Bewerbermanagement

Im Recruiting stockt die Digitalisierung


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Bei der Digitalisierung von Recruiting-Prozessen besteht nach wie vor erhebliches Potenzial - das gilt nicht nur für den KI-Einsatz. Weiterhin werden viele Mitarbeiterempfehlungsprogramme manuell durchgeführt und beim Bewerbermanagement setzen Unternehmen auf Excel. Das ermittelte eine Umfrage.

Der Bedarf an Fachkräften ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen, ergab die Umfrage "Jobcluster Recruiting Trends 2026": Während 2025 noch 91 Prozent der befragten Unternehmen einen Fachkräftebedarf angaben, liegt dieser aktuell bei 83 Prozent. Konstant bleibt hingegen die Nachfrage nach Auszubildenden und Führungskräften.

Digitalisierung des Recruitings ist ausbaufähig

Parallel dazu beobachten die befragten HR-Verantwortlichen eine Entspannung im Wettbewerb um Talente und einen Rückgang bei der Fluktuation. Das trägt wohl dazu bei, dass Investitionen in Recruiting-Technologie nicht mehr dieselbe hohe Priorität haben wie noch vor einigen Jahren.

Bei der Digitalisierung der Recruiting-Prozesse besteht laut der Studie nach wie vor erhebliches Potenzial. Zwar setzen inzwischen 59 Prozent der Unternehmen Mitarbeiterempfehlungsprogramme ein (plus 16 Prozent), jedoch arbeiten die meisten davon noch mit manuellen Lösungen wie Excel. Nur elf Prozent der befragten Unternehmen nutzen digitale Systeme für Mitarbeiterempfehlungen, trotz klarer Effizienz- und Professionalisierungsvorteile.

Einführung von Bewerbermanagementsystemen stagniert

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Bewerbermanagementsystemen. 82 Prozent der Unternehmen haben ein Bewerbermanagementsystem installiert, während 18 Prozent weiterhin auf manuelle Prozesse mit Excel und Co setzen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten mit Bewerbermanagementsystem nutzen dieses seit einem bis drei Jahren. Etwa ein Viertel hat ihr System seit sechs Jahren oder länger im Einsatz.

"Besonders kritisch ist, dass 69 Prozent der von uns befragten Unternehmen ohne Bewerbermanagementsystem aktuell keine Einführung planen, trotz der nachweislichen Vorteile für Effizienz, Transparenz, Datenschutz und Candidate Experience", so Alexander Baumann, Geschäftsführer von Jobcluster Deutschland. Laut der Umfrage sehen diese Unternehmen in erster Linie keine Notwendigkeit für eine Software (46 Prozent), halten die Kosten für zu hoch (27 Prozent) oder haben keine Ressourcen dafür (19 Prozent). Nur wenige (jeweils acht Prozent) geben an, ein Bewerbermanagementsystem sei zu kompliziert oder sie hätten kein passendes System gefunden.

Zurückhaltung bei KI-Einsatz im Recruiting

Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich eine deutliche Zurückhaltung. 68 Prozent der befragten Unternehmen geben an, aktuell keine KI-Lösungen im Recruiting zu nutzen (Vorjahr: 66 Prozent). Der Anteil aktiver Nutzer ist sogar leicht rückläufig und liegt bei 31 Prozent (Vorjahr: 34 Prozent). Wird KI eingesetzt, beschränkt sich dies überwiegend auf unterstützende Anwendungen, etwa bei der Texterstellung oder im Kampagnenmanagement für das Social-Media-Recruiting.

HR-Kennzahlen gewinnen an Bedeutung

Die Umfrage zeigte weiter: Die Bedeutung von HR-Kennzahlen nimmt weiter zu. 86 Prozent der Unternehmen erheben entsprechende Daten (plus fünf Prozent zum Vorjahr). Allerdings erfolgt die Datenerfassung in der Hälfte der Fälle manuell, während nur 36 Prozent auf automatisierte, digitale Lösungen zurückgreifen. Auch hier bleibt erhebliches Effizienzpotenzial ungenutzt.

Jobbörsen dominieren das Recruiting

Keine großen Veränderungen stellte die Studie bei den priorisierten Recruiting-Kanälen fest: Weiterhin dominieren die Jobbörsen das Recruiting (91 Prozent), gefolgt von Social Media (84 Prozent) und der Karrierewebseite (70 Prozent). Auf den weiteren Rängen folgen Jobsuchmaschinen (62 Prozent), Karrieremessen (61 Prozent) und Mitarbeiterempfehlungsprogramme (58 Prozent). Weniger häufig werden Personalvermittler/-berater (52 Prozent), Active Sourcing (50 Prozent) und Personaldienstleister (37 Prozent) für die Personalbeschaffung eingesetzt.


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