1

0

02.04.2014 | Serie Kolumne Recruiting

"Social Müdigkeit" im Personalmarketing?

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Während viele Personaler noch gar nicht auf den Social-Media-Zug aufgesprungen sind, fahren andere ihre Aktivitäten im Social Web offenbar schon zurück. Unser neuer Kolumnist Henner Knabenreich erkennt eine gewisse "Social Müdigkeit" und rät dazu, noch einmal zurück auf Start zu gehen.

Neulich schrieb ich auf meinem Blog über die "Candy Date Experience". Getreu dem Motto "Gib dem Affen Zucker" war Social Media zuletzt die durchs Dorf gejagte Hype-Sau der Personalszene. Etwas Twitter hier, ein bisschen Facebook dort und der Rest wird schon von alleine laufen. Immerhin sind wir ja dort, wo die Zielgruppe sich tummelt, so die Denke. Aus Unternehmenssicht quasi die Eroberung des digitalen Affenfelsens des Silicon Valley.

Die Social-Media-Aktivitäten sind etwas eingeschlafen

Wenn ich mir so die Personalmarketing-Aktivitäten im Social Web anschaue und auch die Berichterstattung darüber, so habe ich allerdings den Eindruck, der Hype sei vorbei. Ruhig ist es geworden auf Facebook & Co. Aktuelle Studien zum Einsatz von Social Media festigen (je nach Interessenslage des Auftraggebers) diesen Eindruck und stellen eine zunehmende "Social Müdigkeit" auch in Personalabteilungen fest.

Aber war’s das wirklich? Sind Deutschlands Arbeitgeber "social müdia"? Oder zeigt sich vielmehr, dass der Bewerber nicht wie ein dressierter Affe jegliches halbherzig hingeworfene Leckerli dankbar aufnimmt? Social Media kann ein echtes "Candy Date" sein. Kann. In der Realität ist es aber eher Sand in die Augen streuen, als die süße Versuchung einem schmackhaften Arbeitgeber auf Augenhöhe zu begegnen.

Die Frage, wie es um den Einsatz von Social Media in deutschen Personalabteilungen bestellt ist, ist also durchaus berechtigt. Am Rande bemerkt: Von einem Hype sind wir natürlich Lichtjahre entfernt, bezogen auf die Gesamtheit aller deutschen Unternehmen beteiligt sich am großen Social-Media-Abenteuer bis dato nur ein Bruchteil der Unternehmen.

Social Media sollte auch für Personaler mehr sein als Facebook

Überhaupt: Social Media ist mehr als nur Facebook. Auch mehr als streng limitierte Sprechzeiten auf Twitter. Denken Sie auch an Youtube & Co. (no Rap, please) oder an proaktives Recruiting auf Xing und Linkedin. Facebook war gestern, Active Sourcing ist das neue Zauberwort: Nie war es einfacher, selbst den Kandidaten nachzustellen. Die Konsequenz? Die Branche der Personalberater scheint vom Untergang bedroht. Ob die Kandidaten immer so glücklich sind, wenn sie zugespamt werden, steht auf einem anderen Blatt.

Auch Azubi- oder Mitarbeiterblogs sind eine beliebte Spielwiese deutscher Personaler. Zu Recht: Wie kaum eine andere Plattform bietet sich Ihnen hier die Möglichkeit, sich als authentischer und l(i)ebenswerter Arbeitgeber nach außen darzustellen und für ein "Candy Date" zu sorgen. Damit das gelingt, sollten Sie allerdings Marketing und Unternehmenskommunikation außen vorlassen, sonst bleibt die Authentizität auf der Strecke. Nach wie vor eher geschmäht und als Personalmarketing-Pranger gescholten: Arbeitgeberbewertungsportale. Dabei bieten diese durchaus Potenziale fürs Employer Branding – ohne dass es viel kosten muss.

Mitspielen muss jeder Arbeitgeber – aber richtig

Letztendlich bietet Ihnen das Social Web viele Möglichkeiten, Ihre Arbeitgebermarke zu stärken und die Reichweite zu erhöhen oder neue Recruiting-Wege zu erschließen. Entscheidend ist dabei nicht, ob, sondern wie Sie mitspielen.

Social Media ist nämlich mehr als nur ein weiterer Kanal, um die Bewerber zu bespaßen. Vielmehr ist das Ganze eher eine Frage der Haltung: Zielgruppenansprache, Erwartungen und Wünsche der Zielgruppen sind ebenso wichtig, wie der Umgang mit ihren Fragen, Kommentaren oder Kritik. Auch das Fördern des Dialogs und der Aufbau einer Community stehen im Fokus. All diese kanalunabhängigen Aspekte sollten Sie (egal, auf welcher Plattform) berücksichtigen.

Auch in Social Media braucht HR Ausdauer

Und, ganz unter uns: Ohne viel Herzblut, einen langen Atem und eine gehörige Portion Empathie wird das so oder so nix. Erfolg im Social Web kommt nicht über Nacht – auch wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Auch Ihre Unternehmenskultur muss passen. Und ohne das notwendige Know-how und ausreichend Ressourcen geht es auch nicht. Ganz zu schweigen von Inhalten, die Ihrer Zielgruppe einen Mehrwert bieten und sie begeistern.

Wenn all das aber passt, dann, ja dann verfliegt auch die letzte "Social Müdigkeit" und das "Candy Date" ist gesichert!

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Haufe Online Redaktion

1

Recruiting, Personalmarketing, Social Media, Rekrutierung

Aktuell

Meistgelesen