Im Stau wird die tägliche Pendlerstrecke zum Stressfaktor. Flexiblere Arbeitszeitmodelle könnten helfen. Bild: Haufe Online Redaktion

Die gesundheitlichen Probleme von Pendlern sind eigentlich bekannt. Dennoch hat sich hier wohl nichts zum Besseren geändert – im Gegenteil: Laut dem Bundesinstitut für Bauforschung ist der Anteil der Pendler unter den Beschäftigten weiter angestiegen. Das lässt nun erneut aufhorchen.

Es gibt einen neuen Pendler-Rekord: Der Anteil der Beschäftigten, die zum Teil lange Wege zum Arbeitsplatz und zurück in Kauf nehmen, ist im vergangenen Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf den neuen Höchstwert von 59,4 Prozent gestiegen, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Damit wuchs die Zahl der Pendler von knapp 18 auf 18,4 Millionen.

Die Stadt mit den meisten Arbeitnehmern, die außerhalb wohnen, war München mit 365.000 Pendlern (2015: 355 000). Zu den Hauptgründen zählten die hohen Miet- und Immobilienpreise in den Städten sowie die gestiegene Beschäftigung, sagte der Experte Thomas Pütz des in Bonn ansässigen Bundesinstituts.

Pendeldistanzen werden länger

Im Durchschnitt werden auch die Pendel-Entfernungen immer länger. So betrug die Länge des einfachen Arbeitswegs laut Bundesinstitut im vergangenen Jahr im Schnitt 16,91 Kilometer, im Jahr davor waren es 16,76, 1999 nur 14,59 Kilometer. Insgesamt gab es beim Pendeln zwischen 1999 und 2005 einen besonders deutlichen Anstieg. Seit Ende der 2000er Jahre stagniere die durchschnittlichen Pendeldistanz weitgehend, während der Anteil der Pendler weiter leicht zunehme, wie Experte Pütz erläuterte. Wegen der steigenden Beschäftigtenzahlen würden es Jahr für Jahr in absoluten Zahlen aber deutlich mehr Pendler.

Psychische Belastung durch Pendeln

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sagte der dpa: "Der Preis der erhöhten Mobilität ist zunehmender Stress, insbesondere bei den so genannten Fernpendlern, bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen." Tatsächlich wird Pendeln häufig als Belastung wahrgenommen, die sich auf die Gesundheit auswirken kann, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden warnt.

Schon im Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem Jahr 2012 wurde dieser Umstand hervorgehoben. So erklärte Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover (ISEG), der die Daten für die TK ausgewertet hat: "Wir haben erstmals Daten zur Entfernung von Wohn- und Arbeitsort der Beschäftigten herangezogen. Es zeigt sich, dass Berufspendler, zu denen etwa 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zählen, mit 12,7 Tagen im Jahr zwar geringfügig weniger krankgeschrieben sind als wohnortnah arbeitende Erwerbstätige mit 12,9 Tagen. Pendler sind mit 2,2 Fehltagen pro Kopf jedoch häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen als andere Beschäftigte (1,9 Tage)." 

Forderung nach flexiblen, individuellen Arbeitszeitmodellen

Sabine Zimmermann fordert darum die Arbeitgeber dazu auf, "Arbeitszeitmodelle zu finden, die den Beschäftigten Flexibilität einräumen und dem Pendelstress entgegen wirken."

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte 2016 Zahlen zum steigenden Pendleraufkommen erhoben und Verbesserungen für Berufspendler in Deutschland gefordert. Digitalisierung und vernetztes Arbeiten böten neue Möglichkeiten für individuelle Lösungen, so der DGB. Generell sprach sich der DGB für die Ausweitung der Möglichkeiten, den Job von zu Hause zu erledigen, aus, warnte aber auch vor der Gefahr von entgrenzten Arbeitszeiten.


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Schlagworte zum Thema:  Arbeitszeitmodell, Pendler, Psychische Belastung

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