Eine Rutsche im Büro (wie hier bei Google) ist noch lange kein New Work. Hermann Arnold von Haufe-umantis zeigt, was New Work wirklich ausmacht. Bild: Google Inc.

Eine Rutsche, ein Tischkicker oder ein Freitagsfrühstück: Unternehmen lassen sich einiges einfallen, um die Arbeitswelt modern erscheinen zu lassen. New Work ist das aber nicht. Hermann Arnold, vor Kurzem zum New Worker des Jahres ausgezeichnet, zeigt, was New Work wirklich heißt.

New Work ist bereits seit einigen Jahren ein beliebtes Schlagwort – es klingt hip und modern, nach Tischkicker, Yoga in der Mittagspause und Arbeiten am See. Unternehmen, die New-Work-Konzepte umgesetzt haben, stehen im Ruf, die digitale Transformation erfolgreich in Angriff genommen zu haben sowie ein attraktiver Arbeitgeber für die heiß umkämpften Digital Natives zu sein. Doch ist das wirklich so? Wenn wir den Ergebnissen einer aktuellen Kienbaum-Studie glauben, ist New Work vor allem eins: Ein großes Missverständnis.

Denn knapp drei Viertel aller deutschen Unternehmen haben laut der Umfrage New Work als Thema auf ihrer Agenda. Allerdings erschöpfen sich die Maßnahmen bei einem Großteil der Befragten in der Möglichkeit, mit mobilen Devices im Home Office arbeiten zu dürfen. Dies ist sicher ein guter Anfang – doch nicht New Work.

New Work: Was wirklich dahintersteckt 

Unter New Work verstehen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der alle relevanten Dimensionen des Unternehmens – Mitarbeiter, Organisation und Technologie – gleichermaßen adressiert und damit in der Regel einen umfassenden Wandel im Unternehmen nach sich zieht. Denn tradierte Weisung & Kontrolle sowie die vielerorts noch vorhandenen hierarchischen Entscheidungswege ermöglichen weder die heute notwendige Agilität noch entsprechen sie den Wünschen der jungen Top-Talente (und auch nicht denen der erwachten älteren Generation) an ihre Arbeit.

Führung entmystifizieren

Wir müssen also neue Wege in der Führung von Unternehmen und Mitarbeitern gehen – und dazu zunächst einmal Führung entmystifizieren. Führung muss von Macht und Prestige entkoppelt werden, jeder muss führen: sich selbst, seine Aufgaben und teilweise andere. Und jeder muss folgen: seiner Chefin, seinem Kollegen, seinen Mitarbeitern. Und jeder muss wissen, wann was angebracht ist. Führungskräfte müssen lernen loszulassen, ihren Mitarbeitern zu vertrauen und ihnen in deren Projekten zu folgen – denn die Mitarbeiter haben die Aufgabe, ihre jeweiligen Themen zu verantworten. Gleichzeitig müssen Mitarbeiter in der Lage sein, ihren Chef zu führen. Sie müssen Eigeninitiative ergreifen, mitdenken und selber Maßnahmen zum Wohl des Unternehmens ergreifen, statt die Verantwortung an den Vorgesetzten zu delegieren, bequem dessen Anweisungen zu folgen (oder auch nicht) und erst nach Feierabend ihrem Ideenreichtum wieder freien Lauf zu lassen.

Karrieremodelle ändern

Zur Entmystifizierung von Führung gehört auch, dass wir uns von den klassischen Kaminkarrieren verabschieden und stattdessen auf spiralförmige Karrieremodelle setzen: Führungskräfte führen für eine bestimmte Zeit, kehren dann ins Team zurück und übernehmen nach einer Zeit der Beobachtung und des Lernens wieder eine Führungsposition. So wird ermöglicht, dass immer die fähigsten Personen abwechselnd an der Spitze stehen und Führungskräfte sich kontinuierlich weiterentwickeln.

 

Auf den Punkt gebracht bedeutet für mich New Work:

  1. Mut zum Experiment 
    Bringen Sie den Mut auf, Dinge auszuprobieren, um neue Wege zu beschreiten und Altes loszulassen. Fehler sollen und dürfen gemacht werden. Verwechseln Sie New Work dabei nicht mit kosmetischen Eingriffen wie Tischkicker und Co. – haben Sie den Mut, bewährte Konzepte und Ansichten zu hinterfragen.
  2. Mitarbeiter im Fokus
    Mitarbeiter wollen und müssen ihren Teil zum Unternehmenserfolg beitragen – fordern Sie sie und beziehen Sie sie in Unternehmensentscheidungen ein.
  3. Spiralförmige Karriere
    Verabschieden Sie sich von klassischen Kaminkarrieren, leben Sie Führung auf Zeit oder auf Abruf.
  4. Entmystifizierung von Führung
    Es muss ein Umdenken im Unternehmen, ja sogar in der Gesellschaft stattfinden. Führung darf nicht länger mit formellen Positionen verbunden werden – Führen und Folgen muss für jedermann und jederfrau zur selbstverständlichen Aufgabe werden.
  5. Selbstreflektion
    Hinterfragen Sie sich regelmäßig selbst: Bin ich noch der richtige für die Position, die ich aktuell bekleide? Kann ich dort meine Stärken für das Unternehmen gewinnbringend einsetzen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst.

Wenn wir diese Punkte leben, ist das sicher keine Erfolgsgarantie für die Transformation unserer Unternehmen – aber es ist New Work.


Zur Person: Hermann Arnold

Hermann Arnold ist Mitgründer und Verwaltungsratspräsident der Haufe-umantis AG. Bis Mai 2013 baute er als Geschäftsführer das Unternehmen von einem Universitätskeller-Start-up zu einem Unternehmen mit einem Team von 100 Mitarbeitern und vielen Partnern auf. Im März wurde er von Xing zum New Worker des Jahres ausgezeichnet.


Weitere Beiträge rund um das Thema "New Work" finden Sie auf der Themenseite.

Schlagworte zum Thema:  New Work, Führung, Transformation

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