Reboarding – erfolgreicher Wiedereinstieg im Unternehmen

Personalabteilungen und Führungskräfte nehmen den Wiedereinstieg eines Mitarbeiters nach einer längeren Abwesenheit gerne auf die leichte Schulter. Dabei vergessen die Verantwortlichen oft, wie schnell sich Jobprofile, Strukturen und Prozesse verändern. Mit ein paar Regeln kann HR den Wiedereinstieg erleichtern.

Unter Reboarding versteht das Personalmanagement all jene unterstützenden Maßnahmen, die einem Mitarbeiter dabei helfen, nach einer längeren Abwesenheit den Wiedereinstieg in den Beruf zu schaffen und im Unternehmen wieder Fuß zu fassen. Dies ist beispielsweise nach der Elternzeit, einer längeren Krankheit oder nach einem Sabbatical der Fall.

Auch bei internen Jobwechseln oder der Rückkehr ehemaliger Kollegen bieten sich Reboarding-Maßnahmen an. In der Regel sind dies abgespeckte Onboarding-Maßnahmen, die individuell angepasst werden, da sich mit dem Grund der Abwesenheit auch der Informationsbedarf bei den Mitarbeitern unterscheidet. Als Faustregel gilt: Je länger der Mitarbeiter abwesend war, desto umfangreicher sollten auch die Reboarding-Maßnahmen sein.

Wiedereinstieg nach Elternzeit

Je nachdem wie lange der Kollege oder die Kollegin „weg“ war, hat sich bei der Rückkehr einiges verändert. Vor allem muss der Mitarbeiter wissen, welche Aufgaben er künftig übernehmen wird und in welche Position und in welches Team er zurückkehrt. Hier unterstützt ein individueller Einarbeitungsplan.

Bei Rückkehrern aus der Elternzeit gilt es vor allem die „neue“ Lebenssituation nach einer Babypause mit kleinen Kindern zu beachten, beispielsweise in dem Teambesprechungen auf den Vormittag gelegt werden, damit auch Teilzeitkräfte daran teilnehmen können.

Klären Sie,

  • wie es dem Rückkehrer mit der neuen Lebens- und Arbeitssituation geht,
  • was sich seither verändert hat,
  • fragen Sie nach, wo noch Unsicherheiten und Unterstützungsbedarf auftreten.

Generell können Unternehmen einiges dazu beitragen, Arbeitsplätze für Rückkehrer attraktiv zu gestalten, zum Beispiel durch flexible Arbeitszeitmodelle, Möglichkeit zu Homeoffice oder Unterstützung bei der Vermittlung von Kinderferienprogrammen oder Kindergartenplätzen.

Einarbeitung bei internen Stellenwechseln

Bei einem internen Wechsel werden Reboarding-Maßnahmen oft vernachlässigt, schließlich kennt der Kollege das Unternehmen ja schon. Bei größeren Unternehmen und Konzernen vergessen die Verantwortlichen aber oft, dass sich die Teams und Arbeitsweisen in den verschiedenen Bereichen oft stark unterscheiden und mit jedem neuen Teammitglied die Teamfindung erneut beginnt. Interne Wechsler haben zudem oft Hemmungen, Fragen zu stellen. Schließlich müssten sie ja schon alles wissen.

Bei einem internen Wechsel sollten unbedingt die folgenden Punkte beachtet werden:

  • Stellen Sie die soziale Integration in das Team und die fachliche Einarbeitung in den Vordergrund.
  • Der neue Kollege freut sich über einen herzlichen Empfang und einen vorbereiteten Arbeitsplatz sowie einen konkreten Einarbeitungsplan.
  • Die Führungskraft sollte regelmäßige Mitarbeitergespräche führen und dokumentieren.
  • Die Kollegen sollten Gesprächs- und Hilfsbereitschaft signalisieren.
  • Für die soziale Integration sind gemeinsame Mittagessen und Kaffeepausen wichtig, auch ein Teamevent nach 2-3 Monaten fördert die Integration.

Wiedereingliederung nach Krankheit

Fallen Mitarbeiter krankheitsbedingt längere Zeit aus, wissen Führungskräfte und Kollegen oft nicht, wie sie angemessen mit der Situation umgehen sollen. Gerade die Kollegen und Chefs können aber zum Gelingen der Rückkehr- und Genesungsphase am Arbeitsplatz aktiv beitragen. Hier unterstützt ein betriebliches Eingliederungsmanagement die Wiedereinsteiger, die länger als sechs Wochen innerhalb von zwölf Monaten krankgeschrieben waren. Gesetzlich ist kein formaler Ablauf für ein betriebliches Eingliederungsmanagement vorgeschrieben, sondern das Verfahren lässt den Beteiligten viel eigenen Spielraum.

Eingebunden sind in das BEM-Integrationsteam meist Vertreter der HR-Abteilung, des Betriebsrats, der Schwerbehindertenvertreter und gegebenenfalls externe Fachleute. In der Regel prüfen die Beteiligten mögliche (präventive) Maßnahmen, die dem Mitarbeiter nach längerer Krankheitsphase erlauben, seine bisherige Tätigkeit wiederaufzunehmen und setzen diese anschließend um. Dies soll weiteren Erkrankungen, die letztlich zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können, entgegenwirken („Rehabilitation statt Entlassung“).

Gerade bei langwierigen und chronischen Erkrankungen profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer von BEM-Maßnahmen, wenn die Belastungen genau analysiert und konkrete Problemlösungen gefunden werden können. BEM-Maßnahmen verbessern zudem das Betriebsklima und Ansehen des Betriebs, weil das Verfahren Fürsorge und Wertschätzung für die Beschäftigten signalisiert.

Tipp: Stufenweise Wiedereingliederung

Bei der stufenweisen Wiedereingliederung können Beschäftigte, die sich nach Erkrankung oder Verletzung in der Genesungsphase befinden, nach Absprache mit dem behandelnden Arzt stundenweise an den Arbeitsplatz zurückkehren und so allmählich (zum Beispiel in wochenweisen Steigerungen) wieder an die Arbeitsbelastungen herangeführt werden. Dies ist nicht zwangsläufig eine BEM-Maßnahme, kann diese jedoch unterstützen.

Eine ausführliche Checkliste für ein erfolgreiches Reboarding können Sie hier herunterladen.


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Schlagworte zum Thema:  Wiedereinstieg, Onboarding