Welche Themen noch immer tabu sind
Wie hoch das eigene Gehalt ist – über dieses Thema möchte die Mehrheit der deutschen Berufstätigen nach wie vor nicht sprechen. Das zeigt eine Befragung des Personalberaters Rochus Mummert unter 1.000 Arbeitnehmern und HR-Führungskräften, derzufolge drei von vier Mitarbeitern zu dieser Frage lieber schweigen. Damit ist das Thema "Gehalt" nach wie vor eines der großen Tabu-Themen in deutschen Büros und Werkhallen.
Anonym würde jeder Zweite übers Gehalt sprechen
Das bestätigt auch Sonja Perry, Produktmanagerin für Deutschland beim Arbeitgeberportal Glassdoor, im Interview mit dem Personalmagazin: Eine Kundenbefragung von Glassdoor habe gezeigt, dass nur 28 Prozent der Deutschen dazu bereit sind, über ihr Gehalt zu sprechen. "Als wir die Mitarbeiter allerdings fragten, ob sie ihre Gehaltsinformationen anonym teilen würden, sagten 45 Prozent ja", so Perry.
Auf dem Portal Glassdoor, dessen deutsche Version im Januar dieses Jahres online gegangen ist, haben die Nutzer die Möglichkeit, ihre Gehaltsdaten zu veröffentlichen. Das Interview zum Thema "Gehaltstransparenz" lesen Sie in Ausgabe 04/2015 des Personalmagazins (Erscheinungstermin: 17. März 2015).
Einen so offenen Austausch über Gehaltsthemen, wie ihn sich die Betreiber von Glassdoor wünschen, versucht mancher Arbeitgeber zu verhindern – per Klausel im Arbeitsvertrag. Solche Klauseln sind allerdings nicht zulässig, entschied das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern (Urteil vom 21.10.2009, 2 Sa 237/09), weil sie Beschäftigte daran hindern, Benachteiligungen beim Entgelt zu erkennen und geltend zu machen.
In jeder vierten Firma sind Chef-Fehler tabu
Doch nicht nur Gehaltsthemen stellten sich in der Rochus-Mummert-Studie als Tabu heraus: Auch, wenn es um Fehler der Vorgesetzten geht, hüllen sich demnach viele lieber in Schweigen, als sich auf unangenehme Diskussionen einzulassen. In zwei von drei Unternehmen wird ungern über einen Chef-Fauxpas geredet, in jeder vierten Firma sind deren Missgriffe sogar ein absolutes Tabuthema.
"Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren", kommentiert Studienleiter Hans Schlipat, Managing Partner bei der Rochus-Mummert-Gruppe, dieses Ergebnis. Am besten sollten das die Top-Führungskräfte selbst in die Hand nehmen. "Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird", so Schlipat weiter.
Laut der aktuellen Studie haben die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung den mit Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens. Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene sei also essenziell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken, sagt Schlipat.
Gelingt dies, könnte sich das auch finanziell auszahlen: Laut Studie zeichnen sich ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden. "Die auf diese Art ausgedrückte Wertschätzung durch Vorgesetzte ist über alle Hierarchien hinweg der größte Motivator – und dazu noch völlig kostenlos", so Studienleiter Schlipat.
Lieber über private Probleme sprechen
Den Umgang mit Fehlern von Führungskräften hatten auch Teilnehmer einer Studie der Haufe Akademie kürzlich kritisiert: Knapp zwei Drittel der 1.000 Befragten wünschen ihrem Vorgesetzten mehr Kompetenz dabei, aus ihren Fehlern zu lernen.
Die Ergebnisse der jetzt vorliegenden Rochus-Mummert-Studie zeigen auch, welche Themen in deutschen Unternehmen weniger stark tabuisiert werden. Demnach sind in immerhin 40 Prozent der Unternehmen familiäre oder gesundheitliche Probleme Gesprächsgegenstand – darüber könne nämlich ohne Angst vor Sanktionen geredet werden.
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