positiven Zusammenhang zwischen der Freude an einer Aufgabe und der Wirksamkeit von Anreizen schließen. Ob höhere Boni die Teams noch erfolgreicher gemacht hätten, wird dagegen bezweifelt. Möglicherweise komme es dann zu Konflikten, weil nur noch ans Geld gedacht werde. Inwiefern sich Boni bei wiederholten Aufgaben und längerfristigen Tätigkeiten ähnlich erfolgreich einsetzen lassen, ist mit der aktuellen Studie noch nicht geklärt.

Der in der Studie gewählte Bonus für das gesamte Team spiegelt aktuelle Entwicklungen in der Arbeitswelt wider. Das hat auch die Unternehmensberatung Kienbaum in einer Umfrage ermittelt. Demnach wollen 27 Prozent den Individualbonus völlig abschaffen oder reduzieren.

Über die Vor- und Nachteile von Teamboni lesen Sie mehr hier

Schlagworte zum Thema:  Bonus, Gruppenarbeit, Motivation, Leistungsorientierte Vergütung

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