Executive Search

Weniger Personalberatungen, weniger Consultants


Senior Manager in Beratungsgespräch

Der Personalberatungsmarkt schrumpft: Nicht nur die Umsätze sind im dritten Jahr in Folge zurückgegangen, auch bei den Beratungen und Mitarbeitenden gab es zum Teil starke Rückgänge. Dennoch: Die Branche blickt positiv in die Zukunft und erwartet ein moderates Wachstum für 2026.

Drei Jahre in Folge verzeichneten die Personalberatungen in Deutschland rückläufige Umsätze. Seit dem Allzeit-Hoch im Jahr 2022, in dem die Beratungen rund drei Milliarden Euro erwirtschafteten, sind die Umsätze kontinuierlich zurückgegangen (minus 4,7 Prozent).

Kleinere Personalberatungen stehen unter Druck

Doch dieser Rückgang macht sich nicht bei allen Personalberatungen zugleich bemerkbar: Während größere Beratungen im Jahr 2025 vergleichsweise stabil blieben, gerieten vor allem kleinere unter Druck. Die Marktschwäche ist ungleich verteilt und trifft den zahlenmäßig größten Teil des Anbieterfelds besonders stark: die Ein- bis Drei-Personen-Beratungen. Das ermittelte die Studie "Facts & Figures zum Personalberatungsmarkt", die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) jährlich veröffentlicht.

Der Abschwung äußert sich nicht nur in rückläufigen Umsätzen, sondern auch in einem Rückgang bei Unternehmen und Mitarbeitenden: Im Vergleich zu 2024 ging die Anzahl der Personalberatungen um 200 zurück, die Anzahl der Mitarbeitenden um 325. Auffällig bei den personellen Veränderungen: Die Funktionen Research und Backoffice gingen stärker zurück als die beratenden Funktionen. Laut BDU spricht das für schlankere Strukturen, eine stärkere Standardisierung und wachsenden Effizienzdruck in den unterstützenden Funktionen.

Längere Projektlaufzeiten im Executive Search

Auffällig ist auch: Die Projektdauer hat sich verlängert. 2025 dauerte es bei den meisten Personalberatungen deutlich länger, eine Stelle zu besetzen, während 2024 neue Führungskräfte in knapp 14 Wochen eingestellt werden konnten. Treiber sind laut Studie längere Entscheidungsprozesse bei den Unternehmen, eine geringere Wechselbereitschaft der Talente und spätere Absagen oder Ghosting. Auch hier sind vor allem die mittleren und kleineren Personalberatungen betroffen.

In nahezu allen Kundenbranchen nahm die Nachfrage nach Personalberatungsleistungen ab, besonders stark im Fahrzeugbau, im Maschinenbau und der Pharmabranche. Lediglich im Bereich Healthcare gab es einen erhöhten Bedarf, bedingt durch den konstanten Führungs- und Fachkräftebedarf in einem Wachstumsfeld.

Dennoch: Das Kerngeschäft der Personalberatungen – Executive Search, also die Besetzung von Top-Positionen im Unternehmen – bleibt mit großem Abstand das wichtigste Standbein der Branche mit einem Umsatzanteil von 79 Prozent. Ergänzende Beratungsfelder wie Potenzialanalyse und Diagnostic, Leadership Advisory sowie Executive Coaching gewinnen zwar an Bedeutung, können die Rückgänge im Kerngeschäft aber nur begrenzt ausgleichen. Die wichtigste Ausnahme bildet Management Development, das sich robuster entwickelt und als einziges größeres Ergänzungsfeld ein leichtes Plus verzeichnet.

Keine Krise in der Personalberatung

Trotz aller struktureller und organisatorischer Veränderungen und den rückläufigen Umsatzzahlen ist die Stimmung in der Branche durchaus optimistisch. "Ich würde das nicht als Krise bezeichnen", kommentierte Arne Adrian, Vorsitzender des Vorstands im Fachverband Personalberatung des BDU, die aktuellen Zahlen. BDU-Vizepräsident Wolfram Tröger ergänzt: "Nach mehreren schwierigen Jahren sehen wir Anzeichen einer Stabilisierung und vorsichtigen Trendwende. Die Nachfrage ist grundsätzlich vorhanden, wird aber weiterhin nur zögerlich realisiert. Der Markt dreht, aber langsamer und differenzierter als in früheren Zyklen."

Für 2026 erwarten die befragten Personalberatungen eine moderate Erholung des Markts. Der Gesamtumsatz dürfte laut Studie um rund drei Prozent steigen. Diese Entwicklung wird jedoch nicht alle Marktsegmente gleichermaßen erreichen. Während die Top-25 und mittelgroße Personalberatungen wieder mit Wachstum rechnen, bleiben kleinere Anbieter im Durchschnitt leicht im Minus. Über den künftigen Markterfolg würden zunehmend Effizienz, Spezialisierung und technologische Kompetenz entscheiden, so Arne Adrian: "Die Branche wächst wieder, aber auf einer veränderten Grundlage."

Strukturwandel in der Personalberatung

Die kommenden Jahre werden laut BDU vor allem von strukturellen Veränderungen geprägt sein. Digitale Plattformen, steigende Mandantenerwartungen und ein anhaltender Rückgang kleinerer Anbieter verändern das Marktumfeld nachhaltig. Gleichzeitig setzen die Personalberatungen verstärkt auf Digitalisierung, Spezialisierung und Kooperationen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Doch die erwartete Erholung wird nicht mit einem personellen Aufbau einhergehen. Auch wenn die Umsätze in Zukunft wieder steigen, werden sowohl die Zahl der Unternehmen als auch die Beschäftigtenzahlen weiter zurückgehen. Die Stabilisierung erfolgt über Effizienzsteigerungen und schlankere Strukturen. 


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