31.08.2016 | New Work

So verbreitet sind Telework und Home-Office im Arbeitsalltag

Flexibilität und bessere Work-Life-Balance verheiße das Home-Office, sagt eine Mehrheit der Mitarbeiter, die EuPD Research befragt hat.
Bild: MEV Verlag GmbH

Ist Telearbeit bereits Teil der Arbeitspraxis - und wie hoch ist die Akzeptanz dieser Arbeitsform? EuPD Research ist dieser Frage in einer Studie nachgegangen. Die Studienautoren Thomas Olbrecht, Christian Sottek und Johanna Wartner erläutern die Ergebnisse.

Die Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung zeigen sich schon heute in veränderten Arbeitsbedingungen und -prozessen: Das Arbeitsumfeld ist mittlerweile hochgradig vernetzt und interdisziplinär organisiert, sodass Arbeit vor Ort nicht mehr zwingend erforderlich ist.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Ein Bonus für die Arbeitgeberattraktivität?

Entsprechend scheinen flexible Arbeitszeitmodelle, darunter auch das Home-Office, als Indikatoren für die Bewertung der Arbeitgeberattraktivität an Bedeutung hinzugewonnen zu haben. So ist etwa die Zahl der Stellensuchenden, die am liebsten bei Unternehmen mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell arbeiten würden, in den letzten zehn Jahren um über 50 Prozent auf knapp 86 Prozent gestiegen, wie eine Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zeigt.

Telearbeit in Unternehmen: wie verbreitet ist die Arbeitsform?

Doch inwieweit ist Telearbeit bereits Teil der Arbeitspraxis und wie hoch ist die Akzeptanz dieser Arbeitsform? Eine Frage, der EuPD Research im Rahmen einer Studie nachgegangen ist.
Für die Untersuchung wurden 126 Personen mit einem durchschnittlichen Alter von etwa 30 Jahren befragt. Der Großteil der Studienteilnehmer befand sich zum Befragungszeitpunkt in einem Angestelltenverhältnis.

Home-Office: Vielerorts möglich, aber nicht überall genutzt

Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Möglichkeit hätten, im Home-Office zu arbeiten. Allerdings nutzte davon nur etwa die Hälfte diese Option. Diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage konnte kürzlich auch die Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V. (EAF) in ähnlicher Form nachweisen.

EuPD hat allerdings auch nach den Ursachen gefragt: Die meistgenannten Gründe dafür, auf den Home-Office-Arbeitsplatz zu verzichten, waren dabei:

  • kein Bedarf
  • Teamarbeit, die gegen das Arbeiten von Zuhause aus sprechen würde
  • das Fehlen von entsprechenden technischen Möglichkeiten
  • Datenschutzgründe.

Fehlende Information und großer Aufwand

Knapp 30 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sie dürften oder könnten nicht von Zuhause aus arbeiten. Ebenso viele Befragte sagten zudem, sie würden nicht wissen, ob die Möglichkeit zur Telearbeit in ihrem Unternehmen überhaupt bestehe.

Weiterhin war für 23 Prozent der Studienteilnehmer die Nutzung des Home-Office mit großem Aufwand verbunden.

Unterschiedliche Wahrnehmung beim Thema "Home-Office"

Nach Aussage der befragten Arbeitnehmer scheinen Home-Office und Telework bei den Führungskräften nicht allzu beliebt zu sein: Lediglich einen Fünftel der Befragungsteilnehmer gab an, ihr direkter Vorgesetzter könne den Themen "Home-Office" und "Telearbeit" etwas Positives abgewinnen.

Deutlich anders fällt hingegen das Urteil der Arbeitnehmer selbst aus: Sie stehen dem Thema mehrheitlich bejahend gegenüber und nennen Flexibilität, eine bessere Work-Life-Balance und die Ruhe beim Arbeiten als wesentliche Vorteile.

Flexible Arbeitsgestaltung derzeit vor allem in Großunternehmen

Die Studie von EuPD zeigt: Obwohl das Konzept der Telearbeit schon seit vielen Jahren diskutiert wird, spielt es als Form der Arbeitsorganisation offenbar immer noch eine untergeordnete Rolle. Heute findet Telearbeit zumeist in Großunternehmen statt, wie die Untersuchung zeigt.

Dabei birgt die Telearbeit eine Reihe von Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitsgestaltung: Erfolgreich eingesetzt werden kann das Konzept etwa dann, wenn dadurch die Produktivität der Arbeitnehmer erhöht wird, sodass die Mitarbeiter auch selbst davon profitieren können.

Die Voraussetzung ist allerdings eine leistungsfähige und benutzerfreundliche Hardware, die eine effiziente sowie kostengünstige Kommunikation sicherstellt.

Doch auch die Menschen sind gefragt: Damit Telearbeit funktionieren kann, braucht es verantwortungsbewusste Arbeitnehmer und innovative Arbeitgeber, die das Prinzip des "Management by Objectives" verinnerlicht haben.

Wie es mit der Telearbeit weitergeht

Insgesamt lässt sich nur schwer voraussehen, wie sich die Telearbeit als Form der Arbeitsorganisation entwickeln wird. Nach Angaben der befragten Arbeitnehmer hat das Home-Office großes Verbreitungspotenzial, so eine Kernaussage der Studie von EuPD.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 gibt es allerdings auch einige Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zurück in die Firmenzentrale holen. Hierin wird letztlich das Spannungsfeld sichtbar: Abhängig von künftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen wird es eine Herausforderung für Unternehmen sein, die Möglichkeiten und Chancen von Telearbeit zu nutzen und gleichzeitig die Risiken abzuwägen.


Autoren:
Dr. Thomas Olbrecht ist Leiter Markt- und Sozialforschung, EuPD Research.
Christian Sottek ist Experte Handelsmarketing, Deutsche Telekom AG.
Johanna Wartner ist Junior Projektmanagerin BGM, EuPD Research.


Zum Weiterlesen:

Mehr zu den Themen "Home-Office" und "Telearbeit" lesen Sie hier:

Mehr zum Thema "Management by Objectives" lesen Sie im Beitrag "Agil führen mit Vision", der in Ausgabe 05/2016 der "Wirtschaft + Weiterbildung" erschienen ist.

Schlagworte zum Thema:  New Work, Telearbeit, Homeoffice, Digitalisierung

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