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Arbeitnehmer fühlen sich produktiv im Homeoffice

Die Füße hochlegen: So stellen sich immer noch viele die Arbeit im Homeoffice vor.
Bild: Veer

In den Niederlanden gilt seit dem 1. Juli ein Recht auf Homeoffice. Hierzulande müssen die Arbeitnehmer im häuslichen Büro noch immer mit Vorurteilen kämpfen. Dabei sind die meisten Arbeitnehmer davon überzeugt, dass sie zuhause kreativ und produktiv sind – und nicht abgelenkt und faul.

Von 307 Befragten in Deutschland und 665 Umfrageteilnehmern in Österreich sagen 88 Prozent: Ja, ich bin der Ansicht, dass ich meine Arbeit adäquat von zu Hause erledigen kann. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage der Jobbörse Monster.de. Zur zehn Prozent glauben nicht daran.

„Home-Office ist bei Arbeitnehmern sehr beliebt, die Umsetzung entsprechender Regelungen aber nicht unproblematisch. Die Mitarbeiter im Büro haben zum Beispiel häufig die Befürchtung, sie müssten mehr arbeiten als ihre Kollegen im Home-Office. Die Kollegen im Homeoffice wiederum fühlen häufig einen Rechtfertigungsdruck oder haben das Gefühl, vom Informationsfluss abgeschnitten zu sein“, erklärt Bernd Kraft, Vice President General Manager bei Monster. „Hinzu kommt, dass die wenigsten der befragten deutschen Großunternehmen glauben, ihre Mitarbeiter seien im Homeoffice produktiver als im Büro.“

Häufig Vorurteile gegenüber Homeoffice-Arbeitern

Viel zu häufig wird den Homeoffice-Arbeitern noch vorgeworfen, dass sie eher nebenbei den Haushalt schmeißen oder schlicht die Füße hochlegen. Dabei glauben laut einer zweiten Umfrage 71 Prozent von den 1.003 befragten Arbeitnehmern, dass sie sich auch außerhalb vom klassischen Arbeitsplatz im Büro oder Betrieb motivieren zu können - beispielsweise bei der virtuellen Teamarbeit. Im Home-Office entwickelt gut jeder Zweite sogar mehr kreative Ideen als im Team, so das Ergebnis der Umfrage von Metaberatung.

Das richtige Team für die virtuelle Zusammenarbeit

Doch Dr. Rainer Neubauer, Geschäftsführer von Metaberatung, warnt auch: Gerade bei einer modernen Personalorganisation – wie virtueller Teamarbeit – sollte das HR-Management die Vor- und Nachteile von sozialer Interaktion und stiller Einzelarbeit sogfältig ausbalancieren. "Teams gilt es immer im Hinblick auf die Persönlichkeit der Mitglieder aufzustellen: ein hoher Mix an Potenzialen bei gleichen Wertvorstellungen. Das ist bei virtuellen Teams umso wichtiger. Erstens, weil nicht jeder virtuell effektiv arbeitet und weil zweitens viele Elemente zwischenmenschlicher Interaktion hier wegfallen, um sich sozial zu orientieren", so Neubauer.

Homeoffice trägt zur Arbeitgeberattraktivität bei

Im Sinne der Arbeitgeberattraktivität wäre es jedoch allemal, mehr Homeoffice-Angebote zu unterbreiten. So belegen die Studien „Bewerbungspraxis 2015“ und „Recruiting Trends 2015“, die jährlich vom Centre of Human Resources Information Systems der Universität Bamberg in Kooperation mit Monster durchgeführt werden, dass flexible Arbeitsmodelle für Arbeitnehmer eine große Rolle spielen: Knapp 86 Prozent der befragten Stellen- und Karriereinteressierten würden am liebsten bei einem Unternehmen arbeiten, das flexible Arbeitszeiten und Homeoffice ermöglicht. Rund sieben von zehn Befragten würden ein Jobangebot sogar nur dann annehmen, wenn das Unternehmen flexible Arbeitszeiten – das heißt, das Arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten am selben Ort – ermöglicht. Etwa die Hälfte stellt die Möglichkeit des Homeoffice als nötige Bedingung.

Fünf Tipps für das produktive Homeoffice

Was können Unternehmen und Arbeitnehmer also tun, damit die Arbeit im Homeoffice gelingt? Das Software-Unternehmen Techsmith, gibt dazu Tipps:

  1. Rahmenbedingungen festlegen
    Im Vorfeld sollten zunächst alle wichtigen Fragen, zum Beispiel nach Kernarbeits- und Erreichbarkeitszeiten mit dem Vorgesetzten geklärt und schriftlich festgehalten werden. Wichtig ist zudem, wer die Kosten für die Einrichtung des Homeoffice trägt, ob zum Beispiel der Arbeitnehmer Geräte zur Verfügung stellt und Kosten für Instandhaltung und Internetzugang übernimmt. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, ist eine genaue vertragliche Regelung für beide Seiten von Vorteil.
  2. Trennung von Arbeit und Privatleben
    Entscheidend für den Erfolg von Heimarbeit ist die richtige Umgebung. Grundsätzlich sollte ein separates Arbeitszimmer mit dem notwendigen technischen Equipment und allen benötigten Materialien eingerichtet werden. Optimal ist auch eine eigene Telefonnummer, die ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird. Eine verschließbare Tür hilft, ein ungestörtes Arbeitsumfeld zu schaffen und Beruf und Freizeit effektiv zu trennen. Wichtig sind klar festgelegte Arbeitszeiten, die konsequent eingehalten werden sollten.
  3. Professionelle Kleidung
    Das Homeoffice ist ebenso wenig eine Wellness-Zone wie das Büro – Jogginghose und Schlafanzug sind tabu. Wer sich professionell kleidet, erledigt seine Arbeit mit größerer Ernsthaftigkeit.
  4. Remote-Zugriff und Arbeitsumgebung
    Damit Angestellte im Homeoffice auf genau dieselben Systeme mit allen Dokumenten, Programmen und Datenbanken zugreifen können, sollte eine entsprechende VPN Verbindung bereit gestellt werden, über die sich der Angestellte in das Unternehmenssystem einwählen kann. Zudem lassen sich so Dateien vom eigenen Endgerät auf den Unternehmensserver übertragen und umgekehrt. Die Datensicherheit spielt dabei eine große Rolle, entsprechende Vorkehrungen sollten unbedingt getroffen werden.
  5. Conference Calls
    Kostenlose Tools wie Skype oder Google Hangout eignen sich sowohl für kleinere Besprechungen als auch für größere Online-Meetings, bei denen auch der eigene Bildschirm geteilt werden kann. Zudem wird eine persönliche Verbindung hergestellt, weil der Gesprächspartner im Video-Chat sichtbar ist. Bei Konferenzen mit einer größeren Anzahl an Teilnehmern eignet sich das kostenpflichtige Skype for Business (ehemals Lync). Bis zu 250 Personen können hier teilnehmen, zudem sind die Sicherheitsstandards hoch, um sensible Daten bestmöglich zu schützen.


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Haufe Online Redaktion

Homeoffice, Arbeitgeberattraktivität, Teamarbeit