11.06.2014 | Serie Kolumne Recruiting

Hausgemachter Fachkräftemangel: Mehr Personalmarketing nötig

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Ergebnis des "Nationalen Bildungsberichts" zeigt: Der Fachkräftemangel ist hausgemacht, weil die Unternehmen zu wenig ausbilden. Auch Kolumnist Henner Knabenreich hält einen großen Anteil am Fachkräftemangel für hausgemacht - weil Unternehmen ihre Partnersuche vernachlässigen.

Ich weiß ja nicht, ob Sie auch zu denen gehören, die über den Fachkräftemangel jammern, den uns die Medien eintrichtern. Klar, ganz wegreden kann man ihn nicht. Tatsächlich ist es aber so, dass der Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem ist.

Unternehmen vernachlässigen das Personalmarketing

Es gibt verschiedene Studien, die eindrucksvoll untermauern, dass Unternehmen längst nicht alle Register in Sachen Personalmarketing ziehen. Und wer sagt denn, dass Bewerbersuche einfach ist? Genau wie bei der Partnersuche auch, bedarf es einiger Anstrengung und Initiative.

Überlegen Sie doch mal, wie das ist, wenn Sie auf der Suche nach Ihrem Traumpartner sind. Selbst so ein One-Night-Stand ist in der Regel nicht ohne proaktives Vorgehen zu haben. Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie würden Ihren Partner fürs Leben suchen. Wie würden Sie da vorgehen? Würden Sie sich zuhause einschließen und darauf warten, bis sie oder er an Ihre Tür klopft?

Personaler warten ab statt aktiv zu werden

Genau das machen aber viele Unternehmen. Sie beklagen sich, dass sie keine Bewerber bekommen, sitzen in ihrem Personalabteilungs-Kämmerlein und warten und warten. Und wenn sie nicht gestorben sind, warten sie noch heute. Dass das wenig effizient ist, leuchtet ein.
Also ergreifen Sie Initiative. Gehen Sie auf die Bewerber zu, zeigen Sie sich von der besten Seite - aber verstellen Sie sich nicht. Ansonsten reicht das vielleicht für eine schnelle Nummer – nicht aber für eine langfristige Beziehung. Schließlich suchen Sie nicht den erstbesten, sondern passende Bewerber. Außerdem wollen Sie keine schlechten Arbeitgeberbewertungen riskieren. Abgesehen davon, dass der frisch gewonnene Mitarbeiter nicht nach drei Jahren wieder das Unternehmen verlassen, sondern Ihnen loyal die Treue halten soll. Sie müssen also an der Beziehung arbeiten.

Partnersuche für Personalmanager

Aber zuvor müssen Sie ihn ja noch finden, Ihren Traumprinzen. Was also ist zu tun? Ganz einfach: Zeigen Sie an allen erdenklichen Punkten Flagge und machen Sie auf sich als Arbeitgeber aufmerksam. Woher soll ein Bewerber sonst wissen, dass es Sie gibt und wer Sie sind – wenn Sie nicht gerade BMW, Audi oder Ikea heißen?

Mögliche Plätze, wo Sie Ihren Traumpartner finden können, gibt es viele. Zunächst einmal geht natürlich an den klassischen Medien kein Weg vorbei. Nicht ohne Grund ist die Stellenanzeige nach wie vor das beliebteste Informationsmedium bei den Bewerbern. Aber längst werden nicht alle Potenziale ausgeschöpft, wie eindrucksvoll die "Goldene Runkelrübe" zeigt. Auch die Wahl der richtigen Jobbörse ist entscheidend. Es kommt nicht auf die Größe an – sondern darauf, dass sich Ihre Zielgruppe dort tummelt.

Die Karriere-Webseite ist Pflicht

Letztlich geht natürlich kein Weg an Ihrer Webseite vorbei. Ein Bereich, auf dem Sie sich als Arbeitgeber vorstellen und Ihre Jobs präsentieren, ist Ihre gottverdammte Pflicht! Die Karriere-Website ist und bleibt Drehpunkt Ihrer Recruiting-Aktivitäten. Egal woher der Bewerber kommt, hier laufen alle Fäden zusammen. Bespielen Sie diese Kanäle, sind Sie schon ein großes Stück weiter, als viele andere Unternehmen da draußen.

Und es geht noch viel mehr. Denken Sie mal über Banden- oder Plakatwerbung in Sportvereinen oder auf Konzerten, im Kino und anderen Veranstaltungen nach. Präsentieren Sie sich Ihrem Nachwuchs in Schulen. Gehen Sie Kooperationen mit Hochschulen/Universitäten ein. Präsentieren Sie sich auf Jobmessen. Bauen Sie Kontakt zur (örtlichen) Presse auf. Schalten Sie Radiospots. Lassen Sie sich originelle RecruitainmentFormate einfallen.

Das eigentliche Bewerbermanagement nicht vergessen
Aber vergessen Sie bei all dem nicht Ihren Bewerbungsprozess. Wenn Sie Ihre Bewerber im letzten Moment durch umständliche Online-Formulare oder unwirsche Antworten am Telefonat vergraulen, wird das eh nix mit der Beziehung.

Hinweis: Erst vor kurzem belegten die Autoren des Nationalen Bildungsberichts, dass Fachkräftemangel oft hausgemacht ist. Nach ihnen hapert es vor allem an der Ausbildung in Deutschland. Mehr dazu lesen Sie hier.

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Haufe Online Redaktion

Recruiting, Personalmarketing, Fachkräftemangel, Rekrutierung