Das Präventionsgesetz ist längst noch nicht in allen Betrieben bekannt. Doch die Krankenkassen sprechen von einem Durchbruch. Bild: Haufe Online Redaktion

Das Präventionsgesetz soll auch die Gesundheitsförderung in den Unternehmen unterstützen. Doch noch sind kaum positive Effekte spürbar – das zeigt eine aktuelle Umfrage von EuPD. Die Sozialversicherungsträger allerdings loben das Projekt im zeitgleich veröffentlichten Präventionsbericht.

Bereits 2016 wurde das Präventionsgesetz eingeführt. Ziel ist, die Prävention neben den bisherigen Säulen Kuration, Rehabilitation und Pflege als Gesundheitssäule zu stärken. Im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements sollte der Präventionsgedanke im engen Schulterschluss mit den gesetzlichen Krankenkassen, aber auch den Renten- und Unfallversicherungsträgern in den Betrieben eingeführt werden.

Eines der wesentlichen Elemente dabei ist die finanzielle Unterstützung der Betriebe bei der Gesundheitsförderung: Mindestens zwei Euro je Versichertem muss die zuständige Kasse in die betriebliche Gesundheitsförderung investieren. Die Höhe des Betrags wird entsprechend der Veränderung der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 Absatz 1 SGB IV angepasst.

Präventionsgesetz: Unternehmen unzufrieden mit den Krankenkassen

Doch die großen Hoffnungen, die Unternehmen bei Einführung des Gesetzes hegten, scheinen bislang nicht erfüllt. Eine neue Studie von EuPD Research zeigt, dass Unternehmen noch lange nicht zufrieden sind mit der Zusammenarbeit der Krankenkassen im Bereich der Gesundheitsförderung.

Auf einer Skala von eins (sehr zufrieden) bis fünf (gar nicht zufrieden) bewerteten die befragten Unternehmen insbesondere die Vernetzung der Akteure im Gesundheitsmanagement, die Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse durch die Krankenkassen und die aktive Ansprache als nur mittelmäßig. Etwas positiver, aber unterhalb der Marke "eher zufrieden" zeigen sich die Unternehmen mit der fachlichen Beratung, die sie durch die Krankenkassen seit Beginn des Prävventionsgesetzes erfahren haben.

Mehr finanzielle Unterstützung durch Krankenkassen im BGF gewünscht

Die finanzielle Unterstützung bei Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) sollte laut einer früheren Umfrage durch EuPD für zwei Drittel der Befragten die wichtigste Aufgabe des neuen Präventionsgesetzes sein. Doch auch hier zeigen sich die Unternehmen nun enttäuscht: Befragte Betriebe mit weniger als 500 Mitarbeitern bewerten ihre Zufriedenheit hier ebenfalls als mittelmäßig, größere Betriebe nur marginal besser.

Dementsprechend geben auch über 66 Prozent der Befragten an, sich mehr finanzielle Unterstützung zu wünschen, fast 50 Prozent äußerten den Bedarf an einer besseren Vernetzung der Akteure im Gesundheitsmanagement. Mehr fachliche Unterstützung wird von mehr als einem Drittel der Befragten benötigt.

Unterstützungsangebote der Krankenkassen nicht bekannt 

Die Studienergebnisse zeigen laut Markus Höhner, Geschäftsführer von EuPD Research und Leiter der Studie, dass viele Unternehmen noch nicht ausreichend über das Präventionsgesetz mit seinen Möglichkeiten informiert seien. "Wir spüren auch in unseren internen Erhebungen, dass bei vielen Unternehmen das Thema noch gar nicht erkannt ist. Ich denke, hier müssen die Krankenkassen, die Regierung aber auch Institutionen wie unser Corporate-Health-Netzwerk weitere Arbeit leisten, damit insbesondere den Mittelständlern klarer wird, welche Hilfe sie im Bereich BGF in Anspruch nehmen können."

Krankenkassen loben Rekordwachstum im BGF-Bereich 

Ganz anders bewerten die Krankenkassen die Lage:  Im aktuell erschienenen Präventionsbericht lobben sie ein "Rekordwachstum" bei der Gesundheitsförderung "in Lebenswelten" und in den Betrieben. Die Aussage stützt sich auf Berechnungen, nach denen die gesetzlichen Krankenkassen 2016 fast 500 Millionen Euro für die betriebliche Gesundheitsförderung, individuelle Präventionskurse und Gesundheitsförderung in Lebenswelten ausgebaen. Unter Lebenswelten werden die unmittelbaren Umfelder der Versicherten verstanden, wie beispielsweise Kindergärten, Schulen, Stadtteile oder auch Freizeiteinrichtungen.

Auf die betriebliche Gesundheitsförderung direkt entfallen davon laut Präventionsbericht 2016 rund 147 Millionen Euro – beinahe das Doppelte der finanziellen Unterstützung, die 2015 gezahlt wurde. Erreicht wurden damit 13.132 Betriebe.

Koordinnierungsstelle: Beratungsportal hilft bei betrieblicher Gesundheitsförderung

Als zentrales Element zur Erreichung kleiner und mittlerer Betriebe sieht der GKV-Spitzenverband die neu eingerichteten regionalen Koordinierungsstellen der GKV. Diese wollen Unternehmen über ein neues Beratungs- und Informationsportal eine professionelle Anlaufstelle in Sachen betrieblicher Gesundheitsförderung bieten. Das Beratungsportal ist seit 8. Mai 2017 erreichbar unter www.bgf-koordinierungsstelle.de.

 

Praxistipps: Was Unternehmen noch tun können, um die Zusammmenarbeit mit den Krankenkassen zu verbessern, lesen sie in unserer News "So profitieren Unternehmen vom neuen Präventionsgesetz."

 

Schlagworte zum Thema:  Präventionsgesetz, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Krankenkasse

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