Frauen fühlen sich in männerdominierten Berufen diskriminiert
Wie steht es um die Gleichberechtigung der Geschlechter im Arbeitsalltag? Dieser Frage ist die Studie "So arbeitet Deutschland" nachgegangen, für die die Personalberatung S-Three insgesamt 1.990 Personen befragte: darunter 1.434 Angestellte und Freelancer aus der IT- und der Ingenieur-Branche, in der überproportional viele Männer arbeiten. Außerdem zeichnete die Studie mit 556 weiteren Befragten einen Querschnitt aller weiteren Branchen nach.
Realität hält dem Anspruch bei Diskriminierung nicht stand
Diskriminierung ist ein No-Go, auch im Arbeitsalltag. Hierüber herrscht weitestgehend Konsens. 91 Prozent der Befragten gaben an, dass Männer und Frauen im Job gleichbehandelt werden sollten. Die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild: Sechs von zehn befragten Frauen gaben an, bei der Arbeit schon einmal aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt worden zu sein. Bei den befragten Männern fühlte sich lediglich jeder Dritte bereits einmal diskriminiert.
Männer erhalten weniger Lob und Anerkennung
Die Benachteiligung trifft Frauen nicht nur häufiger, sondern auch in anderen Situationen als Männer. Laut Studie zeigt sich ihre Diskriminierung vor allem beim Gehalt (52 Prozent) und bei Beförderungen (31 Prozent). Außerdem denkt knapp die Hälfte der Befragten, dass Mitarbeiterinnen in Unternehmen eingestellt werden, um eine Frauenquote zu erfüllen. Männer dagegen erfahren hauptsächlich eine ungleiche Behandlung, wenn es um Lob und Anerkennung (20 Prozent) und die Projekt- und Aufgabenverteilung (15 Prozent) geht.
Gleichberechtigung als Führungsaufgabe wahrgenommen
"Unsere aktuelle Studie zeigt, das Bewusstsein für Gleichberechtigung ist da – doch im Arbeitsalltag leider noch nicht angekommen. Hier sind Führungskräfte gefragt: Gleichberechtigung im Job ist Chefsache und muss vom Management gelebt werden", sagt Timo Lehne, Geschäftsführer von S-Three. Sieben von zehn Befragten stimmen dem zu und fordern, dass Impulse für die Gleichbehandlung von der Führungsebene ausgehen sollten.
Welche konkreten Maßnahmen für mehr Chancengleichheit sich Mitarbeitende von ihren Führungskräften wünschen, fragt die Studie ebenfalls ab. Zu den Top-drei-Maßnahmen zählen objektive Leistungsbewertungen (65 Prozent), eine entsprechende Unternehmenskultur, die Chancengleichheit fördert (56 Prozent) sowie die flexible Gestaltung des Arbeitsalltags (41 Prozent).
Arbeitszeit: Kontrolle besser als Vertrauen
Ein weiteres Thema der Studie war die Arbeitszeiterfassung. Ob Stempeluhr, digitale Tools oder eine Excel-Liste: Ein Drittel verzichtet laut Studie derzeit auf die Erfassung der Arbeitszeit. Dabei befürworten 55 Prozent der Befragten eine Arbeitszeiterfassung, da der Großteil bei der Vertrauensarbeitszeit die Gefahr der Selbstausbeutung sieht. Und obwohl die Arbeitswelt immer agiler wird und die Menschen immer selbstbestimmter arbeiten, scheint nach wie vor die Uhrzeit den Feierabend einzuläuten: Die Studienergebnisse besagen, dass bei 55 Prozent der Befragten die Uhrzeit das Ende des Arbeitstages kennzeichnet. Dies widerspricht dem Wunsch von 52 Prozent der Befragten, die davon überzeugt sind, dass die Erledigung der täglichen Aufgaben den Feierabend definieren sollte.
Ein Schwerpunktthema zur Diskriminierung finden Sie auch im Personalmagazin Ausgabe 03/2020. Dort geht es unter anderem um neue Aspekte und neue Formen von Diskriminierung – und um die Frage nach einem wirksamen Diskriminierungsschutz. Lesen Sie die gesamte Ausgabe auch in der Personalmagazin-App .
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