Viele Chefs und HRler gehen zu spät, zu unstrukturiert oder sogar unvorbereitet ins Kündigungsgespräch, so das Ergebnis einer schweizer Studie. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Unvorbereitete, zu spät geführte Kündigungsgespräche, schwammige Begründungen und fehlende Austrittsgespräche: Eine Studie zeigt, was bei Kündigungen in der Schweiz oft schiefläuft. Bislang geht dort etwa nur jedes zweite Kündigungsgespräch zufriedenstellend über die Bühne.

Will sich ein Arbeitgeber in der Schweiz von einem Mitarbeiter trennen, hat er rechtlich deutlich mehr Spielraum als in Deutschland: Er kann das Arbeitsverhältnis jederzeit und ohne Begründung auflösen. Zur rechtskonformen Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss er nur Fristen und bestimmte Ausnahmen einhalten.

Die zwischenmenschliche Seite des Trennungsprozesses macht das nicht unbedingt leichter – muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer doch oft relativ kurzfristig mitteilen, dass dieser sich nach einem neuen Job umsehen muss.

Kündigung: Jede dritte wird als unfair empfunden

Wie gut diese "weiche" Seite des Trennungsprozesses in der Schweiz bislang gelingt, hat nun das Luzerner Marktforschungs- und Coaching-Unternehmen Neumann Zanetti & Partner knapp 600 Schweizer Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefragt. Demnach verläuft bislang nur jedes zweite Trennungsgespräch in der Schweiz zufriedenstellend. Ein Drittel der Befragten empfand ihre eigene Kündigung insgesamt als unfair.

Das spiegeln auch die Gefühle bei Trennungsgesprächen wider, nach denen die Studienautoren jene Studienteilnehmer gefragt haben, denen ihr Arbeitgeber gekündigt hatte: "Machtlos" hätten sie sich gefühlt, "erniedrigt", "frustriert" oder "den Tränen nahe", berichten die Teilnehmer.

Nicht nur beim Kündigungsgespräch hapert es

In vielen Schweizer Unternehmen oder Schweizer Niederlassungen und Töchter ausländischer Firmen scheint es jedoch nicht nur beim Kündigungsgespräch, sondern auch an anderen Stellen des Kündigungsprozesses zu hapern.

Diese Erkenntnisse dürften nicht nur für Personaler in der Schweiz und solche, die vom Ausland aus Schweizer Personal betreuen, relevant sein, sondern auch für deutsche Personaler: Denn auch hierzulande gibt es beim Trennungsprozess noch einigen Nachholbedarf, wie kürzlich eine Studie der Universität des Saarlands zur Kündigungspraxis in Deutschland gezeigt hat.

Das sind die Erkenntnisse der Schweizer Studie im Überblick:

  • Es wird schlecht und unstrukturiert gekündigt. Auch, wenn knapp 50 Prozent aller an Kündigungsgesprächen beteiligten Personen mit dessen Verlauf im Großen und Ganzen zufrieden sind: Dieser generellen Einschätzung stehen in den Unternehmen zahllose schlechte, unstrukturierte Vorgehensweisen bei Kündigungen gegenüber.
  • Viele Kündigungsgespräche werden zu spät geführt. Darüber hinaus werden viele Gespräche auch zu spät und nur rudimentär vorbereitet. 13 Prozent aller Vorgesetzten verzichten sogar ganz auf eine Vorbereitung.
  • Die Gründe für Kündigungen bleiben unklar oder werden sogar verschleiert. Arbeitgeber bestätigen beispielsweise, dass der häufigste Kündigungsgrund eine ungenügende Leistung von Arbeitnehmern ist. Die Arbeitnehmer jedoch geben an, dass ihnen im Kündigungsgespräch am häufigsten eine Restrukturierung als Grund genannt wird. 18 Prozent der Arbeitgeber, die an der Studie teilnahmen, gaben zu, dass sie die wahren Gründe der Kündigung nicht erwähnten.
  • Ein wertschätzender Austausch fehlt. Die Wertschätzung der gekündigten Teammitglieder geht in jedem zweiten Kündigungsgespräch unter, auch weil für viele Führungskräfte die Kontrolle jeglicher Gefühle und Unwägbarkeiten als wichtigstes Ziel gilt. Sie lassen das Verstehen von Zusammenhängen vermissen, denn ein wertschätzender Austausch im Kündigungsgespräch wäre ein wichtiger Baustein fürs Akzeptieren und fürs gemeinsame Umsetzen der noch verbleibenden Schritte.
  • Austrittsgespräche finden nicht statt. Austrittsgespräche werden zu selten als Chance genutzt: Mit nur 47 Prozent der befragten Arbeitnehmer, die kündigten, wurde ein solches Gespräch geführt.
  • Nach der Kündigung folgt oft die sofortige Freistellung. 45 Prozent der Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber die Kündigung erhielten, wurden umgehend freigestellt. Einige Teilnehmer berichten auch davon, dass sie zwar noch im Unternehmen blieben, sie aber nicht mehr an Entscheidungen und Informationen beteiligt wurden.
  • Die Zeugnisausstellung verläuft oft fragwürdig. So dürfen etwa elf Prozent der Arbeitnehmer, die kündigen, die erste Version ihres Arbeitszeugnisses selber verfassen.
  • Führungskräfte sind der häufigste Kündigungsgrund. Kündigt der Arbeitnehmer selbst das Arbeitsverhältnis, ist die Beziehung zur eigenen Führungskraft der häufigste Grund.
  • Der Führungsstil beeinflusst die Zusammenarbeit. Die Studie zeigt, wie sehr die Zusammenarbeit in den Unternehmen von der Art und Weise abhängt, wie Führungskräfte ihre Führungsaufgabe wahrnehmen.

Kritik an gleichgültigen Personalern

Doch nicht nur die Führungskräfte, die als häufigster Grund für eine Kündigung genannt werden, auch die Personaler kritisieren die befragten Arbeitnehmer. So sagt etwa einer der Befragten, er verstehe nicht, warum in seinem ehemaligen Unternehmen keine Austrittsgespräche geführt wurden und niemand an den wahren Gründen seiner Kündigung interessiert schien. "Veränderungen werden nicht angestrebt, nicht einmal wenn mehrere Mitarbeiter aus identischen Gründen kündigen. Das Betriebsklima ist – mit einem Wort – unmöglich und so wird es wohl auch bleiben", so die Einschätzung des Studienteilnehmers.

Von Gleichgültigkeit bei den Personalern berichtet auch ein weiterer Befragter. "Ich habe das Kündigungsschreiben beim HR-Leiter vorgelegt. Dieser unterzeichnete es, stellte keine einzige Frage." Der Personaler habe die Kündigung nur zur Kenntnis genommen, mehr sei nicht passiert.

Kündigungen: für die meisten Personaler eine Belastung

Wo dann doch Austrittsgespräche stattfinden, führt diese meist der direkte Vorgesetzte durch – obwohl die Beziehung zur Führungskräfte ja als häufiger Kündigungsgrund gilt. Hier wäre also HR als Prozessverantwortlicher oder zumindest als Vermittler zwischen Führungskraft und scheidendem Mitarbeiter gefordert.

Dass Kündigungen jedoch auch für die Personaler keine leichte Übung sind, zeigen deren Antworten auf die Frage, wie sie sich beim Aussprechen einer Kündigung fühlen: Für die meisten (33 Prozent) stellt das Gespräch eine Belastung dar. Ein Viertel fühlt sich in der Pflicht, sich für die Kündigung zu rechtfertigen. Und zwölf Prozent fühlen gar mit dem Mitarbeiter mit.

Der Download der kompletten Studien-Ergebnisse kann hier kostenlos angefordert werden: www.nzp.ch.

 

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Schlagworte zum Thema:  Kündigung, Trennung, Führung

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